Aktuelle Meldungen

11.07.2022

Neue Studie: Brutvogelgemeinschaften des Magergraslandes im Diemeltal

Baumpieper
Eine der gefährdeten Indikatorarten der Kalkmagerrasen: Baumpieper (© Hans Glader)

Eine neue Studie unter Federführung unseres Beiratsmitgliedes Jonas Brüggeshemke und seiner Co-Autoren von den Universitäten Münster und Osnabrück hat die Vogelgemeinschaften der Magerrasen im Diemeltal untersucht und findet dabei spannende Ergebnisse, die auch wichtige Rückschlüsse auf den Schutz der Vogelwelt in diesem Lebensraum zulassen.

Das Diemeltal liegt an der Grenze von NRW zu Hessen in der Nähe der Städte Marsberg und Warburg. Das Gebiet weist heute die größten Vorkommen von Kalkmagerrasen und frischem Magergrünland in ganz Norddeutschland auf. Die Kalkmagerrasen sind zudem häufig mit Wacholder bestanden - eine in dieser Form in NRW nahezu einmalige Kulturlandschaft, die andernorts fast gänzlich durch Aufforstung und intensive Landwirtschaft verschwunden ist. Gegenstand der Untersuchung waren die Vogelgemeinschaften beider Magerrasen-Lebensräume und die Faktoren, die diese maßgeblich beeinflussen. Erfasst wurden die Vögel auf 54 (27 pro Lebensraumtyp) 5 ha großen Probeflächen. „Unsere Studie zeigte, dass sowohl die Artenzahl als auch die Dichte an gefährdeten Brutvogelarten auf Probeflächen der Kalkmagerrasen höher war als in denen des frischen Magergraslands“, so das Autorenteam in der Zusammenfassung des Artikels. Dementsprechend war das Vorhandensein von Kalkmagerrasen mit Wacholderbeständen sowie die Vielfalt an Lebensräumen (konkret ein verwendeter Index zur Habitatheterogenität) in den berechneten statistischen Modellen der wichtigste Prädiktor für Dichte und Artenzahl der Vögel. Betrachtet man nur die gefährdeten Vögel, zeigt sich, dass auch die Temperatur eine ganz entscheidende Rolle spielt. In den niedrigeren, wärmeren Teilgebieten kommen Arten wie Turteltaube, Wendehals, Grünspecht und Nachtigall vor, die weiter oben in den kühlen Regionen weitestgehend fehlen.

Das Autorenteam macht basierend auf den gefundenen Ergebnissen Vorschläge zum Schutz des Lebensraums und seiner Vogelgemeinschaften: Maßnahmen zum Schutz der wacholderreichen Kalkmagerrasen kommen auch den bedrohten Vogelarten zu Gute - nicht nur Insekten und Pflanzen sollten beim Management dieses Lebensraums Berücksichtigung finden. Verschiedene halboffene Sukzessionsstadien sind hier besonders wichtig, da neben der Nahrungsverfügbarkeit auch Brutplätze vorhanden sein müssen. Besondern in frischem Magergrünland fehlt es teilweise leider an Strukturvielfalt. Einzelne Sträucher und Bäume, Grasland verschiedener Mahdhöhe können hier bedrohte Vogelarten fördern. Die Autoren heben aber insbesondere die Bedeutung extensiver (ganzjähriger und saisonaler) Beweidung hervor, die einer Mahd gegenüber zu bevorzugen ist.

Die Studie erschien kürzlich in englischer Sprache mit deutscher Zusammenfassung im Journal of Ornithology und ist hier frei verfügbar.

 

 

07.07.2022

Ziegenmelkerprojekt erfolgreich in neue Saison gestartet

Aktuelles Bild: Zwei Ziegennmelkerküken aus einer späten Brut (© S.R. Sudmann)

Die NWO führt gemeinsam mit Partnern aus der Naturschutzplanung ein Projekt zur Störungstoleranz des Ziegenmelkers durch. Ziegenmelker sind dämmerungs- und nachtaktive Vögel, von denen vermutet wird, dass sie empfindlich auf Licht und Lärm durch Großveranstaltungen reagieren könnten. Ob und inwieweit das der Fall ist, wollen wir genauer herausfinden. Seit 2020 kommen dabei Wildtierkameras und die Verfolgung mittels Telemetrie zum Einsatz.

