Aktuelle Meldungen

07.06.2026

Weltseglertag: Mauersegler erfassen

Mauersegler
Die Kartierung von Mauerseglern ist gar nicht so einfach (© Hans Glader)

Heute ist Weltseglertag! Vor dem Hintergrund der ADEBAR-Kartierungen geben wir Tipps zur Erfassung der Brutbestände der schnellen Flieger. Als Gebäudebrüter sind Mauersegler mittlerweile außerdem vielerorts schutzbedürftig.

Mauersegler sind die einzige in NRW als Brutvogel vorkommende Seglerart. Alpensegler als zweite in Deutschland brütende Art breiten sich entlang der Rheinschiene aus, haben es aus Süddeutschland nach Norden aber bisher erst bis Karlsruhe geschafft. Ob und wann sie auch NRW erreichen, vielleicht ja zuerst im Raum Bonn oder Köln, bleibt abzuwarten. Für den ADEBAR-2-Zeitraum wird es sicherlich knapp, da die Ausbreitungsgeschwindigkeit bisher nicht so hoch war.

Das nahezu einfarbig schwarze Gefieder, die sichelförmigen Flügel und die lauten „srieeh-srieeh-Rufe“ machen Mauersegler für Kartierende zum Glück ziemlich unverwechselbar. Die Vögel kommen meist Ende April/Anfang Mai aus dem Winterquartier zurück und ziehen nach der Brut um Ende Juli/Anfang August wieder ab und verbringen den Rest des Jahres auf dem Durchzug oder im afrikanischen Winterquartier quasi in der Luft. In NRW brüteten während des letzten Atlaszeitraums (Jahre 2005-2009) bei uns etwa 32.000 bis 62.000 Brutpaare. Mit einer Rasterfrequenz von 92 % war der Mauersegler nahezu flächendeckend verbreitet. Mauersegler haben allerdings Brutplätze durch Gebäudesanierungen verloren und sind als Luftplanktonjäger auch auf ausreichend Nahrung an Insekten und Spinnen angewiesen. Aus dem Vereinigten Königreich wissen wir außerdem, dass vor allem das Wetter zur Brutzeit großen Einfluss auf die Bestände haben kann (Finch et al. 2023, Ibis). Wir sind gespannt, zu welchen Ergebnissen die Kartierungen von ADEBAR 2 führen werden.

Mauersegler-Erfassung (Grafik)
Jetzt Mauersegler für ADEBAR erfassen

Mauersegler sind Bewohner menschlicher Siedlungen. Sie brüten an Gebäuden und brüten in Innenstädten, Industrieanlagen und Blockrandbebauung. Auch in Brücken kann es Brutplätze geben wie ein bekanntes Beispiel aus dem Siegerland gezeigt hat. Sie brüten jedenfalls keineswegs nur in Großstädten und an Hochhäusern. Gerade Kleinstädte mit alter Bausubstanz und auch Dörfer und können besiedelt sein. Einfluglöcher befinden sich meist knapp unter dem Dach. Kotspritzer liefern oft erste Hinweise. Mehrere Paare können dasselbe Einflugloch benutzen, was eine quantitative Erfassung teilweise schwierig macht. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, ob die Vögel auch tatsächlich einfliegen, da Mauersegler aus der Umgebung bzw. Nichtbrüter Brutplätze nur „überprüfen“, sich ggf. kurz festhalten und dann weiterfliegen. Bei Vögeln, die in eine Höhle oder Nische schlüpfen, empfiehlt sich der Brutzeitcode B6. Eine vielleicht einfachere Methode, die Bestände zu quantifizieren ist die Beobachtung und Erfassung von „screaming parties“ („Schrei-Feiern“) an lauen Sommerabenden bis etwa Sonnenuntergang. Der englische Begriff beschreibt Trupps von Mauerseglern, die insbesondere abends laut rufend gemeinsam um Häuser und durch Straßenschluchten fliegen. Die maximale Anzahl der Altvögel sollte hier über ornititho.de bzw. die Naturalist-App eingetragen werden (Brutzeitcode A1 ist dann sicherlich immer richtig). Ende Mai/Anfang Juni brütet einer der Altvögel abends und die Maximalzahl entspricht weitgehend der Zahl der Reviere. Nichtbrüter müssen damit vernachlässigt werden, da Ihr Anteil so kaum abzuschätzen ist. Bei der Mauerseglererfassung bietet es sich an, unvollständige Listen anzulegen, aber manchmal gelingen natürlich auch Zufallsbeobachtungen. Aufgrund der abendlichen Aktivität lässt sich die Kartierung von Mauerseglern recht gut im Vorfeld von Nachtvogelerfassungen durchführen.

In einigen Regionen in NRW kümmern sich bereits Vogelschützer:innen um Gebäudebrüter und kennen ggf. auch bereits Mauerseglerkolonien. Hier kann es sich lohnen, sich vorher untereinander abzusprechen, da dies den Kartieraufwand erheblich verringern kann.

