Aktuelle Meldungen

19.10.2020

LIFE-Projekt für Wiesenvögel

Rotschenkelbestände sollen durch das Projekt Aufwind bekommen (© Wolfgang Charles)

In Nordrhein-Westfalen wie in vielen Gebieten Mitteleuropas gehören Wiesen- und Weidevögel zu einer der bedrohtesten Tiergruppen. Einst bewohnten diese Arten die großflächigen Hochmoore der norddeutschen Tiefebene, aber auch ursprüngliche Kulturlandschaften wie feuchte Wiesen und Niedermoorstandorte mit geringer Viehdichte. Artenreiches Grünland ist jedoch in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden und mit diesem sind die Bestände von Wiesenvögeln geradezu zusammengebrochen.

Um diese Entwicklung aufzuhalten, im besten Falls sogar umzukehren, hat das LANUV für das Land NRW in Partnerschaft mit zehn Biologischen Stationen gemeinsam mit der SOVON (dem niederländische Pendat zum DDA) Gelder bei der Europäischen Union beantragt. Das Projekt „Wiesenvögel NRW - Breeding and migratory low wetland meadow-birds in North-Rhine Westphalia“ wurde nun genehmigt. Von 19 Millionen Euro kommen 60 % aus dem LIFE-Programm der Europäischen Kommission, der Rest wird vom Land NRW getragen. Mit diesem Geld sollen vor allem der Wasserhaushalt wiesenvogelfreundlich gemanagt werden und die Landwirtschaft teilweise extensiviert werden. Gehölze, die sonst Prädatoren begünstigen würden, sollen entfernt werden und in geringem Maße ist auch vorgesehen, Flächen zu erwerben.

Die Projektzeit erstreckt sich über sieben Jahre, soll aber auch langfristig zu Verbesserungen führen. Maßnahmen sollen in insgesamt acht Vogelschutzgebieten zwischen Unterem Niederrhein und dem Kreis Minden-Lübbecke durchgeführt werden.

Die Beteiligten erhoffen sich, dass von den Maßnahmen Arten wie Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Rotschenkel, Kiebitz, Bekassine, Löffelente, Knäkente und Wiesenpieper profitieren. Neben den Brutvögeln sollen die Lebensraumverbesserungen aber auch Durchzüglern und Rastvögeln wie weiteren Enten- und Limikolenarten zu Gute kommen.

Die NWO setzt sich seit Langem für die Erforschung und den Schutz von Wiesenvögeln ein und koordiniert gemeinsam mit den Biologischen Stationen die AG Wiesenvögel, aus der viele Mitglieder am LIFE-Projekt beteiligt sind.

Mehr zum Thema gibt es in der Pressemitteilung des LANUV und auf der Seite des LIFE-Projektes Wiesenvögel in NRW.

 

 

11.10.2020

Niederländische Seeadler fliegen nach NRW

Junger Seeadler (© Hans Glader)

Seit einigen Jahren brüten Seeadler in den Niederlanden. Die einst in Mitteleuropa akut vom Aussterben bedrohte Art ist zwar immer noch vielen Gefahren ausgesetzt, konnte sich aber dank intensiver Schutzbemühungen in ihrem Bestand erholen. Das Verbreitungsgebiet hat sich nach Westen ausgedehnt und mittlerweile brüten mehrere Paare bei unseren westlichen Nachbarn. Übrigens, auch in NRW gibt es seit einigen Jahren ein Brutpaar auf der Bislicher Insel am Niederrhein (Brutsaison 2019).