Im Rahmen der diesjährigen Untersuchungen wurden nun wieder Wildkameras an zwei Gelegen angebracht. Genau zum richtigen Zeitpunkt haben wir jetzt zwei frisch geschlüpfte Küken gefunden und konnten hier ebenfalls eine Kamera installieren, die nun Informationen zur Jungenaufzucht liefert. Bei diesen Bruten handelt es sich um Zweit- oder Ersatzbruten. An anderer Stelle wurde nachts ein Weibchen beobachtet, das mit seinen beiden flüggen Jungen auf der Jagd war. Ziegenmelker ernähren sich vor allem von großen Nachtfaltern. Das wahrscheinlich zugehörige Männchen markierte derweil das Revier mit dem typischen „Schnurren“. Unterstützt wird das Projekt von der Stöckmann-Stiftung. Weitere Informationen und Bilder gibt es hier.

Barbara C. Meyer & Stefan R. Sudmann

 

 

06.07.2022

Publikationen von Mitgliedern: Naturalized Parrots of the World

Neues Buch über Neozoen: Naturalized Parrots of the World

Das im Jahr 2021 erschienene Buch „Naturalized Parrots of the World - Distribution, Ecology of the World's Most Colorful Colonizers“ widmet sich nicht-heimischen Papageien. Das Buch hat 19 Kapitel, von denen eines - das über Papageien in Europa - von NWO-Mitglied Dr. Michael Braun verfasst wurde.

Das englischsprachige Buch beleuchtet auf 304 Seiten zum einen Hintergründe und Ökologie, zum anderen Fallstudien, z.B. zu bestimmten Regionen oder einzelnen Arten wie dem Halsbandsittich.

Das Buch ist über den (Online-)Buchhandel erhätlich. Die unverbindliche Preisempfehlung des Princeton-Verlages beträgt 45 $ bzw. 35 ₤. Weitere Informationen zu Publikationen unserer Mitglieder finden Sie hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

02.07.2022

Sommerliche Zählung der Gänse

Rostgans
Rostgänse sind in NRW außerhalb der Mittelgebirge weit verbreitet (© Hans Glader)

Nächstes Wochenende steht die Sommergänsezählung bevor. Am 09./10. Juli findet die alljährliche sommerliche landesweite Zählung der Gänse statt. Die meisten denken bei Gänsen eher an die Wintermonate, wenn große Schwärme arktischer Brutvögel der Taiga und Tundra in den Fluss- und Stromniederungen von Nordrhein-Westfalen überwintern. Bei den Sommergänsen liegt der Schwerpunkt aber vor allem auf den Neozoen: Kanadagans, Nilgans und Rostgans werden gezählt - aber auch die bei uns brütenden Grau- und Weißwangengänse und einige seltenere Arten werden dabei erfasst. Nil- und Rostgans sind trotz ihres Namens übrigens keine echten Gänse, sie sind näher mit den meisten Enten verwandt, früher sprach man auch von sogenannten Halbgänsen, aber die deutschen Namen können die Verwandtschafsverhältnisse nur fehlerhaft bzw. unvollständig widergeben. Durch Erfassung des Jungvogelanteils erlaubt das Monitoring übrigens auch Aussagen über den Bruterfolg der Vögel in diesem Jahr.

Die Sommergänsezählung wird seit 2011 mit Unterstützung des LANUV von der NWO organisiert. Sie ist wesentliche Grundlage des Managements der Neozoen und NRW ist mit diesem Monitoring im Vergleich zu den anderen Bundesländern ein wichtiger Vorreiter. Wer mehr über die Sommergänsezählung erfahren möchte, vielleicht selbst mitmachen will, findet weitere Hintergründe und Auswertungen der vergangenen Zählungen auf der Infoseite zur Sommmergänsezählung.