In NRW sind keine Kolonien baumbrütenden Mauersegler bekannt. Diese gibt es aber in einigen anderen Teilen Deutschlands. Einzelnachweise von Bruten in Bäumen gibt es aber auch bei uns. Die Entdeckung einer aktuellen Baumbrut wäre eine kleine Sensation und sollte unbedingt genauer dokumentiert und ggf. veröffentlicht werden. Ein schon einige Jahre zurückliegender Brutnachweis erfolgte in einem Baum im Siedlungsbereich (von Dewitz et al. 2011, Charadrius ) und aus NRW gab es auch mal eine Veröffentlichung zu einer Brut in einem Mehlschwalbennest (Riegel 1985, Charadrius). Das zeigt, dass auch bei gut erforschten Vogelarten Überraschungen immer möglich sind. Vielleicht gelingen im Rahmen von ADEBAR 2 ja ähnliche Beobachtungen.

 

 

02.06.2026

Neuer Rekord bei den Flussseeschwalben an der Weser

Flussseeschwalbe
Wildtierkamerafoto: Flussseeschwalben auf Brutfloß
(© Biologische Station Minden-Lübbecke)

Barbara C. Meyer und Stefan R. Sudmann kümmern sich seit Jahrzehnten erfolgreich um den Schutz der bedrohten Flusssseeschwalbe. Die eleganten Fischjäger brüten ursprünglich an naturbelassenen Flüssen und Strömen mit ungestörten Kiesbänken. Da diese Lebensräume im mitteleuropäischen Binnenland nahezu verschwunden sind, bieten künstliche Flöße einen geeigneten Ersatzlebensraum. Nun können die beiden Biologen von einem neuen Erfolgserlebenis berichten.

„Bei der Kontrolle der Brutflöße in der Weseraue im Rahmen des vom LANUK (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima) unterstützten NRW-weiten Monitorings wurden jetzt 40 Brutpaare festgestellt - so viele wie noch nie in diesem Landesteil. 39 Paare dängeln sich auf einem 16 m² großen Floß auf der Grube Mittelweser! Vier Küken sind bereits geschlüpft. Es ist durchaus möglich, dass sich noch weitere Brutpaare an anderer Stelle ansiedeln. Ein toller Erfolg, der durch den Einsatz der Biologischen Station Minden-Lübbecke, möglich wurde.“

Barbara C. Meyer & Stefan R. Sudmann

 

 

01.06.2026

Tag der Artenvielfalt 2026

Tag der Artenvielfalt
Tag der Artenvielfalt (© Kathrin Schidelko)

Am gestrigen Sonntag wurde der „Tag der Artenvielfalt“ mit einem großen Fest im Botanischen Garten Bonn gefeiert. Unsere lokale Regionalgruppe, die OAG Bonn, war mit einem Stand dabei.

Am frühen Vormittag ging eine heftige Gewitterfront über das südliche Rheinland. Pünktlich zum Aufbau war es dann mit dem Regen vorbei und es sollte auch den ganzen Tag trocken bleiben. Dass die Sonne sich kaum zeigte, war nicht schlimm, nur die Informationsmaterialien wurden vom Wind ab und zu neu sortiert. Der Vogelgesang hielt aber den Tag über an und es wurde nicht so heiß wie in der Woche zuvor.

Insgesamt waren es beste Voraussetzungen, um den ganzen Tag über im Stundentakt vogelkundliche Exkursionen durch den Botanischen Garten anzubieten. Diese Führungen sind unbestritten das Highlight unserer Aktivitäten während des Tags der Artenvielfalt. Obwohl nicht besonders groß und inmitten dichter Bebauung gelegen, beherbergt der Botanische Garten in Bonn eine reiche Vogelwelt. Dazu tragen vor allem die schönen alten Bäume und die großflächigen Gewässer bei. Wir konnten den Teilnehmenden Sommergoldhähnchen ebenso zeigen wie Mäusebussarde und auch Stockente und Teichhuhn mit ihren Jungen. Mehrere Dutzend Personen haben wir so für die Vogelbeobachtung begeistern können.

Auch am Stand konnten wir uns intensiv mit den Besuchenden austauschen und unsere verschiedenen Tätigkeiten vorstellen. So berichteten wir ausführlich für ADEBAR 2 und die diversen Monitoringprogramme von DDA und NWO, brachten Flyer von OAG Bonn und NWO unter die Leute und beantworteten vogelkundliche Fragen. Einige davon waren erstaunlich konkret, z.B. ging es um das Turmfalkenpaar an einem bestimmten Gebäude und selbst nach einer Artpatenschaft für den Atlas wurde bereits gefragt. Andere Fragen drehten sich um auch sonst häufig genannte Themen wie die Vogelfütterung.

Die Veranstaltung endete um 17:00 Uhr. Leider war der Andrang etwas geringer als in den letzten Jahren. Vielleicht lag es daran, dass Stände auch außerhalb des Hauptgeländes standen. Auch hatten einige andere Verbände leider absagen müssen.

Umso begeisterter sind wir, dass uns die übrigesn rein ehrenamtliche Teilnahme wieder möglich war. Unser Dank geht an Esther Koch und Kathrin Schidelko für die exzellente Orga und an alle Beteiligten der OAG Bonn, die am Stand waren, Exkursionen geleitet haben und beim Ab- und Aufbau geholfen haben.

Vielen Dank an die Botanischen Gärten der Universität Bonn und alle Besucher:innen für die rundum gelungene Veranstaltung.

