Aktuelle Meldungen

14.06.2021

Dramatische Veränderung der Brutvogelgemeinschaft in einem Stadtteil von Bonn

Feldsperling
Feldsperlinge waren vor 50 Jahren noch häufige Brutvögel in Dottendorf - heute sind sie verschwunden (© Hans Glader)

Im Bonner Stadtteil Dottendorf hat die Zahl der Brutvogelarten in den vergangenen 50 Jahren deutlich abgenommen. Viele Spezies wurden seltener oder sind lokal ausgestorben, wenige neue kamen hinzu, und ein paar Arten wurden deutlich häufiger. Ein Team von ehrenamtlichen Biologen, Förstern und Geographinnen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (OAG) Bonn am Museum Koenig (eine unserer Regionalgruppen!) und Forschern der Universität Bonn hat die Vergleichsuntersuchung durchgeführt, die sich auf eine Kartierung aus dem Jahr 1969 stützt. Die Ergebnisse sind nun im Fachjournal „Bird Study - The Journal of the British Trust for Ornithology“ erschienen.

Weltweit nehmen Städte immer mehr Raum ein. Siedlungsbereiche sind aber nicht nur Wohnort des Menschen, sondern auch Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Allerdings haben sich unsere Siedlungen in den letzten Jahrzehnten stark verändert und mit ihnen auch die dort lebenden Tiergemeinschaften. Lokale Besonderheiten gehen verloren und mit ihnen die spezialisierten Arten. Vielfach überlebt überall nur eine geringe Zahl anpassungsfähiger Arten, diese aber in hoher Dichte. Man spricht in diesem Zusammenhang von biologischer Homogenisierung. Allerdings sind Langzeitdaten, mit denen dieses Phänomen untersucht werden kann, selten.

Ringeltaubenbestände haben in Bonn-Dottendorf stark zugenommen (© Hans Glader)

Ein Team der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (OAG) Bonn und der Universität Bonn hat im Frühling und Sommer 2019 die Brutvogelgemeinschaft im Bonner Stadtteil Dottendorf kartiert. Es war in der glücklichen Lage, die Daten mit solchen aus dem Jahr 1969 vergleichen zu können. Damals hatte der bekannte Ornithologe Professor Dr. Michael Wink noch als Schüler die Brutvögel in Dottendorf erfasst und seine Ergebnisse inklusive einer Karte in einem Artikel veröffentlicht. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Kartierungen sind überraschend. Kamen 1969 noch 57 Brutvogelarten in Dottendorf vor, waren es 2019 nur noch 39. Insgesamt verschwanden 22 Arten und vier neue kamen hinzu. Die meisten verschwundenen Arten, wie Nachtigall oder Wendehals, kamen 1969 mit maximal drei Paaren vor. Allerdings verschwanden auch einige ehemals häufige Arten wie Feldsperling oder Gartenrotschwanz. Insgesamt fehlen heute die typischen Arten der strukturreichen Agrarlandschaft sowie einige typische Siedlungsarten. Der Verlust dieser Arten ist einerseits mit dem Rückgang von Offenlandlebensräumen am Rande und im Umfeld von Dottendorf zu erklären. Andererseits nahmen aber auch viele Gebäudebrüter, wie Mauersegler oder Mehlschwalbe, ab oder verschwanden ganz, was wahrscheinlich mit dem Verlust von Brutplätzen begründet werden kann. Bei einigen Arten sind auch Effekte des Klimawandels und neu auftretende Krankheiten ein wahrscheinlicher Grund für Bestandsveränderungen. Eine deutliche Zunahme gab es dagegen bei den Waldarten, wie Ringeltaube, Mönchsgrasmücke oder Singdrossel. Die reine Veränderung der Flächennutzung allein erklärt diese Muster jedoch noch nicht. Stattdessen profitieren wahrscheinlich die typischen Waldbewohner von den sich verändernden Gärten in Dottendorf. Viele Büsche und Bäume sind in den vergangenen Jahrzenten stark gewachsen und bilden damit Lebensraum für Vogelgemeinschaften der Wälder. „Zu unserem großen Erstaunen konnten wir, trotz des massiven Verlustes der Artenvielfalt, weder einen Rückgang der Zahl der Brutpaare noch eine Abnahme der Biomasse feststellen.“, sagt Darius Stiels, Ansprechpartner der OAG. Die positive Veränderung in der Individuenzahl und ihrer Gesamtbiomasse ist allerdings auf ganz wenige Arten zurückzuführen. Allein bei der Ringeltaube gab es eine Zunahme von vier auf 58 Paare. Diese Vögel haben erfolgreich Städte als Brutlebensraum erobert. Das ist jedoch nur ein schwacher Trost für das Verschwinden vieler anderer Arten. Viele der lokal ausgestorbenen Arten sind auch großräumig gefährdet und auch wenn die Studie kleinräumig war, dürften ähnliche Veränderungen an vielen Orten zu beobachten sein.