Die jungen niederländischen Seeadler werden beringt und mit GPS-Sendern ausgestattet. Im Internet lassen sich ihre Wanderungsbewegungen verfolgen und es hat sich gezeigt, dass die Vögel neben vielen Gebieten in den Niederlanden, auch Teile Deutschlands als Aufenthaltsräume bevorzugen. Außer an der niedersächsischen Nordseeküste und dem unteren und mittleren Elbetal halten sich die Vögel auch in NRW auf. Vögel wurden besonders am Unteren Niederrhein, aber auch in anderen Regionen wie dem Wesertal geortet. Ein Seeadler flog quer über Westfalen, ein anderer folgte dem Rheintal und erreichte wohl über das Nettetal die Maas. Ein ausführlicher Bericht und eine übersichtliche Karte über die niederländischen Seeadler findet sich hier (auf Niederländisch). Ihr könnt den Vögeln aber auch ganz aktuell auf der Seite der niederländischen Seeadlerarbeitsgruppe folgen.

 

 

06.10.2020

Internationale Kiebitz- und Goldregenpfeiferzählung

Goldregenpfeifertrupp (© Hans Glader)

Am 17./18. Oktober findet die internationale Kiebitz- und Goldregenpfeifer-Zählung statt! Vor wenigen Jahrzehnten gab es während der herbstlichen Rast in Nordrhein-Westfalen noch regelmäßig Goldregenpfeifertrupps, deren Individuenzahl in die Tausende reichten und am Niederrhein rasteten nicht selten bis zu 100.000 Kiebitze! Bei Zugstausituationen im Frühjahr waren es manchmal sogar noch mehr Vögel. Heute erscheinen den meisten Beobachter*innen solche Zahlen kaum noch vorstellbar, umso wichtiger ist es aber, die Bestandsveränderungen zu dokumentieren! Nicht umsonst sind beide Arten mittlerweile in NRW auf der Roten Liste der wandernden Vogelarten.

Alle Informationen zum Programm gibt es auf der Homepage des Dachverband Deutscher Avifaunisten . In NRW hat Stefan R. Sudmann die Projektkoordination übernommen.

 

 

02.10.2020

Brutvogelatlas ausverkauft

Cover des Brutvogelatlas

Unser Brutvogelatlas ist ausverkauft. Auch das LWL-Museum in Münster hat keine Bestände mehr und auch über unsere Geschäftsstelle ist das Werk nun nicht mehr zu beziehen. Wir hoffen, Ihr habt es alle geschafft, rechtzeitig ein Exemplar zu erstehen. Die Informationen sind jedoch weiterhin für alle frei online verfügbar. Die online-Version des Brutvogelatlas hält weitehin alle Informationen bereit.

Wir bedanken uns nochmal vielmals bei allen, die an diesem Mammutprojekt beteiligt waren!

 

 

18.09.2020

Wasservogelzählsaison 2020-2021 gestartet

Zwergtaucher (© Wolfgang Charles)

Die Wasservogelzählsaison 2020-2021 hat begonnen. Wie jedes Winterhalbjahr werden auf zahlreichen Gewässern Nordrhein-Westfalens die Wasservögel jeweils zur Monatsmitte erfasst. Die erhobenen Daten geben Auskunft über Bestandsveränderungen der bei uns überwinternden Schwäne, Enten, Taucher und vielen anderen Wasservogelgruppen. Gemeinsam mit Daten aus ganz Deutschland und Europa (und letztlich sogar der ganzen Welt) lässt sich so ein faszinierendes Bild der Dynamik dieser Vögel abbilden. Längst zeigt sich auch der Einfluss des Klimawandels in diesen Daten - einige nordische Wasservögel überwintern beispielsweise heute weiter nördlich als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Der aktuelle Wasservogelrundbrief ging gerade an alle Zähler*innen und ist selbstverständlich auch online verfügbar. Darin enthalten sind die aktuellen Zähltermine und natürlich freuen wir uns auch immer über aktive neue Zhähler*innen.