 

 

01.06.2026

NWO-Exkursion: Flamingos und Möwen im Zwillbrocker Venn & Wiesenlimikolen in den Amtsvennwiesen

Rosaflamingo
Rosaflamingo (© Hans Glader)

Datum: 20.06.2026, 10:00 Uhr bis ca. 15:30 Uhr (1 Stunde Mittagspause und 30 Min Autotransfer)

Treffpunkt:Parkplatz am Zwillbrocker Venn, Google Maps

Die Exkursion beginnt im Zwillbrocker Venn, einem Schutzgebiet von knapp 200 Hektar Größe an der deutsch-niederländischen Grenze im Westen vom Kreis Borken. Es ist der Rest eines ehemaligen, weitaus größeren Hochmoorgebietes. Nach dem Verschließen von Entwässerungsgräben in den 1930er Jahren, die für bäuerliche Handtorfstiche angelegt wurden, bildete sich ein Flachwassersee. Die in diesem See befindliche Insel ist heute für seine Flamingokolonie berühmt. Neben Flamingos brüteten hier im vergangenen Jahr auch rund 2800 Lachmöwen- sowie mindestens zwei Schwarzkopfmöwenpaare. Mit etwas Glück lassen sich im Zwillbrocker Venn aber auch Blaukehlchen, Pirol und Schwarzhalstaucher beobachten. Nach circa zwei Stunden kehren wir im nahegelegenen Restaurant Kloppendiek für eine Stärkung ein, ehe wir in die 20 Autominuten entfernten Amtsvennwiesen weiterziehen. Die Amtsvennwiesen sind ein Grünlandgebiet von knapp 250 ha Größe, das sich südlich an das ehemalige Hochmoor des Amtsvenns anschließt. Beide Gebiete sind Bestandteil des Europäischen Vogelschutzgebietes "Moore und Heiden des Westlichen Münsterlandes" und damit auch des Natura 2000-Schutzgebietsnetzes. Die Amtsvennwiesen befinden sich im Norden des Kreises Borken und stellen eines der wichtigsten Brutgebiete für bedrohte Wiesenlimikolen wie Uferschnepfe oder Großen Brachvogel in NRW dar. In diesem überwiegend in Landeseigentum befindlichen Feuchtwiesengebiet werden im Rahmen des EU-Projekts LIFE Wiesenvögel NRW einige Schutzmaßnahmen durchgeführt, um den Bruterfolg der Wiesenvögel zu erhöhen. Was genau die Biologische Station Zwillbrock e.V. hier in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Jäger:innen und Landwirt:innen durchführt, sehen und erfahren die Teilnehmenden innerhalb von zwei Stunden vor Ort.

Wir bedanken uns bei der Biologischen Station Zwillbrock e.V., insbesondere Daniela Reich und Maximilian Roth für die Leitung und Organisation der Exkursion.

Die Teilnahme an der Exkursion ist kostenlos, die Verpflegung im Restaurant Kloppendiek muss jedoch selbst bezahlt werden. Bitte bilden Sie nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften. Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt! Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung per Mail an geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de.

Die Exkursion ist ausgebucht. Weitere Anmeldungen setzen wir gerne auf eine Warteliste.

 

 

23.05.2026

Beobachtungstipp – Vögel der Nacht

Film
Tüpfelsumpfhuhn (© Darius Stiels)

In den kommenden schönen Frühsommernächten lohnt sich für Vogelbeobachtende auch eine nächtliche Kartierfahrt, um den Vögeln der Nacht zu begegnen. In allen Lebensräumen sind dabei schöne und spannende Begegnungen mit z.T. selteneren und besonders interessanten Arten möglich.

In Wäldern und Grünanlagen machen um diese Jahreszeit die bettelnden Jungvögel der Eulen wie Waldohreule und Waldkauz mit auffälligen Rufen auf sich aufmerksam. In Laubwäldern kommt dazu die Waldschnepfe mit ihren eigentümlichen Balzflügen. In sehr offenen Nadelwäldern und Heiden ist in manchen Gebieten der eigentümliche Gesang der Nachtschwalben (besser als Ziegenmelker bekannt) zu hören.

In offenen Lebensräumen der Agrarlandschaft, vor allem aber in feuchten Niederungsgebieten und Flussauen und in Gewässernähe erweitert sich das Artenspektrum erheblich. Der Wachtelkönig kommt in einigen Gebieten wie der Hellwegbörde in Getreidefeldern und Brachen vor, lebt sonst aber vor allem in Feuchtwiesen und Auen. Sein nächtlicher Gesang („crex -crex“) ist weit zu hören. In der Agrarlandschaft wird er von Wachtel, Rebhuhn und Sumpfrohrsänger begleitet. Aus feuchten Hochstaudenfluren singt der Feldschwirl und mit etwas Glück vielleicht auch einmal der in NRW extrem seltene Schlagschwirl. Wird es noch nasser, können Teichrohrsänger, Wasserralle und vielleicht auch das seltene Tüpfelsumpfhuhn dazu kommen.

Alle genannten Arten stehen als im Fokus des Vogelmonitorings. Für einige von ihnen gibt es spezifische Erfassungsprogramme im Rahmendes Monitorings seltener Brutvögel, aber auch für die aktuelle ADEBAR-2-Kartierung sind sie von besonderem Interesse. Alle Beobachtungen sollten daher auf jeden Fall mit dem richtigen Brutzeitcode via ornitho.de bzw. NaturaList gemeldet werden.

Gute Gründe, sich auch einmal eine vogelkundliche Nacht um die Ohren zu schlagen!