 

 

29.06.2022

Bislang gute Saison für Flussseeschwalben in NRW

Flussseeschwalbe
Junge Flussseeschwalben auf einem speziellen Brutfloß am Niederrhein (© Stefan R. Sudmann)

Flussseeschwalben gehören zu den seltensten Brutvögeln in NRW. Die eleganten Vögel stehen aktuell als gefährdet auf der Roten Liste unserer Brutvögel. In diesem Jahr wird erstmals im Auftrag des LANUV eine landesweite Bestandserfassung des Brutbestands der Flussseeschwalbe durchgeführt. Dabei wurden bislang 30 Paare an der Weser und 170 Paare am Unteren Niederrhein festgestellt. Der Landesbestand liegt damit bei ca. 200 Paaren, was im Vergleich mit den in den letzten Jahren ehrenamtlich erhobenen Daten ein gutes Ergebnis ist. Während an der Weser ausschließlich auf Inseln in ehemaligen bzw. aktiven Abgrabungsbereichen gebrütet wird, nisten die Niederrheiner nahezu ausschließlich auf Flößen. Ermöglicht wurde die Bestandserholung am Niederrhein durch mehrere neue von Kiesunternehmen hergestellte und ausgelegte Flöße. Ohne diese Artenhilfsmaßnahme wäre die Flussseeschwalbe am Niederrhein als Brutvogel bereits verschwunden. Bislang entwickeln sich die Küken gut und es gibt nur wenige Todesfälle. Inklusive der Nachgelege kann die Aufzuchtzeit noch bis Anfang August reichen, so dass dies nur eine Zwischenmeldung ist.

Barbara Meyer & Stefan R. Sudmann

 

 

27.06.2022

Infrastruktur, Jagd und Klimawandel mit Bestandsrückgängen von Zugvögeln verknüpft

Baumpieper
Baumpieper gehören zu den bedrohten Langstreckenziehern (© Hans Glader)

Bestände von Zugvögeln nehmen global ab. Eine neue Studie der Universität von East Anglia, der Universität von Porto und der Universität von Lissabon und der Tschechischen Gesellschaft für Ornithologie zeigt, dass dies durch menschengemachte Veränderung der Landschaft verursacht wird. Die Untersuchung basiert auch auf Daten des paneuropäischen Monitorings häufiger Brutvögel (PECBMS), das in NRW durch unser Monitoring häufiger Brutvögel (MhB) repräsentiert wird. Studien wie diese wären ohne die Mithilfe zahlreicher ehrenamtlicher Kartierer*innen nicht möglich.

Bestandsrückgänge sind bei den Arten am größten, die durch Gebiete mit mehr menschlicher Infrastruktur (Straßen, Gebäude, Stromleitungen, Windkraftanlagen), höherer menschlicher Siedlungsdichte und hohem Jagddruck ziehen. Habitazerstörung und Klimawandel spielen ebenfalls eine wichtige Rolle beim langfristigen Rückgang der Vogelbestände. Das Forschungsteam hofft, ihre Arbeit hilft bei gezielten Naturschutzmaßnahmen. Dr. James Gilroy (UEA’s School of Environmental Sciences) sagte: „Wir wissen, dass Zugvögel stärker bedroht sind als Standvögel, es ist aber unklar, warum. Wir möchten herausfinden, wo in ihrem Lebenszyklus die Vögel am meisten menschlichen Einflüssen ausgesetzt sind.“

Insgesamt 103 Zugvogelarten wurden untersucht. Fortschritte in der Fernerkundung (Satellitenbildtechnologien) erlaubten es, Karten von 16 Bedrohungen über Europa, Afrika und Westasien zu erstellen, darunter die erste großskalige Kartierung des Jagddrucks.

Dr. Aldina Franco (ebenfalls UEA’s School of Environmental Sciences) ergänzte: „Unsere Ergebnisse sind deshalb wichtig, weil wir verstehen müssen, wo im Bestand rückläufige Arten während ihres Zugweges am stärksten durch Menschen bedroht sind. Genaue Lokalisierungen können helfen, Naturschutzmaßnahmen gezielt einzusetzen.“

Eine ausführliche englischsprachige Pressemitteilung, auf der dieser Beitrag beruht, befindet sich auf der PECBMS-Homepage. Der Fachartikel erschien im Fachmagazin Global Ecology and Biogeography und ist hier frei verfügbar.