Zusammengefasst dokumentiert die Studie vor allem die hohe fachliche Bedeutung langfristiger Datensammlungen. Die Homogenisierung von Tiergemeinschaften in Städten lässt sich auch an der Brutvogelgemeinschaft Bonn-Dottendorfs zeigen. Seltene Arten sind verschwunden und wurden durch häufige Arten ersetzt. Der Arten- und Bestandsrückgang hat wahrscheinlich diverse Ursachen, die bei zukünftigen Maßnahmen zum Erhalt und der Förderung der Artenvielfalt in Siedlungsräumen berücksichtigt werden sollten.

Publikation
Abrahamczyk S, Liesen J, Specht R, Katz E-C, Stiels D. 2021. Long-term shifts in a suburban breeding bird community in Bonn, Germany. Bird Study. DOI: 10.1080/00063657.2021.1931659.

 

 

09.06.2021

Erfolgreiche Vorstudie - Neues vom Ziegenmelkerprojekt

Sendervogel Bert (© Stefan R. Sudmann)

Im Jahr 2020 hat die NWO ein Forschungsvorhaben zur Störungstoleranz des Ziegenmelkers gestartet. Ziel war es, den Einfluss einer Großveranstaltung zu analysieren. Da die Veranstaltung pandemiebedingt ausfiel, wurden stattdessen ebenfalls wichtige Vergleichsdaten gesammelt. Dazu gehören Daten zu Lärm- und Lichtemissionen während der störungsarmen Zeit. Außerdem gelangen der Fang und die Besenderung von Ziegenmelkermännchen. Anhand der Tagesruheplätze der Männchen konnten die Brutorte der Weibchen gefunden und Brutverlauf sowie Jungenaufzucht mittels Wildkameras verfolgt werden. Insgesamt 3.612 Bild- und Videodateien wurden ausgewertet.

In den drei kontrollierten Revieren wurden jeweils zwei Küken flügge, eine ausgezeichnete Nachricht, denn Ziegenmelker legen auch nur zwei Eier. Die Wildkameras zeigen, dass der Bruterfolg möglicherweise durch Viehtritt und in geringerem Umfang auch durch Prädation gefährdet ist- ein Rotfuchs lieg unmittelbar an einem Gelege vorbei. Bei einem Männchen konnte anhand der Senderortung der Abzug verfolgt werden. Der nach dem Verlassen des Brutgebiets nächstgelegene Tagesruheplatz befand sich ca. 1.750 m südlich auf einer Kiefer. Bei der nächsten Kontrolle eine Woche später war der Vogel dann in Richtung Afrika abgezogen.

Im Jahr 2021 sollen erneut Brutorte gesucht und mit Wildkameras überwacht werden. Im Jahr 2022 erfolgt dann voraussichtlich die Hauptstudie. Wenn die Pandemie soweit zurückgedrängt worden ist, dass Großveranstaltungen wieder stattfinden können, kann an die eigentliche Fragestellung herangegangen werden.