Ralf Joest

 

 

22.05.2026

Update zu Watching people watching birds

Film
Watching people watching birds (© Fimproduktion loekenfranke)

Ein neuer Kinofilm hat großen Bezug zur NWO. Unter Beteiligung zahlreicher NWO-Ornis und einem Besuch der Filmer bei einem der vergangenen NWO-Tagungen entstand der Dokumentarfilm „Watching people watching birds“.

Der Film von Ulrike Franke und Michael Löken hat in Nordrhein-Westfalen am 6. Juni 2026 Premiere beim Kinofest Lünen. Die Weltpremiere war in Kopenhagen, die Deutschlandpremiere ist beim 41. DOK.fest in München. Die Filmemacher bewerben Ihren Film so „Politisch brisant, ernsthaft und doch humorvoll begleitet WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS Menschen, die sich mit Leidenschaft der Beobachtung von Vögeln widmen. Der weltberühmte Autor Jonathan Franzen, die Bäckereiverkäuferin oder das junge Ornithologenteam: sie alle eint die Liebe zu einer stark bedrohten Spezies. Durch ihre Augen und Ohren tauchen wir ein in die Welt der Vögel – eine Welt, die zu einer eindrucksvollen Metapher für den Zustand unseres Planeten wird.“

 

Der Film wird am 6. Juni auf dem Kinofest Lünen laufen.

Wann? Samstag, 6. Juni, 14:30 Uhr

Wo? Cineworld Lünen (Im Hagen 3, 44532 Lünen)

Weitere Informationen zum Film und der Trailer finden sich hier.

 

 

19.05.2026

Beobachtungstipp – von „Overshootern“ und anderen spannenden Arten

Stelzenläufer
Stelzenläufer werden in NRW mittlerweile regelmäßig beobachtet (© Darius Stiels)

Im Mai und Juni tauchen oft Vogelarten auf, deren Verbreitungsgebiete normalerweise weiter südlich oder östlich liegen. Wir geben einige Tipps und versuchen Euch und Ihnen den Mund wässrig zu machen.

Es ist kaum zu glauben, aber das ornithologische Frühjahr neigt sich schon fast dem Ende zu. Die ersten Meisen sind vielleicht schon mit der Brut durch, bei den Eulen gibt es Ästlinge, und die Gesangsaktivität kann mittags schon deutlich abgeflaut sein. Dennoch ist die Brutzeit natürlich noch nicht vorbei. Viele Langstreckenzieher sind noch nicht lange wieder in ihren Brutgebieten und bei Mauersegler, Neuntöter, Sumpfrohrsänger & Co geht es natürlich jetzt erst richtig los. Außerdem lassen sich jetzt auch die vielen Jungvögel beobachten.

Die zweite Maihälfte und der Beginn des Juni sind aber auch aus einem anderen Grund spannend. Nun ist vielleicht die beste Zeit des Jahres, um Vögel aus südlichen Gefilden zu beobachten. Einige Arten wie der Orpheusspötter waren vor einigen Jahren noch Ausnahmeerscheinungen. Mittlerweile haben sie weite Teile des Südwestens unseres Landes besiedelt und können zunehmend auch weiter nordöstlich beobachtet werden. Es lohnt sich, sich Gesang und Rufe einzuprägen. Orpheusspötter bevorzugen meist warme, trockene Bereiche wie Bahndämme, Halden, Heiden und Ränder von Kiesgruben. In solchen Lebensräumen kann man auch nach den farbenprächtigen Bienenfressern und vielleicht sogar Wiedehopfen Ausschau halten. Diese sind jedoch störungsanfällig und Heerscharen von Fotograf:innen und Vogelbeobachtenden können diese leider schnell wieder vertreiben.

Seidenreiher-Karte (ornitho)
Seidenreiherbeobachtungen in ornitho 2022-2026

Wer lieber an Gewässern unterwegs ist, kann nach seltenen Reihern Ausschau halten. Lange Zeit wurden viele Fischfresser erbittert verfolgt und bis ins 20. Jahrhundert wurden einige Arten auch wegen ihrer Schmuckfedern intensiv bejagt. Zum Glück hat sich die Hutmode gewandelt und Reiher sind heute besser geschützt als früher. Hinzu kommen der Klimawandel mit milden Wintern und vielleicht auch die Entstehung neuer Lebensräume, so dass verschiedene Reiherarten eine deutliche Ausbreitung in Europa zeigen. Einige der südlichen Reiherarten brüten beispielsweise auf den britischen Inseln, und in den Niederlanden werden diese ebenfalls längst regelmäßig festgestellt. Auch in NRW sind z.B. Purpurreiher und Seidenreiher nicht mehr meldepflichtig und werden vergleichsweise regelmäßig in NRW gesehen. Auch Kuh- und Rallenreiher erfreuten immer wieder Vogelbeobachter*innen. Andere ökologisch ähnliche Arten wie Löffler, Sichler und Stelzenläufer breiten sich auch aus. Bei Letzteren sind auch zumindest Brutversuche zu beobachten. Auch Seidensänger sind bereits in fast allen Landesteilen beobachtet worden. Es lohnt sich also, an den Gewässern im Lande genauer hinzuschauen.

