Warum nicken Tauben mit dem Kopf?

Hohltaube
Hohltaube (© Hans Glader)

Selbst Menschen, die sich sonst wenig mit Ornithologie beschäftigt haben, haben es sicherlich schon mal gesehen: Beim Gehen bewegen Tauben wie die allseits bekannten Straßentauben den Kopf in charakteristischer Weise vor und zurück. Warum ist das so? Auch einige andere Vogelarten zeigen ähnliches Verhalten, z.B. schwimmende Teich- und Blässhühner. Wer Eisvögel beobachtet, wird auch bereits festgestellt haben, dass diese ihren Kopf nahezu absolut ruhig halten, während der Rest des Körpers zusammen mit einem dünnen Ansitzzweig im Wind wackelt – ein ganz erstaunlicher Anblick. Tauben auf einem Laufband zeigen das Kopfnicken übrigens nicht – hier bleibt die Umgebung konstant. Auch mit verdeckten Augen zeigen Tauben das Verhalten nicht, wie Experimente gezeigt haben. Eine Verbindung mit der Sehfähigkeit liegt also sehr nahe: Um die Umgebung genauer zu beobachten, muss diese eine gewisse Zeit beobachtet werden. In Bewegung ist das nicht leicht. Viele Tiere können dazu mit ihren Augen auch sich bewegenden Objekten sehr gut folgen. Bei Tauben ist diese Fähigkeit aber wohl eingeschränkter und auch Vogelbeobachter*innen können selbstverständlich durch ein ruhig gehaltenes Fernglas oder ein Spektiv auf einem guten Stativ deutlich mehr erkennen. Bei Tauben bleibt der Kopf beim Gehen ruhig, während der Vogel einen Schritt nach vorne macht. In dieser Zeit kann die Umgebung besser fixiert werden. Ist der Schritt vollzogen, wird der Kopf ruckartig nachgezogen und der Bewegungsablauf beginnt von Neuem. Für uns sieht das - eigentlich also fälschlich - nach einem permanenten Kopfnicken aus. Eine sogenannte optokinetische Antwort gilt also als beste Erklärung für das interessante Bewegungsmuster der Tauben (Troje & Frost 2000, J Exp Biol).

 

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