 

 

07.06.2021

Heute ist Weltseglertag – Mauersegler und ihre Verwandten in NRW

Brutverbreitung des Mauerseglers in NRW 2016-2021 (ornitho-regioportal.de)

Das laute „sriieh – sriieh – sriieh“ der Mauersegler gehört zu heißen Sommertagen in den Straßenschluchten der Großstädte NRWs einfach dazu. Trupps der schnellen Vögel jagen durch die engen Häusermeere oder sind hoch am Himmel auf der Suche nach Luftplankton – kleinen Wirbellosen (Insekten oder winzige Spinnen, die sich an ihren Fäden durch die Luft transportieren lassen). Tatsächlich leben Mauersegler aber nicht nur in Großstädten, sondern auch in kleineren und mittelgroßen Städten. Sie kommen aber auch in Dörfern oder selbst an Einzelgebäuden in der freien Landschaft vor (mehr Infos zur Art auch in unserem Brutvogelatlas. Andernorts brüten sie sehr selten auch in Baumhöhlen. Sie gehören zu den schnellsten Fliegern im Land und sind wie keine andere Art an das Leben in der Luft angepasst. Mauersegler können selbst in der Luft schlafen (die exakten Details sind keineswegs gänzlich verstanden ist), paaren sich in der Luft und kommen letztlich nur zum Brüten auf festen Grund. In NRW wird das Leben der Mauersegler übrigens intensiv von der Universität Siegen untersucht – bei Olpe im Sauerland brüten Mauersegler in einer Brücke und die Vögel sind für die Forschenden dort gut zugänglich.

Mauersegler sind bei uns nur im Sommer zu beobachten. Die Vögel erreichen ihre Brutgebiete bei uns oft erst in der letzten Aprildekade, manchmal auch erst Anfang Mai. Nach Ende der Brutzeit, Ende Juli bis Anfang August, machen sie sich wieder auf in ihre Überwinterungsgebiete nach Afrika. Der Zug der europäischen Mauersegler ist erst in jüngster Zeit besser verstanden worden. Dazu haben kleine Sender beigetragen. Rucksäcke mit Geolokatoren zeichnen die Position der Vögel auf (genauer gesagt wird die Zeit und das Licht gemessen und daraus lässt sich die ungefähre Position bestimmen). In einer großen Kooperationsstudie (Åkesson et al. 2020, Evolution) fand man heraus, dass Mauersegler ein auffälliges Zugmuster zeigen – den sogenannten Kettenzug. Das bedeutet, dass die Brutvögel Südeuropas früher in den Winterquartieren ankommen und nördlicher überwintern als nördlicher brütende Vögel. Bei vielen anderen Zugvögeln ziehen dagegen nördlich brütende Populationen weiter als südlicher brütende Vögel („Leapfrog Migration“). Früher im Winterquartier ankommende Mauersegler können aber im Luftraum keine Reviere verteidigen. Die später ankommenden nördlichen Populationen werden daher auch nicht durch die Konkurrenz dazu gezwungen über ihre Artgenossen hinwegzuziehen.

Mauersegler verbringen fast ihr ganzes Lebens in der Luft (© Hans Glader)

Segler sind übrigens nicht mit den Schwalben verwandt. Die oberflächliche Ähnlichkeit beruht auf Konvergenz – der evolutiven Anpassung an eine ähnliche Lebensweise. Segler haben u.a. längere, sichelförmige Flügel als Schwalben. Die nächsten Verwandten der Segler sind ganz andere Flugkünstler: die heutzutage nur in Amerika verbreiteten Kolibris. Beide Gruppen haben sich jedoch schon vor vielen Millionen Jahren voneinander getrennt.

