Vogelbestimmung – Greifvogel im Garten?

Gärten können durchaus vielfältige Lebensräume sein, in denen eine Vielzahl von Vogelarten beobachtet werden kann. Nicht selten werden auch Greifvögel gesichtet und bereiten ab und zu Bestimmungsprobleme.

Zwar können grundsätzlich zumindest auf dem Zug (über Städten bildet sich nicht selten Thermik, so dass dort einige Greifvögel sogar gezielt die Aufwinde nutzen) oder als seltene Ausnahmeerscheinung quasi alle heimischen Greifvögel auch von der Terrasse oder vom Balkon aus gesehen werden, einige Arten sind aber ganz regelmäßig im Siedlungsbereich zu beobachten. Die häufigsten stellen wir hier vor, da viele Greifvögel gerade für Anfänger:innen nicht leicht zu erkennen sind.

 

Sperber Accipiter nisus

Sperber
Sperber (© Hans Glader)

Gerade im Winterhalbjahr, wenn viele Menschen Kleinvögel füttern, hört man nicht selten Luftalarmrufe und ein Schatten schießt vorbei. Sperber sind hochspezialisierte Vogeljäger, für die Futterstellen eine willkommene Nahrungsquelle sind – allerdings interessieren sie sich eben nicht für Sonnenblumenkerne, sondern für Meisen, Finken, Sperlinge und Drosseln. Auch an Balkonen von Hochhäusern können sie durchaus mal beobachtet werden. Sperber sind etwa taubengroß und haben eine fein gebänderte Unterseite. Der Schwanz hat breite Bänder. Männchen und Weibchen sind wie bei Greifvögeln üblich unterschiedlich groß. Die Weibchen sind größer und erbeuten damit auch eher etwas größere Vogelarten wie Amseln. Manchmal brüten Sperber auch in Gärten – typischerweise in Koniferenbeständen. In einigen Städten brüten auch Habichte in Stadtparks. Illegale Greifvogelverfolgung sorgt höchstwahrscheinlich dafür, dass die Art nicht deutlich häufiger ist. Habichte sind deutlich größer als Sperber, aber insgesamt recht ähnlich gefärbt. Bei flüchtiger Betrachtung bzw. oft kurzen Beobachtungen oder großen Entfernungen können die beiden Arten leicht verwechselt werden. Habichte ernähren sich vielfach von größeren Vögeln wie beispielsweise Tauben.

 

Mäusebussard Buteo buteo

Mäusebussard
Mäusebussard (© Hans Glader)

Mäusebussarde sind die häufigsten heimischen Greifvögel. Typischerweise brüten sie in Wäldern und Feldgehölzen und suchen oft im Offenland nach Nahrung. Nur vereinzelt brüten sie auch im Siedlungsbereich. Meistens sieht man sie kreisen, aber natürlich können sie auch in größeren Gärten Nahrung suchen oder rasten – sie ernähren sich von Kleinsäugern und sind deutlich größer als Sperber. In der Färbung sind sie sehr variabel, es dominieren aber verschiedene Brauntöne, oft erkennt man ein helles Brustband. Mehr Informationen zum Mäusebussard haben wir bereits hier zusammengestellt, weshalb wir uns an dieser Stelle kurz halten. Die meisten Beobachtungen unbestimmter Greifvögel in der freien Landschaft betreffen Mäusebussarde, die von Anfänger:innen mit quasi allen anderen Greifvogelarten verwechselt werden. Hier hilft einfach Übung. Greifvögel sind nicht die am einfachsten zu bestimmende Vogelgruppe und auch erfahrene Beobachter:innen schauen sich nicht selten Mäusebussarde zweimal an, um sie von einigen ähnlichen selteneren Arten zu unterscheiden. Im Zweifelsfall ist es aber viel wahrscheinlicher, einen ungewöhnlich gefärbten Mäusebussard zu beobachten als irgendeine Seltenheit.

 

Rotmilan Milvus milvus

Rotmilan+Schwarzmilan
Rotmilan und Schwarzmilan im Luftkampf
(© Hans Glader)

Einige Greifvögel sieht man regelmäßig über Dörfer und Städte fliegen. Dies gilt beispielsweise für Rotmilane mit ihren tief gegabelten rotbraunen Schwänzen. Sie sind auf ihren Nahrungsflügen nicht selten recht niedrig über Dörfern und Siedlungsrändern zu beobachten. Rotmilane haben ihren globalen Verbreitungsschwerpunkt bei uns in Mitteleuropa. Rund die Hälfte des Weltbestandes brütet in Deutschland. In NRW erreichen sie hohe Dichten in grünlandreichen Mittelgebirgen, kommen aber seit einigen Jahren auch verstärkt im Tiefland vor. Auch Schwarzmilane können beobachtet werden, sie sind aber in den meisten Landesteilen deutlich seltener als Rotmilane. Schwarzmilane leben gerne in der Nähe von Gewässern. Ihre etwas weniger ausgeprägte Schwanzgabelung und die bräunlichere Färbung ermöglicht zwar oft eine sichere Bestimmung, das erfordert aber durchaus etwas Erfahrung, zumal insbesondere Jungvögel nicht immer so einfach zu unterscheiden sind.

 

Turmfalke Falco tinnunculus

Turmfalke
Turmfalke (© Hans Glader)

Falken sind nicht näher mit den anderen Greifvögeln verwandt (Papageien und Sperlingsvögel stehen ihnen systematisch näher). Turmfalken sind dabei die mit Abstand häufigste Falkenart bei uns. Sie bauen wie alle Falken keine eigenen Nester, sondern beziehen die Nester anderer Vögel – vor allem die von Krähen und Elstern, denen damit auch eine wichtige Rolle im Ökosystem zukommt – oder brüten in Nischen an Gebäuden oder in speziellen Nistkästen. Falken haben im Gegensatz zu den bisher genannten Greifvögeln sehr spitze Flügel, im Flug können sie aber durchaus an die ähnlich groß erscheinenden Sperber erinnern. Die charakteristische Nahrungssuche erfolgt „rüttelnd“. Vor allem Kleinsäuger wie Mäuse, aber auch Singvögel und größere Insekten werden gefressen. Turmfalken stehen dabei flügelschlagend an derselben Stelle in der Luft. Eine Technik, die zwar auch die größeren Mäusebussarde zeigen, dies allerdings viel seltener und der Größenunterschied ist wirklich beträchtlich. Aus der Nähe sind insbesondere adulte Turmfalkenmännchen mit ihrem taubengrauen Kopf und dem grauen Schwanz kontrastreich gefärbt. In vielen Städten leben natürlich auch Wanderfalken, sie wird man allerdings vor allem vorbeifliegend sehen. Ihre Brutplätze sind in der Regel an den höchsten Gebäuden der Stadt, wo sie nicht selten in speziellen Nistkästen brüten.

 

Zu guter Letzt

An dieser Stelle haben wir nur das Allerwichtigste knapp zusammengefasst. Die Bestimmung von Greifvögeln erfordert viel Übung und der Blick in gute Bestimmungsbücher schadet auch nicht. Wer seltenere Greifvögel sicher ansprechen möchte, sollte sich unbedingt erst mit den häufigsten Arten vertraut machen. Übrigens bietet die NWO in der Regel einmal im Jahr einen Kartier- und Bestimmungskurs für diejenigen an, die sich intensiv mit dieser Gruppe auseinandersetzen möchten.

 

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