NWO-Preis

Mit dem NWO-Preis werden besondere Leistungen auf dem Gebiet der Ornithologie in NRW ausgezeichnet, die im Sinne der Vereinssatzung stehen: Förderung der Vogelkunde und des Vogelschutzes nach allen Richtungen, insbesondere der landeskundlichen Vogelforschung sowie des Natur- und Umweltschutzes und des Tierschutzes. Dies können einzelne Projekte oder das Lebenswerk eines Ornithologen / einer Ornithologin sein. Es können auch Forschungsleistungen ausgezeichnet werden, die über das Gebiet von NRW hinausgehen, so-lange der Preisträger / die Preisträgerin auch in NRW aktiv ist und das Projekt einen Bezug zu NRW hat. Preisträger/innen können neben Einzelpersonen auch Gruppen sein. Der Preisträger / die Preisträgerin muss Mitglied der NWO sein, bei Gruppen muss mindestens eine Person Mitglied der NWO sein.

Der NWO-Preis wird jährlich auf der Mitgliederversammlung vergeben. Neben einer Urkunde mit Laudatio wird ein Geldbetrag von € 500,- vergeben.

2006 - Gert Ziegler

NWO-Preisträger Gert Ziegler
Gert Ziegler bei der Beringung von Weißstörchen. Auch zu deren Schutz hat er viel beigetragen.

Gert Ziegler wurde am 1927 in Celle geboren. Schon auf dem Gymnasium kam der Berufswunsch auf, Förster zu werden. Später konkretisierte sich sein Berufswunsch auf „Verhaltensforscher“ - veranlasst durch sein großes Vorbild Konrad Lorenz. Schon als Junge besaß Ziegler eine umfang- und artenreiche Menagerie, vor allem Vögel und unter ihnen vor allem afrikanische Prachtfinken. Nach dem Abitur 1947 wollte er Tiermedizin studieren, bekam aber keinen Studienplatz. Deshalb absolvierte Ziegler eine Lehre als Großhandels- und Industriekaufmann und war von 1951 – 1969 selbständiger Handelsvertreter in Minden, schulte dann aber um und arbeitete ab 1971 bis zu seiner Pensionierung 1987 als Lehrer.

In seiner Freizeit verfolgte er weiterhin intensiv die Beschäftigung mit Prachtfinken - mit engen Kontakten zu Professor Klaus Immelmann. Ziegler veröffentlichte u.a. Untersuchungen zur Jugendsterblichkeit bei der Gouldsamadine. Da seine Beiträge zu diesem Thema zu großen Erfolgen in der Massenzucht führten, gab er diese Beschäftigung auf. Daraufhin begann der mit Arbeiten im Freiland, so 1959 zur Brutbiologie des Schwarzkehlchens (Journal für Ornithologie 107: 187 – 200). 1960 "entdeckte" er gemeinsam mit Hans Niermann die Bedeutung der Staustufe Schlüsselburg als Überwinterungsplatz von Tauchenten und begann 1961 mit systematischen Arbeiten. Der Schutz und Erhalt der Natur stand bei ihm jedoch immer an höchster Stelle. Als eiserner Kämpfer stellte er sich der unwiderruflichen Zerstörung von Mooren und anderen wertvollen Biotopen. Gert Ziegler ging autodidaktisch in der Wissenschaft wie im Naturschutz unbeirrt seinen Weg und machte die Weserstaustufe zu einem überaus bekannten Schutzgebiet, zu einem Symbol für einen beharrlichen, unentwegten ehrenamtlichen Naturschutz! Die über 40-jährige Naturschutzgeschichte der Staustufe Schlüsselburg ist das „Lebenswerk“ von Gert Ziegler.

Gert Ziegler sieht sich selber aber nicht als Ornithologe. Er sieht sich als Naturschützer, bisweilen bezeichnet er sich selber auch als "Querulant". Wir sollten es nicht zu sehr bedauern, dass er ein „Querulant“ geworden ist. Wir brauchen heute mehr denn je Leute wie Gert Ziegler. Leute, die mit einem derartigen "Zieglerischen Format", mit dieser beeindruckenden Portion Ausdauer, Sachkenntnis, Rückrat und Leidenschaft für den Erhalt der Natur kämpfen!

Es ist der NWO deshalb eine besondere Ehre und Freude, Gert Ziegler durch den NWO-Preis ihre Dankbarkeit und Hochachtung erweisen zu dürfen.

Recklinghausen, 19.03.2006