Die Bestände von Mauerseglern haben in NRW leider vielerorts abgenommen. Ein Grund dafür ist der Verlust von Brutplätzen. Durch den Abriss alter Gebäude und die Sanierung von Altbauten gehen trotz rechtlichen Schutzes oft Brutplätze an Gebäuden verloren. Dabei kann den Vögeln vergleichsweise leicht mit Nisthilfen unter die Fittiche gegriffen werden. Unsere AG Gebäudebrüter hat dazu zahlreiche Praxistipps zusammengestellt. Bestandsrückgänge könnten zusätzlich auch durch den Rückgang der Nahrung („Insektensterben“) oder Faktoren auf dem Zug oder den Klimawandel verursacht werden, aber über diese Einflüsse wissen wir noch zu wenig. Mauersegler sind nicht leicht zu erfassen. Am besten geht dies in den Abendstunden, wenn sie mit Futter für die Jungen ihre Brutkolonien aufsuchen. Meldungen sie besetzte Brutplätze bei ornitho.de.

Neben dem Mauersegler gibt es noch zwei weitere Seglerarten, die in NRW bisher nur als Ausnahmegäste nachgewiesen sind: Alpensegler und Fahlsegler. Von den großen Alpenseglern hat unsere AviKom bis 2017 acht Nachweise dokumentiert. Darunter ist ein sehr ungewöhnlicher Todfund. Diese Art breitet sich aber in Deutschland aus (die nächsten Brutplätze sind im Raum Karlsruhe) und vielleicht wird mit dem Alpensegler in einigen Jahren ja eine zweite Seglerart in NRW brüten. Eine dritte Art, der Fahlsegler, ist in Südeuropa weit verbreitet und erreicht vor allem im Spätherbst, wenn unsere Mauersegler längst wieder auf dem Zug nach Afrika sind, regelmäßig Nord- und Mitteleuropa. Bisher gibt es vier Nachweise aus NRW – alle stammen aus dem Sommer des Jahres 2000.

 

 

31.05.2021

Beobachtungstipp – von „Overshootern“ und anderen spannenden Arten

Orpheusspötterverbreitung in NRW 2016-2021 (ornitho-regioportal)

Es ist kaum zu glauben, aber das ornithologische Frühjahr neigt sich schon fast dem Ende zu. Die ersten Meisen sind zumindest mit der Brut durch, bei den Eulen gibt es Ästlinge, und die Gesangsaktivität kann an heißen, windigen Tagen mittags schon deutlich abgeflaut sein. Dennoch ist die Brutzeit natürlich noch nicht vorbei. Viele Langstreckenzieher sind noch nicht lange wieder in ihren Brutgebieten und bei Mauersegler, Sumpfrohrsänger & Co geht es natürlich jetzt erst richtig los. Außerdem lassen sich jetzt natürlich auch die vielen Jungvögel beobachten.

Die zweite Maihälfte und der Beginn des Junis sind aber auch aus einem anderen Grund spannend. Nun ist vielleicht die beste Zeit des Jahres, um Vögel aus südlichen Gefilden zu beobachten. Einige Arten wie der Orpheusspötter waren vor einigen Jahren noch Ausnahmeerscheinungen. Mittlerweile haben sie weite Teile des Südwestens unseres Landes besiedelt und können zunehmend auch weiter nordöstlich beobachtet werden. Es lohnt sich, sich Gesang und Rufe einzuprägen. Orpheusspötter bevorzugen meist warme trockene Bereiche wie Bahndämme, Halden, Heiden und Ränder von Kiesgruben. In solchen Lebensräumen kann man auch nach den farbenprächtigen Bienenfressern und Wiedehopfen Ausschau halten. Diese sind jedoch störungsanfällig und Heerscharen von Fotograf*innen und Vogelbeobachter*innen können diese leider schnell wieder vertreiben.

