Vogelbestimmung – Bergfinken

Bergfink-Männchen
Männchen des Bergfinken (© Angelika Meister)

Im Oktober erreicht der herbstliche Vogelzug meist seinen Höhepunkt. Vielerorts sind dann Buchfinken die häufigsten Zugvögel. Wer genauer hinhört, wird aber zwischen dem bekannten „djüb“ der Buchfinken auch quäkende Rufe hören. Auch ein an Rufe des Bluthänflings erinnerndes „tek“ gibt es. Dann sind Bergfinken unter den Buchfinken (Tonaufnahmen auf xeno-canto.org). Ende Oktober/Anfang November tauchen Bergfinken dann auch immer häufiger in artreinen Trupps auf und nehmen einen deutlich höheren Anteil an den ziehenden Finken ein.

Bergfinken brüten in Fennoskandien und dem eurasischen Taigagürtel östlich bis an die Pazifikküste Kamtschatkas. Bei uns sind sie vor allem Durchzügler, vielerorts aber auch Wintergäste, die meist von Ende September bis ins zeitige Frühjahr hinein beobachtet werden können. Sommerbeobachtungen sind allerdings große Ausnahmen.

Bergfinken sind enge Verwandte des Buchfinken, verwandtschaftlich werden sie in dieselbe Gattung gestellt. Ihr Gefieder ist meist kontrastreicher, die Unterseite mit dem weißen Bauch und der orangen Brust ist auffällig, auch der Bürzel ist weiß, was gerade bei abfliegenden Vögeln selbst auf größere Entfernung auffallen kann. Weibchen sind generell unauffälliger gefärbt als Männchen. Das Gefieder ist im Winterhalbjahr frisch, der auffällige tiefschwarze Kopf des Männchens kommt erst im Frühjahr zur Geltung. Wie beim Buchfinken auch entsteht das Prachtkleid durch Abnutzung der im Winter noch frischen hellen Federspitzen. Bei Vogelzugbeobachtungen sind Bergfinken von unten dabei gar nicht immer leicht von Buchfinken zu unterscheiden. Sie haben etwas spitzere Flügel als Buchfinken, eine Anpassung an längere Zugwege, und fliegen daher oft vorne im Trupp.

Schlafplatz Bergfinken
Keine Blätter am Baum, sondern Bergfinken an einem Massenschlafplatz (© Darius Stiels)

Bergfinken fressen wie ihre bekannteren Verwandten oft Bucheckern und können bei uns in großen Schwärmen in Wäldern auftauchen. Die Häufigkeit von Bergfinken kann dabei von Jahr zu Jahr stark schwanken. In manchen Wintern gibt es zudem Massenschlafplätze von Bergfinken. Dann können Millionen Vögel in einem recht kleinen Waldstück übernachten und ihre Nahrung tagsüber in einem weiten Umkreis suchen. Bisherige Massenschlafplätze in den letzten Jahren waren beispielsweise in verschiedenen deutschen Mittelgebirgen oder im Alpenraum. Selbstverständlich sollten die Vögel hier unter keinen Umständen gestört werden. Wer unter Einhaltung der entsprechenden Regeln die Möglichkeit hat, den abendlichen Einflug der Vögel an einem solchen Ort zu beobachten, sollte sich das Schauspiel allerdings nicht entgehen lassen.

Bergfinken können aber natürlich auch abseits solcher Ansammlungen bei uns beobachtet werden. Nicht selten werden sie meist vereinzelt oder in kleiner Zahl auch an Futterstellen beobachtet und kommen dementsprechend auch im Siedlungsraum vor. Häufiger sind sie auch mit anderen Finkenvögeln, Ammern und Sperlingen in gemischten Trupps an Waldrändern oder in der Feldflur vergesellschaftet. Das aktuelle Zuggeschehen des Bergfinken kann wie das anderer Arten auch über ornitho oder großräumig über das Eurobirdportal online verfolgt werden. Wer genauer hinschaut und hinhört, wird früher oder später einmal diesen auffällig gefärbten Vögeln mit dem nasal klingenden Ruf begegnen.

 

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