 

 

10.09.2020

Spatzenturm für Hagen - Crowdfunding soll helfen

Dem Haussperling gingen 25 Brutplätze in Hagen verloren (© Stefan Sudmann)

Im Hagener Ortsteil Hohenlimburg befand sich eine kleine Kolonie Haussperlinge, die im Rahmen einer Sanierungsmaßnahme verloren gingen. Aus bautechnischen Gründen waren die 25 Spatzenbrutplätze weder zu erhalten, noch konnten Ersatznisthilfen am Gebäude platziert werden. Jetzt soll ein sogenannter Spatzenturm gebaut werden, damit die Haussperlinge weiter brüten können. Der geplante Turm verfügt über 30 Brutplätze, von denen 18 auch von Mauerseglern und drei auch von Staren genutzt werden könnten. Der Hauseigentümer und verschiedene Spender haben bereits mehr als die Hälfte der erforderlichen Summe zusammengetragen, es fehlen jedoch noch knapp € 5.000. Nun soll der restliche Betrag über Crowdfunding eingeworben werden.

Das Projekt wird geleitet von Franco Cassese, der sich bereits seit einigen Jahren mit dem Schutz gebäudebezogener Tierarten beschäftigt. Er leitet unsere AG Gebäudebrüter und setzt sich seit langem für den Schutz von gebäudebrütenden Vogelarten wie Mauersegler, Dohle oder Haussperling ein.

 

 

06.09.2020

Erste Bienenfresserbrut im Kreis Wesel

2020 brüteten Bienenfresser im Kreis Wesel (© Michael Böing)

Im Frühjahr berichteten wir bereits über einen möglichen Bienenfressereinflug in Nordrhein-Westfalen. Tatsächlich haben die tropisch anmutenden Vögel 2020 auch wieder bei uns gebrütet. Am bemerkenswertesten ist dabei vor allem der erste Brutnachweis im Kreis Wesel, über den uns Michael Böing und Ingbert Schwinum informiert haben und deren Zusammenfassung wir im Folgenden wiedergeben dürfen:

Sebastian Rödl entdeckte am 6. Juni 2020 sechs Bienenfresser an der „Zeelink-II-Baustelle“ am Welmer Weg in Hünxe. Bei der Baustelle handelt es sich um einen Rohrleitungsgraben, der sich nur wenige hundert Meter vom Wesel-Datteln-Kanal und der Lippe entfernt befindet. Nach der Bestätigung von mehreren Weseler Ornithologen informierte Ingbert Schwinum die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Wesel. „Am 8. Juni konnte ich Film- und Bildaufnahmen von den Vögeln beim Anlegen von Brutröhren im Rohrleitungsgraben machen und im Folgenden wurde auch die ökologische Baubegleitung der Abgrabungsfirma (Sabine Fennel) und die Vogelschutzwarte des LANUV (Michael Jöbges) informiert und es konnte ein Baustopp erzielt werden. Bei weiteren Kontrollen des Brutplatzes wurden zwei bis drei Bruthöhlen angeflogen und es konnten maximal fünf Bienenfresser gleichzeitig festgestellt werden.

Am 12. Juli konnten wir fütternde Altvögel an den Bruthöhlen beobachten. Die Beobachtungsbedingungen waren jedoch durch die große Entfernung zum Brutplatz (200-300 m) und den die Sicht behindernden Mais erschwert. Von Beobachtungsstellen, die näher an den Bruthöhlen lagen, konnte man nicht in den Graben hereinschauen. Es wurde weiter in unregelmäßigen Zeitabständen kontrolliert. Dabei wurden auch wieder alle sechs Bienenfresser gesehen. Am 09. August hielt sich sogar ein Wiedehopf im Gebiet auf.

Die ersten Jungvögel (2 Individuen) konnten am 13. August festgestellt werden, am 17. August konnte ich 9 wegfliegende Bienenfresser sehen, es könnte ein weiterer Jungvogel dabei gewesen sein. Leider konnte ich später keine genaueren Sichtungen mehr machen.