Seidenreiherbeobachtungen in NRW 2016-2021 (© Seidenreiher: Darius Stiels)

Wer lieber an Gewässern unterwegs ist, kann nach seltenen Reihern Ausschau halten. Lange Zeit wurden viele Fischfresser erbittert verfolgt und bis ins 20. Jahrhundert wurden einige Arten auch wegen ihrer Schmuckfedern intensiv bejagt. Zum Glück hat sich die Hutmode gewandelt und Reiher sind heute besser geschützt als früher. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel und vielleicht auch der Entstehung neuer Lebensräume zeigen verschiedene Reiherarten eine deutliche Ausbreitung in Europa. Einige der südlichen Reiherarten brüten beispielsweise auf den britischen Inseln, und in den Niederlanden werden diese ebenfalls längst regelmäßig festgestellt. Auch in NRW sind z.B. Purpurreiher und Seidenreiher nicht mehr meldepflichtig und wurden 2021 bereits mehrfach in NRW gesehen. Ein seltener Rallenreiher erfreute zahlreiche Vogelbeobachter*innen. Andere ökologisch ähnliche Arten wie Löffler und Sichler breiten sich auch aus. Es lohnt sich also, an den Gewässern im Lande genauer hinzuschauen.

Daneben gibt es auch viele andere Arten aus dem Süden, die zu dieser Zeit verstärkt beobachtet werden können. Einige Zugvögel ziehen im Frühjahr weiter als ihre Artgenossen. Im Südwesten verbreitete Arten können z.B. weiter nach Nordosten fliegen, südöstliche Arten tauchen plötzlich weiter nordwestlich auf (im Englischen spricht man von „overshooting“). Darunter sind zahlreiche Ausnahmeerscheinungen, die oft nur ganz kurz hier verweilen. Für Aufsehen sorgen z.B. immer mal wieder mediterrane Grasmücken (dieses Jahr z.B. – bei Anerkennung durch die Avikom - eine Balkangrasmücke im Rheinland) oder Rotkopfwürger, die 2021 ebenfalls schon beobachtet wurden. Auch Arten, die sonst weiter östlich verbreitet sind, werden im Mai/Juni immer mal wieder in NRW beobachtet. Es lohnt sich also jetzt auch, nach Arten wie Sprosser, Schlagschwirl (2021 bereits gemeldet), Karmingimpel & Co die Ohren offen zu halten. Meldepflichtige Arten sollten bei der AviKom dokumentiert werden.

Wir wünschen viel Spaß beim Beobachten und spannende Entdeckungen!

Quellen: www.ornitho.de, www.ornitho-regioportal.de

 

 

14.05.2021

Aufbau des Spatzenturms für Hagen

Montage des Spatzenturms
(© Franco Cassese)

Im September letzten Jahres haben wir an dieser Stelle einen Crowdfunding-Aufruf unserer AG Gebäudebrüter veröffentlicht. Nun war es soweit: Der Turm wurde am 19. Mai geliefert und montiert. Die feierliche Eröffnung mit Gästen erfolgt, sobald dies die aktuelle Pandemie-Situation zulässt. Wir hoffen, der Turm wird eifrig angenommen werden!

Gebäudebrüter haben vielerorts Probleme, Brutplätze zu finden. Bei eingen Arten sind die Bestände deutlich rückläufig. Im Rahmen der energetischen Gebäudesanierung gehen beispielsweise vielerorts Brutplätze verloren. Dabei sind Brutstätten gesetzlich geschützt und es gibt fast immer einfache Möglichkeiten, Ersatz oder neue Brutplätze zu schaffen. Unsere AG Gebäudebrüter zeigt zahlreiche Leuchtturmprojekte auf und gibt praktische Tipps.