Purpurreiher-Karte (ornitho)
Purpurreiherbeobachtungen in ornitho 2022-2026

Daneben gibt es viele weitere Arten aus dem Süden, die zu dieser Zeit verstärkt beobachtet werden können. Einige Zugvögel ziehen im Frühjahr weiter als ihre Artgenossen. Im Südwesten verbreitete Arten können z.B. weiter nach Nordosten fliegen, südöstliche Arten tauchen plötzlich weiter nordwestlich auf (im Englischen spricht man von „overshooting“). Darunter sind zahlreiche Ausnahmeerscheinungen, die oft nur ganz kurz hier verweilen, manchmal aber auch Reviere bei uns etablieren. Für Aufsehen sorgten in der Vergangenheit immer mal wieder mediterrane Grasmücken oder auch Arten wie der Rotkopfwürger. In diesem Jahr wurden z.B. auch Iberienzilpzalpe gemeldet, die im Feld meist nur anhand ihrer Lautäußerungen zu bestimmen sind. Ganz aktuell wurde in den letzten Tagen beispielsweise eine Rotflügel-Brachschwalbe von der Bislicher Insel auf ornitho.de gemeldet. Auch Arten, die sonst weiter östlich verbreitet sind, werden im Mai/Juni immer mal wieder in NRW beobachtet. Es lohnt sich also jetzt auch, nach Arten wie Zwergschnäpper, Sprosser, Schlagschwirl, Karmingimpel & Co die Ohren offen zu halten. Wer für ADEBAR oder das Vogelmonitoring unterwegs ist, wird vielleicht zusätzlich noch mit der Beobachtung einer kleinen Seltenheit belohnt. Meldepflichtige Arten sollten natürlich bei der AviKom dokumentiert werden.

Wir wünschen viel Spaß beim Beobachten und spannende Entdeckungen!

 

 

18.05.2025

Spechtnachwuchs macht sich lautstark bemerkbar

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Schwarzspechtweibchen mit männlichem Jungvogel am Höhleneingang (© Hans Glader)

Wer in der zweiten Maihälfte mit offenem Ohr im Wald spazieren geht, kann es eigentlich nicht überhören: die Spechtjungvögel betteln lautstark.

Dass Spechte Höhlen zimmern und darin brüten, weiß (hoffentlich) jedes Kind. Der Aufwand, Höhlen zu bauen, ist für die Vögel beträchtlich, aber das Brüten in Höhlen bringt einige Vorteile mit sich. In Höhlen sind die Jungen weitestgehend vor Witterungseinflüssen geschützt – eine gute Baumhöhle ist warm und trocken und bietet Schutz vor möglichen Fressfeinden. Es ist entsprechend wenig überraschend, dass Höhlenbrüter eine längere Nestlingszeit haben als vergleichbare Arten, die in offenen Nestern brüten. Obwohl sie bereits früh mit der Brut beginnen, werden junge Buntspechte erst Ende Mai, Anfang Juni flügge – gebietsweise kann es auch noch etwas später sein. Die gesamte Brutzeit aus Brut- und Nestlingsdauer bzw. anschließender Führungszeit dauert bei den kleineren Arten vielfach 40 bis 50 Tage, bei Grün- und Grauspecht knapp 70 und beim Schwarzspecht meist sogar über 70 Tage.

Bei den meisten heimischen Spechtarten umfasst ein Gelege etwa vier bis sieben oder acht glänzend weiße Eier – eine Tarnung ist in der Baumhöhle nicht notwendig. Beim Schwarzspecht sind es typischerweise drei bis fünf Eier, beim verwandtschaftlich ebenfalls zu den Spechten gehörenden Wendehals können es dagegen bis zu 14 Eier sein. Grünspechte und Schwarzspechte verwenden ihre Höhlen übrigens mehrfach, während die anderen Arten fast immer alljährlich neue Höhlen zimmern.

Im Mai sind die geschlüpften jungen Buntspechte nicht zu überhören. Ihre Bettelrufe sind laute anhaltende Rufreihen (gsi-gsi-gsi…), die während des ganzen Tages geäußert werden. Entfernt und für Vogelstimmen-Apps erinnern sie vielleicht ein bisschen an die Rufe des Kleinspechtes. Die Bettellaute hallen erstaunlich weit. Sie sind für die Eltern das Signal, unablässig Futter herbeizubringen – meist sind es Insekten und andere Wirbellose bzw. deren Larven, die Buntspechte mit ihrer geschickten Zunge unter der Borke von Bäumen hervorsuchen. Ein besonders reiches Nahrungshabitat ist stehendes Totholz, das zudem sehr gut geeignet ist, Höhlen anzulegen. Als Generalisten sind Buntspechte aber nicht nur in Wäldern, sondern auch in halboffenen Landschaften und selbst in Parks und Gärten auch im Siedlungsbereich anzutreffen.

Junge Buntspechte tragen eine auffallend rote Kopfplatte, was sie deutlich von den Altvögeln unterscheidet. Sie ähneln damit durchaus Mittelspechten. Es gibt jedoch einige Merkmale zur Unterscheidung. Hier gehen wir genauer darauf ein.