Am 19.08.20 wurde noch eine Kontrolle mit der Firma Zeelink, Ingbert Schwinum und mir direkt im Graben durchgeführt, es konnten keine besetzten Bruthöhlen mehr gefunden werden. Daraufhin wurde die Baustelle wieder freigegeben. Bei späteren Kontrollen wurden ebenfalls keine Bienenfresser mehr festgestellt."

Wir danken Michael Böing und Ingbert Schwinum und allen ehrenamtlich oder beruflich am Schutz der Vögel Beteiligten für ihr Engagement! Wir sind gespannt, ob im nächsten Jahr erneut Bienenfresser im Kreis Wesel brüten werden und mit ihrem bunten Gefieder mediterranes Flair am Unteren Niederrhein verbreiten werden.

ps Ein Video der Vögel ist auf unserer Facebookseite zu sehen.

 

 

04.09.2020

NWO-Mitteilungen erschienen

Die neuen NWO-Mitteilungen (Nr. 51) sind da! Und es beginnt direkt mit einem Staffelwechsel. Veronika Huisman-Fiegen hat die letzten 25 (!!!) Ausgaben der NWO-Mitteilungen herausgegeben, ganz wesentlich mit Inhalt gefüllt und zu einem festen Standbein in unseren Vereinsveröffentlichungen gemacht. Nun hat sie beschlossen, diese Aufgabe weiterzureichen. Vielen Dank, Veronika, für 25 spannende Ausgaben. Wir freuen uns gleichtzeitig, dass sich Bettina Fels bereit erklärt hat, mit der vorliegenden Ausgabe und in Zukunft diese wichtige Aufgabe zu übernehmen! Bitte unterstützt sie jederzeit mit interessanten Beiträgen!

In der neuen Ausgabe enthalten ist das Protokoll der letzten Mitgliederversammlung, das u.a. eine ausführliche Bilanz und Ausblicke zu 40 Jahren Vogelschutzrichtlinie enthält. Barbara Meyer und Stefan Sudmann stellen das NWO-Forschungsprojekt zur Störanfälligkeit des Ziegenmelkers vor, Christoph Grüneberg führt in das neue Uferschwalbenmonitoring ein und bittet dazu um Unterstützung. Weitere Artikel beleuchten ein LIFE-Projekt zum Schutz der Wiesenvögel und natürlich fehlen auch unsere Rubriken mit Neuigkeiten aus Ornithologie und Vogelschutz. So rufen wir weiterhin dazu auf, das von der NWO unterstützte Volksbegehren #ArtenvielfaltNRW zu unterschreiben. Viel Spaß beim Lesen!

Ältere Ausgaben der NWO-Mitteilungen können hier heruntergeladen werden.

 

 

25.07.2020

NWO startet Forschungsvorhaben zur Störungstoleranz des Ziegenmelkers

Ziegenmelkermännchen Anton an seinem Tagesruheplatz (© Stefan Sudmann)

Der Ziegenmelker (auch Nachtschwalbe genannt) ist eine nachtaktive Vogelart, die am Boden brütet. Von dieser Vogelart nisten in Nordrhein-Westfalen gerade mal 250 Paare, weshalb sie in der Roten Liste der Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens in der Kategorie „Stark gefährdet“ geführt wird. Gleichzeitig genießt der Ziegenmelker den höchsten Schutzstatus in der EU.

Die Art ist besonders empfindlich gegenüber den Störreizen Lärm und Licht und ist daher als Modellart für störungsbiologische Untersuchungen prädestiniert. Gerade im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW treten leicht Konflikte zwischen dem Vogelschutz und der Landschaftsnutzung durch den Menschen auf. Neben direkten Effekten, wie z. B. den Konflikten in der intensiven Landwirtschaft mit Bodenbrütern, gibt es auch indirekte Effekte durch Veranstaltungen auf Bruten in der Umgebung. Dabei ist es vielfach unklar, inwieweit Störungen durch Großveranstaltungen bei Brutvogelbeständen relevant sind. So liegen z. B. zum Thema Feuerwerk außer zu Silvester nur wenige Einzelbeobachtungen, aber noch keine systematischen Untersuchungen vor, die ein unklares Gesamtbild ergeben. Selbst Fachbehörden stehen vor dem Problem, dass sie nicht wissen, ob und wie sie solche Veranstaltungen reglementieren oder gar verbieten müssen oder ob dies zum Schutz der Vogelwelt gar nicht notwendig ist. Die NWO hat sich deshalb dazu entschlossen, sich diesem Problemfeld intensiver zu widmen, da NRW aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte hierfür geradezu prädestiniert ist.