 

 

14.05.2021

Bericht Sommergänse 2018-2020

Neuer Sommergänsebericht zeigt Bestandszunahmen bei Kanadagänsen
(© Hans Glader)

Im Jahr 2020 wurden erstmals in NRW mehr als 50.000 Gänse bei der sommerlichen Zählung erfasst - mit den Schwänen sind es sogar über 52.000 Individuen. Nach wie vor besteht der Gesamtbestand zu 75 % aus Graugänsen, Kanadagänsen und Nilgänsen. Bei vielen Arten waren die Unterschiede zu den Vorjahren allerdings nicht besonders groß. Bestandszunahmen gab es bei Kanadagans und Nilgans (s. unten). Auffällig war außerdem die etwas größere Zahl an Blässgänsen, die sich vor allem auf Vögel bezieht, die nach dem Winter hängengeblieben sind. Basierend auf aktuellen Beobachtungen könnten es 2021 sogar noch mehr werden. Unter den Hybriden dominieren weiterhin Hybriden aus Grau- und Kanadagans. Beim Bruterfolg hatten die „Halbgänse" die Nase vorn - der Jungvogelanteil lag bei >30 %. Dies dürfte allerdings auch dadurch bedingt sein, dass ein Teil der Altvögel in spezielle Mausergebiete abwandert. Bei Graugans und Kanadagans war der Anteil diesjähriger Vögel vergleichbar mit den Ergebnissen der Vorjahre.

Längerfristig (ab 2011) werden die Tendenzen klarer. Inzwischen ergibt sich bei allen drei häufigen Arten ein leichter, aber signifikanter Zuwachs. Fü die wechselnde Abdeckung wurde dabei bereits korrigiert. Die Bestandszunahme ist bei der Nilgans am stärksten. Es folgen Graugans und Kanadagans. Aus den reinen Zählergebnissen der Kanadagans geht eine recht starke Zunahme hervor, diese ist aber vor allem durch eine bessere Abdeckung bei den Zählungen in den späteren Jahren bedingt. Bei der Graugans scheint sich der Sommerbestand 2019-2020 stabilisiert zu haben, aber das soll natürlich mit den zukünftigen Zählungen überprüft werden.

Der Gänsebericht 2018-2020 wurde für die NWO von Kees Koffijberg und Christine Kowallik im Auftrag des LANUV erstellt. Der Bericht kann hier frei heruntergeladen werden. Ältere Berichte sind auf der Seite des Programms Sommergänsezählung verfügbar. Die nächste Zählung findet vom 09.-11. Juli statt. Wer noch Interesse hat, an der Zählung teilzunehmen, kann sich gerne bei den Koordinatoren melden.

 

 

10.05.2021

Rückblick Birdrace 2021

Einige Teams konnten sich über rastende Bruchwasserläufer freuen (© Hans Glader)

Am letzten Samstag fand wieder das bundesweite Birdrace statt. Beim Birdrace geht es darum, möglichst viele Vogelarten an einem Tag zu beobachten. Der „Tag der Vogelartenvielfalt“ fand pandemiebedingt unter besonderen Umständen statt. Das Rennen war auf die Zeit von 05:00 - 22:00 Uhr begrenzt. Teams konnten sich virtuell zusammenschließen - entweder alle in einem Kreis oder in verschiedenen Kreisen.