Wie gewohnt bitten wir, bettelnde Spechte in ornitho.de einzutragen. Sichere Brutnachweise mit hohen Brutzeitcodes (bettelnde Jungvögel im Nest bedeutet „C16“, der höchste verfügbare Brutzeitcode) sind bei vielen Vogelarten, die über revieranzeigendes Verhalten nachgewiesen werden, nicht häufig. Durch Ihre Meldungen auf ornitho.de tragen Sie zum besseren Verständnis der Verbreitung und Ökologie der Spechte bei. Störungen am Nest sind aber selbstverständlich zu unterlassen. Wer mit der Bestimmung der Spechte und ihren Lautäußerungen bereits bestens vertraut ist, kann helfen, die Bestandsentwicklung dieser Artengruppe zu überwachen. Beteiligen Sie sich beim Spechtmonitoring im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel! Dazu wird im zeitigen Frühjahr eine Route zweimal jährlich begangen und eine Klangattrappe eingesetzt. Gerne richten wir hier auch neue Routen in Ihrer Nähe ein.

Quelle: Zahner & Wimmer 2019

 

 

16.05.2025

Sumpfrohrsänger beobachten und erfassen

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Sumpfrohrsänger im Brutlebensraum
(© Hans Glader)

Sumpfrohrsänger sind in NRW weit verbreitet. Allerdings ist ihre Verbreitung keineswegs gleichmäßig in der Landschaft verteilt. Oft findet man sie entlang von Gräben und Bächen. Ideale Voraussetzungen, um den unscheinbaren Vogel mit dem auffälligen Gesang entlang von Transekten zu erfassen und die Bestandsentwicklung dieses Vogels zu überwachen. Anfang bis Mitte Mai kehren sie aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück.

Rohrsänger sind eine äußerlich homogen erscheinende Gruppe – auf den ersten Blick sehen viele von ihnen fast gleich aus. Tatsächlich zeigen sie jedoch eine erstaunliche Vielfalt an Anpassungen und evolutionären Strategien. Die Brutbiologie unterscheidet sich enorm, Gesänge sind charakteristisch und auch die Lebensräume sind vielfältig. Auch wenn Arten wie der Teichrohrsänger und der bei uns mittlerweile extrem seltene Drosselrohrsänger zur Brut auf Schilf- und Röhrichtgebiete angewiesen sind, gilt das nicht ausnahmslos. Teichrohrsänger singen auf dem Durchzug, der bei uns bis Ende Mai/Anfang Juni dauern kann, oft aus Hecken und Gebüschen. Sumpfrohrsänger leben dagegen bei uns vor allem in stickstoffliebenden Hochstaudenfluren wie Brennnessel- und Staudenknöterichbeständen. Bis vor einigen Jahrzehnten waren Sumpfrohrsänger als Brutvögel selbst in Getreidefeldern weit verbreitet und der Name „Getreiderohrsänger“ war durchaus üblich. Heute steht das Korn nicht mehr so hoch – Wachstumshemmer und spezielle Sorten machen es möglich und steigern den Ertrag. Vereinzelt findet man Sumpfrohrsänger aber auch heute noch in Getreide, insbesondere im Biolandbau, wo das Korn höher wächst und manchmal beispielsweise auch ein höherwüchsiges Gemisch aus Erbse und Triticale angebaut wird.

Sumpfrohrsänger sind berühmt für ihren Gesang. Kaum eine andere Art baut so viele Imitationen anderer Vogelstimmen in ihren Gesang ein wie Sumpfrohrsänger. Wer genau hinhört, wird neben europäischen Vogelarten auch solche heraushören, deren Lautäußerungen Sumpfrohrsänger im afrikanischen Winterquartier erlernt haben. Der Gesang des Sumpfrohrsängers erinnert ansonsten entfernt an den der seltenen Blaukehlchen oder Orpheusspötter. Beim ebenfalls etwas ähnlich klingenden Gelbspötter sind die quietschenden Motive charakteristisch.

Wer sich an der Erfassung des Sumpfrohrsängers beteiligen möchte, ist eingeladen, sich am Monitoring seltener Brutvögel (MsB) zu beteiligen. Das Monitoring der „Röhrichtbrüter“ bietet sich eigentlich in NRW nur in ganz wenigen Gebieten an, da großräumige Röhrichte nur noch in wenigen Schutzgebieten vorkommen. Bei diesem Monitoring werden Gebiete entlang von Transekten erfasst. Aber gerade entlang von Gräben, Bächen und Flüssen in der Normallandschaft bietet es sich an, sich an diesem Monitoringmodul zu beteiligen. Das Modul umfasst insgesamt nur drei frühmorgendliche Begehungen (je eine Begehung innerhalb der ersten beiden Dekaden von April, Mai und Juni). Dabei werden natürlich nicht nur Sumpfrohrsänger erfasst, sondern eine ganze Reihe anderer Arten wie Rohrammer und Teichrohrsänger oder, wo die Art noch vorkommt, der Kuckuck. Über die erweiterte Artenliste lassen sich auch Wasservögel wie Stock- und Schnatterente, Teichhuhn und andere erfassen. Weitere Informationen zum MsB Röhrichtbrüter finden Sie hier. Wo Sumpfrohrsänger im Umfeld von Gewässern vorkommen, bietet sich auch das MsB Binnengewässerarten an, bei dem das Gesamtgewässer samt Uferbereich das Erfassungsgebiet bildet. Gerne richten wir mit Ihnen gemeinsam neue Transekte oder Erfassungsgebiete auch in Ihrer Nähe für Sie ein. Die Daten aus dem MsB gehen übrigens auch in ADEBAR 2 ein, so dass sich das Vogelmonitoring und das Atlasprojekt ideal ergänzen. In diesem Jahr hat die Saison schon begonnen, wir würden uns aber freuen, Sie ab 2027 beim MsB der brütenden Wasservögel begrüßen zu dürfen.