Der Sender wird auf den Schaft der mittleren Steuerfeder geklebt (© Stefan Sudmann)

Deshalb wurden jetzt in einer Voruntersuchung drei Ziegenmelkermännchen gefangen und besendert. Der Fang von Weibchen gelang zwar nicht, aber über die Ortung der Tagesruheplätze der Männchen wurden die Nester in der Nähe gefunden. An benachbarten Bäumen wurden Nestkameras installiert, die nun Aufschluss über die nächtlichen Aktivitäten geben sollen. Gleichzeitig werden die Aktivitäten der Männchen mittels Peilstationen im Gelände überwacht. Licht- und Schallmessungen komplettieren die Datenaufnahme. Wegen der Corona-bedingten Einschränkungen gibt es dieses Jahr nur wenige Störreize, so dass dieses Jahr als Testlauf und Vergleichswert genutzt wird. Gleichzeitig soll die Telemetriedatenerfassung optimiert werden. Im nächsten Jahr wird die Studie fortgesetzt, wobei es durch genehmigte Veranstaltungen im Umfeld des Brutgebiets zu vermehrten Störreizen kommen wird. Wir sind auf die Ergebnisse gespannt.

Da die Untersuchung einen größeren Materialeinsatz und Spezialistenwissen erfordert, wird sie in Kooperation mit den Büros Graevendal GbR und STERNA durchgeführt. Die Finanzierung ist von der Stöckmann-Stiftung übernommen worden, bei der wir uns herzlich bedanken. Die für eine solche Studie erforderlichen Genehmigungen wurden erteilt. Die Projektleitung liegt bei Stefan R. Sudmann und die ehrenamtliche Begleitung für die NWO bei Barbara C. Meyer.

 

 

24.07.2020

NWO unterstützt Volksinitiative Artenvielfalt

VI Artenvielfalt
Volksinitiative Artenvielfalt

Gestern ist mit einer Aktion vor dem Landtag in Düsseldorf die Volksinitiative Artenviel NRW gestartet. Mit einer landesweiten Unterschriftenaktion soll auf den anhaltenden Schwund der Artenvielfalt und die dramatischen Bestandsrückgänge vieler Tier- und Pflanzenarten in unserem Bundesland aufmerksam gemacht werden. Ziel ist es, auf den Schutz der Biodiversität zu drängen und die Landesregierung zu mehr Natur- und Artenschutz zu bewegen. Konkrete Forderungen sind beispielsweise eine Begrenzung des Flächenverbrauchs, ein besserer Schutz von Schutzgebieten und eine Ausweitung des Ökolandbaus. Auch eine Reduzierung oder Verbote von Pestiziden und Düngemitteln in Schutzgebieten, in Staatswäldern und im Grünland nahe Gewässern werden gefordert, ebenso die Ausweisung eines Nationalparks Senne.

Die NWO unterstützt das Volksbegehren, zusammen mit vielen Naturschutzverbänden und -vereinen aus NRW. Das Ziel sind 66.000 Unterschriften, dann muss sich der Landtag mit der Initiative beschäftigen. Unterschreiben dürfen alle Bürgerinnen und Bürger, die in NRW wohnen und mindestens 18 Jahre alt sind. Weitere Informationen, alle Forderungen und die Unterschriftenbögen gibt es bei der Volksinitiative Artenvielfalt

 

 

31.05.2020

Einflug südlicher Gäste?