Das Wetter war in NRW für ein Birdrace gar nicht schlecht. Der Tag begann vielerorts kalt und trocken. Der beständige Wind war aber für die Fahrradteams eine Herausforderung und zumindest subjektiv war mancherorts auch die morgendliche Gesansgaktivität nicht so hoch. Die bisherigen Ergebnisse sind noch vorläufig. Vermutlich haben noch nicht alle Teams ihre Daten eingetragen und einzelne Tippfehler sind nicht auszuschließen, dennoch zeigen die bisherigen Artenzahlen, dass der Tag für viele sehr erfolgreich war. Es purzelten tatsächlich einige Rekorde in NRW und selbstverständlich wurden auch einige Seltenheiten entdeckt - der Tag begann beispielsweise mit einer Lachseeschwalbe in Münster. Darüber hinaus werden aber auch unzählige wertvolle Beobachtungsdaten schon in den Wochen vor dem eigentlichen Birdrace gesammelt und gemeldet, so dass das Birdrace mehr als ein reiner Spaßtermin ist. Das vergleichsweise späte Datum sorgte dafür, dass vielerorts die meisten Langstreckenzieher bereits in den Brutgebieten waren und der Zugstau der vergangenen Wochen war ebenfalls noch deutlich spürbar: Braunkehlchen und Steinschmätzer waren oft hochwillkommene Durchzügler und auch Limikolen rasteten vielfach. Die artenreichste Region in NRW war - wenig überraschend - Münster mit unglaublichen 177 Arten. Die Rieselfelder Münster als vielleicht bestes Vogelbeobachtungsgebiet haben daran einen bedeutenden Anteil. Auf Platz zwei und drei folgen die Kreise Borken (155 Arten) und Steinfurt (150 Arten) - Feuchtgrünländer, Wasserflächen und Moore ebenso wie Wälder und Heiden erhöhen dort die Diversität. Das Podest knapp verpasst hat der Rhein-Sieg-Kreis mit 149 gemeldeten Arten. Es zeigt sich aber, dass auch der Süden unseres Bundeslandes trotz des Mangels an großflächigen Feuchtgebieten mit dem Norden in einer Liga spielen kann. Bundesweit kam das beste Team, die „Quarantänehähne“, auf wahnsinnige 200 Arten - das virtuelle Team war dabei u.a. auch im Kreis Heinsberg und in Münster unterwegs (und auf Helgoland und in Oldenburg).

Das Birdrace ist aber auch ein Spendenrennen. Gelder werden für die Beobachtungsplattform ornitho.de gesammelt, entweder als Spende pro Art oder als Pauschalbetrag. NRW liegt bei den gesammelten Spenden wieder ganz weit vorne. Sieger im Spendenrennen ist zwar „The quest for the Paradise Fiscal“ aus Luxemburg, aber auf Platz zwei und drei folgen die schon traditionell herausragenden „TEAM BO-BACHTER“ und „Birding for Nature“, aber auch andere Teams aus NRW wie die „Doppelkornweihen“ und „Artenlos durch die Nacht“ (Was für grandiose Teamnamen!) haben eifrig Geld gesammelt.

Wir gratulieren allen Birdracer*innen zu einem tollen Rennen! Einen Überblick über die Ergebnisse und Statistiken gibt es auf https://birdrace.dda-web.de/.

 

 

18.04.2021

Anmeldung zum Birdrace 2021

Mittelspecht - eine immer heiß ersehnte Art beim Birdrace (© Angelika Meister)

Auch dieses Jahr wird es wieder ein Birdrace geben. Der „Tag der Vogelartenvielfalt“ findet am 8. Mai statt. Ziel ist es, möglichst viele Vogelarten an einem Tag zu beobachten. Wie schon 2020 werden die Regeln beim diesjährigen 18. Birdrace pandemiebedingt etwas angepasst. Anders als im letzten Jahr wird es aber wieder eine automatische Regelung geben, die den Vergleich von verschiedenen Teams innerhalb eines Kreises ermöglicht. Beim „Birdrace“ (und seiner Vorbereitung in den Regionen) werden nicht nur zahlreiche wertvolle Daten über die Vogelwelt gesammelt, es ist auch eine tolle Möglichkeit, das Hobby Vogelbeobachtung und Vogelschutz stärker ins Bewusstsein zu rücken. Das Birdrace ist für alle Altersklassen geeignet und natürlich freuen wir uns besonders über Nachwuchsteams. Beim Spendenrennen werden zusätzliche Gelder für ornitho.de gesammelt und Sponsoren sorgen dafür, dass es sogar etwas zu gewinnen gibt. Wir hoffen, NRW bleibt Birdrace-Bundesland Nummer 1 und es finden sich wieder zahlreiche Teams, die zwischen Eifel und Weserbergland unterwegs sind. Bitte halten Sie sich an die geltenden Corona-Bestimmungen und vergessen Sie nicht, dass die Vogelwelt und ihr Schutz immer im Mittelpunkt stehen sollten. Hier geht es zur Anmeldung: https://birdrace.dda-web.de/register.