 

 

15.05.2026

Start in die Bienenfressersaison und Rückblick auf 2025

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Farbenprächtiger Fluginsektenjäger
(© Hans Glader)

Am 21. Mai beginnt die diesjährige Saison für das Monitoring des Bienenfressers im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel. Dazu werden die Vögel in ihren Kolonien erfasst. Das Bienenfressermonitoring wird von der entsprechenden Fachgruppe der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (DOG) und dem DDA organisiert.

Bienenfresser sind eine ursprünglich vor allem mediterran verbreitete koloniebrütende Vogelart, die sich in Mitteleuropa in den letzten Jahren deutlich nach Norden ausgebreitet hat. In NRW sind Bienenfresser aber weiterhin ausgesprochen seltene Brutvögel und aktuell ist unklar, ob und inwieweit die Ausbreitung weiter fortschreitet. Die aktuellsten Verbreitungsmodelle, die sich auf die klimatischen Bedingungen konzentrieren, sehen viele Gebiete in NRW als geeignet an. Lebensraum und Nahrungsverfügbarkeit müssen aber natürlich auch stimmen.

Die Fachgruppe der DOG hat in ihrem Feedback Zahlen aus dem letzten Jahr veröffentlicht. Demnach wurden in Deutschland 2025 6175 Paare erfasst, wobei geschätzt 10 % der Paare unerfasst blieben, so dass von rund 6800 Brutpaaren in Deutschland ausgegangen werden kann. Das sind etwa 11 % mehr als im Vorjahr. Die höchsten Dichten wurden wieder in Südbaden erreicht. Auch in NRW war ein Bestandsanstieg zu verzeichnen, hier waren es 64 % mehr als im Vorjahr. Insgesamt 41 Brutpaare wurden gezählt.

Zwar sind die meisten Kolonien bzw. Einzelvorkommen in NRW bekannt, aber Bienenfresser zeigen eine große Dynamik und können natürlich auch Brutplätze aufgeben oder neue besiedeln. Daher sollte auch in bisher unbesiedelten Regionen auf Bienenfresser geachtet werden. Bei Hinweisen auf eine Brut bitten wir Sie, sich mit der Landeskoordination in Verbindung zu setzen. Wer schon mitmacht, sollte ab Ende Mai seine Kolonie kontrollieren. Auch Nullmeldungen bzw. Kolonieaufgaben sind selbstverständlich von Interesse. Die Daten können mittlerweile bequem im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel via ornitho.de übermittelt werden. Alle Informationen zum Monitoring des vielleicht buntesten Brutvogels unseres Bundeslandes sowie den vollständigen Feedback-Bericht der DO-G-Fachgruppe finden Sie hier.

 

 

09.05.2026

World Migratory Bird Day – Internationaler Zugvogeltag

Knäkente
Knäkenten sind echte Langstreckenzieher. In NRW sind sie vor allem durch die Zerstörung ihrer Lebensräume als Durchzügler stark gefährdet und als Brutvogel sogar vom Aussterben bedroht (© Hans Glader)

Am heutigen 9. Mai ist World Migratory Bird Day 2026 (#WMBD). Ursprünglich in Nordamerika am Smithsonian Institut initiiert, wird das Ereignis mittlerweile global begangen und u.a. sind die UN-Institutionen AEWA (Afrikanisch-Eurasisches Wasservogelabkommen) und CMS (Abkommen über wandernde Arten), jeweils mit Sitz in NRW (Bonn), ebenfalls dabei.

Zugvögel sind stärker gefährdet als andere Vogelarten. NRW ist einerseits Durchzugs- und Winterquartier für zahlreiche Brutvögel des Nordens, gleichzeitig sind viele unserer Brutvögel Kurz- oder Langstreckenzieher, die im Mittelmeerraum oder sogar in Afrika südlich der Sahara überwintern. Diese Vogelarten verbinden damit über Länder und sogar Kontinente hinweg, gleichzeitig sind sie so aber auch einer Vielzahl von Gefährdungen ausgesetzt. Neben den Bedrohungen bei uns im Brutgebiet, die für die meisten Arten entscheidend sind, kommen Einflüsse auf dem Zug und im Winterquartier hinzu. Zerstörungen des Lebensraumes, direkte Verfolgung und der Klimawandel können an unterschiedlichen Orten während des Jahreszyklus die Populationen gefährden.

Für uns wächst daraus eine große Verantwortung. „Unsere“ Vögel verbringen womöglich den größten Teil des Jahres anderswo, aber wir müssen sicherstellen, dass sie bei uns erfolgreich ihre Junge großziehen können und geeignete Rast- und Winterlebensräume vorfinden. NRW gehört zu den wenigen Bundesländern, für die eine Rote Liste speziell für Zugvögel vorliegt. Von 233 wandernden Zugvogeltaxa in 230 Arten mussten 30 % (71 Arten) in die Rote Liste aufgenommen werden, weitere 20 (9 %) stehen auf der Vorwarnliste. Beim Schutz der Zugvögel gibt es also noch viel zu tun, um das Verschwinden weiterer Arten aufzuhalten und dann auch eine echte Trendwende zu erreichen.