Bienenfresser
Bienenfresser (© Hans Glader)

In diesem Jahr kündigt sich ein Einflug südlicher Gäste an. Während des Frühjahrs wurden bei unseren südlichen Nachbarn in der Schweiz so viele durchziehende Bienenfresser gemeldet wie noch nie (Quelle: Vogelwarte Sempach). Auch in NRW hat es bereits Beobachtungen abseits der wenigen bekannten Brutgebiete gegeben. Es lohnt sich also momentan die Augen und Ohren aufzuhalten - Bienenfresser werden oft erst gehört, bevor man die Vögel entdeckt - die typischen Rufe, etwa wie "prrrüt, prrrüt", machen auf die bunten Vögel aufmerksam. Manchmal jagen sie Luftinsekten gemeinsam mit Schwalben und Mauerseglern.

Auch neue Brutansiedlungen sind nicht auszuschließen. Bienenfresser gelten jedoch als äußerst empfindlich und es gibt leider zahlreiche Fälle, bei denen Fotografen oder Beobachter*innen die Vögel stark gestört haben. Falls Ihnen Beobachtungen gelingen, tragen sie die Vögel bitte in ornitho.de ein, wo automatisch die genaue Lokalität für außenstehende Beobachter verborgen wird, die Daten aber für Auswertungen zur Verfügung stehen. Sollten Sie einen konkreten Verdacht auf brütende Bienenfresser haben, kann es sinnvoll sein, behördliche Stellen zu informieren, damit ggf. Schutzmaßnahmen durchgeführt werden können.

Hintergrundinformationen über Bienenfresser finden sich wie gewohnt in unserem Brutvogelatlas.

Übrigens auch ein weiterer Gast klopft schon fast an unsere Haustür. Aus Österreich und Süddeutschland werden aktuell verstärkt Rosenstare gemeldet. Beim Durchmustern von Starenschwärmen könnte man also eine Überraschung erleben. Bisher gibt es aus NRW jedoch noch keine Meldung und es bleibt abzuwarten, ob die Vögel unser Bundesland erreichen. Sollten Sie Glück haben, melden Sie den Vögel an unsere Avifaunistische Kommission.

 

 

26.05.2020

Rostgänse und Nilgänse am Niederrhein

Rostgansfamilie
Rostgansfamilie trifft Nilgänse
(© Stefan R. Sudmann)

Nur wenige Themen in der Ornithologie werden so heftig diskutiert wie Neozoen, Tierarten, die ursprünglich in einer Region nicht heimisch waren, vom Menschen aber dort absichtlich oder unabsichtlich angesiedelt wurden. In NRW fallen darunter insbesondere Papageien und einige Wasservogelarten. Nilgänse, ursprünglich vor allem in Afrika südlich der Sahara beheimatet, sind mittlerweile in NRW ein gewohnter Anblick - kaum ein Großstadtpark, in dem die Vögel nicht selbst weniger ornithologisch interessierten Menschen auffallen. Aktuell deutlich seltener sind Rostgänse, von denen es Wildvorkommen auch in Europa gibt, deren Brutvorkommen im nordwestlichen Mitteleuropa aber ebenfalls auf Aussetzungen durch Menschen bzw. Flucht aus Gefangenschaft zurückzuführen ist. Nilgänse werden in der Europäischen Union als sogenannte invasive nicht-heimische Art (BfN-Skript 471) geführt, während Rostgänse nicht auf der entsprechenden Liste stehen. Die Rostgänse auf dem Foto sind sich dieses Umstands offensichtlich sehr bewusst... ;-)

Vielen Dank an Stefan R. Sudmann, der des Thema humoristisch angegangen ist. Die NWO beschäftigt sich seit langem naturschutzfachlich mit Vogel-Neozoen (AG Neozoen).