Wir möchten am World Migratory Bird Day aber nicht nur auf die Bedrohung der Zugvögel aufmerksam machen, sondern auch Begeisterung für diese Vogelgruppe wecken. Sei es durch ihre Bedeutung für das Funktionieren globaler Ökosysteme, die Bewunderung für die erstaunlichen Flugleistungen oder die Freude, die wohl alle empfinden, die singenden Nachtigallen und Blaukehlchen lauschen oder Bienenfressern bei der Insektenjagd zuschauen.

 

 

04.05.2026

Rückblick auf das Birdrace 2026 in NRW

Birdrace
Morgenstimmung beim Birdrace im Rhein-Sieg-Kreis (© Darius Stiels)

Am vergangenen Samstag fand das Birdrace 2026 statt. Wer es noch nicht gemacht hat, sollte möglichst schnell seine Beobachtungen noch nachtragen. Die im folgenden genannten Ergebnisse sind also vorläufig, geben aber bereits einen guten Einblick in das Rennen.

Das Birdrace begann nach einer klaren, nicht zu kalten Nacht vielerorts sonnig. Später kam vielfach etwas Wind auf und am Nachmittag oder Abend gab es in vielen Regionen Regenschauer, die das ein oder andere Team zu einer Unterbrechung oder auch zum Abbruch zwangen. Dennoch waren die Bedingungen insgesamt günstig. Der vergleichsweise frühe Termin führte jedoch dazu, dass das ein oder andere Team spät heimkehrende Langstreckenzieher noch nicht auf die Artenliste setzen konnte. Andererseits gab es durchaus merkliches Rast- und Zuggeschehen, so dass auch wieder einige Besonderheiten festgestellt wurden. Beispielhaft seien eine Weißbart-Seeschwalbe in den Rieselfeldern Münster oder ein Ohrentaucher im Prachtkleid in Minden erwähnt.

Das erfreulichste Ergebnis des Birdrace ist aber die breite Teilnahme. NRW ist das Ursprungsland des Birdrace. Hier gingen 519 Birdracer:innen in 174 Teams an den Start. Die meisten Teams waren in NRW in Münster unterwegs (37); mit etwas Abstand folgen der Rhein-Sieg-Kreis (12) und Herford (11).

Das Birdrace 2026 war ein Spendenrennen für ADEBAR 2. Bundesweit wurde pro Art oder pauschal Geld für die Durchführung dieses Großprojektes gesammelt. Die bundesweit 1057 angemeldeten Teams haben demnach zugesagt, mindestens 52.894,06 € zu spenden. Bei den generierten Spenden war NRW mittlerweile schon traditionell ganz vorne mit dabei. Wer das Birdrace schon länger verfolgt, wird sich nicht wundern, dass zwei NRW-Teams in den Top 3 sind: Das TEAM BO-BACHTER aus Bochum sammelte 4640,00 € und Birding for Nature aus Bonn konnte 4225,65 € für den guten Zweck einnehmen. Nicht unerwähnt lassen möchten wir die HA-selhühner (Hagen), die 1389,00 € Spendengelder aquirieren konnten.

Beim Birdrace geht es den Teams aber natürlich darum, auch möglichst viele Arten innerhalb von 24 Stunden zu beobachten. In NRW wurden so insgesamt 220 Arten festgestellt. Die in ornitho.de eingegebenen Birdrace-Beobachtungen verbessern dabei die Datengrundlage für ADEBAR 2 und andere Auswertungen enorm, so dass das Birdrace auch einen großen fachlichen Nutzen hat, der ganz nebenbei gewonnen wird. Die Top-Kreise in NRW waren dieses Jahr Münster (162 Arten, Platz 14 bundesweit), Borken (142 Arten, Platz 58 bundesweit) und der Rhein-Sieg-Kreis (139 Arten, Platz 60 bundesweit).

Die drei Teams mit den meisten Arten in einem Kreis kamen alle aus Münster: 1) Quail Force One (141 Arten), 2) Willst Du viel, find den Triel (138 Arten) und 3) münSTARaner fachSCHAFTSTELZEN (131 Arten). Die Teams mit den meisten Arten, die keine außergewöhnlichen Rieselfelder zur Verfügung hatten, waren die Flutmuldenmafia im Kreis Wesel (130 Arten) und die BOR-Seeschwalben im Kreis Borken (125 Arten). In der Singvogelwertung sah es dagegen etwas anders aus. Hier haben die Bielefeld Birder gewonnen (66 Arten), dicht gefolgt von den Hellweg-Bördern und Willst Du viel, find den Triel (je 65 Arten) sowie Quail Force One und den VIEtissen (je 64 Arten).

Eine Vielzahl an Teams war umweltfreundlich per Rad, zu Fuß bzw. mit Öffis unterwegs. Bei aller freundschaftlichen Konkurrenz überwog bei allen Teams die Freude über das gemeinsame Erlebnis Vogelbeobachtung. Verpasste Arten werden vergessen, verdrängt oder sich einfach für nächstes Jahr vorgenommen. Nach dem Birdrace ist vor dem Birdrace. Auch 2027 wird es sicherlich wieder ein Rennen geben! Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden. Genießt Euren Triumph, egal ob mit ein paar Arten beim Familienspaziergang oder beim 24-Stunden-Rennen.