 

 

26.06.2022

Uferschwalbenmonitoring hat begonnen

Uferschwalbe
Die Uferschwalbensaison hat begonnen
(© Hans Glader)

Bereits am 20.06. startete die diesjährige Saison zum Uferschwalbenmonitoring. Uferschwalben brüten in Kolonien. Neströhren werden in Steilwände an naturnahen Flüssen und in Sekundärlebensräumen wie z.B. Sandgruben selbst gegraben. In NRW ist die Uferschwalbe die seltenste der drei regelmäßig vorkommenden Schwalbenarten. Sie steht auf der Roten Liste der Brutvögel Nordrhein-Westfalens als stark gefährdet. Es ist außerdem bekannt, dass Uferschwalbenbestände stark schwanken können und die Art eine sehr großräumige Populationsdynamik aufweisen kann – Vögel, die in einem Jahr an einer bestimmten Stelle gebrütet haben, können im nächsten Jahr an ganz anderer Stelle auftauchen - sicherlich eine Anpassung an die Dynamik natürlicher Flussufer, die bei uns leider selten geworden sind. Uferschwalben lassen sich kaum sinnvoll im Rahmen eines Monitorings gemeinsam mit anderen Arten erfassen, so dass ein eigenes Modul im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel des DDA etabliert wurde.

Das Brutbestandsmonitoring umfasst lediglich zwei Termine: eine optionale Begehung zwischen dem 20. Juni und dem 10. Juli, um die Zahl besetzter Röhren zu bestimmen, und ein verpflichtender Termin zwischen dem 11. und 31. Juli. Die Dateneingabe läuft bequem über ornitho.de oder die Naturalist-App.

Seit Beginn des Monitorings konnten bereits zahlreiche Koloniestandorte vergeben werden, so dass wir hoffen, zukünftig eine bessere Datengrundlage über die Bestandsentwicklung dieser spannenden Art haben. Trotzdem werden aber viele Gebiete noch nicht erfasst. Wenn Sie selbst Kolonien kennen und Zeit und Lust finden, sich am Monitoring der Uferschwalben zu beteiligen, freuen wir uns, wenn Sie sich bei der KVM (Koordinierungsstelle Vogelmonitoring NRW) melden. Kontakt und weitere Informationen zum Uferschwalbenmonitoring gibt es hier.

 

 

17.06.2022

Vogeltränken aufstellen

Kohlmeise
Wasserstellen locken Vögel an - hier eine Kohlmeise (© Hans Glader)

Die nächste Hitzewelle ist da und erfüllt damit leider alle Prognosen der Klimawissenschaft. Aktuell leiden viele Vögel und andere Tiergruppen unter der Trockenheit. Langfristig verändern sich Ökosysteme, unmittelbar trocknen aber erstmal Pfützen und Flachgewässer aus. Dabei müssen die meisten Vögel – obwohl sie aufgrund ihres Stoffwechsels echte Wassersparer sind – regelmäßig trinken. Wie Vögel trinken erklären wir übrigens hier. Viele Arten baden aber auch ausgesprochen gerne, schließlich hängt das Überleben eines Vogels maßgeblich vom Zustand seines Federkleids ab.

Wer den Vögeln im direkten Umfeld helfen möchte, kann jetzt Tränken aufzustellen. Ein wassergefüllter Blumenuntersetzer auf der Terrasse, im Garten oder auf dem Balkon dürfte rasch mehrere Arten anlocken. Oft bieten sich dabei sehr schöne Beobachtungsmöglichkeiten. Bitte beachten Sie, dass Tränken sicher vor Katzen aufgestellt werden sollten (z.B. in einer aufgehängten Schale) und auch Scheibenanflüge sind ein Risiko. Auch Vogelkrankheiten können an Tränken und Futterstellen übertragen werden. Tränken sollten daher täglich gereinigt werden und bei Verdachtsfällen entfernt werden, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.

 

 

15.06.2022

Vogelschutztagung NRW 2022 - Vogelschutz im Wald am 17.09.2022

Balzende Schwarzstörche - leider ein zundehmend selten werdender Anblick über unseren Wäldern (© Hans Glader)

Unsere Wälder wandeln sich aktuell in einem bisher zumindest in jüngster Zeit nicht beobachteten Ausmaß. Die Klimakrise und die mit dieser oft in engem Zusammenhang stehenden Nutzungsbedingungen tragen dazu bei. Vor diesem Hintergrund wurde für die diesjährige Vogelschutztagung das wichtige Thema „Vogelschutz im Wald“ ausgewählt. Gefragt wird beispielsweise, wie die momentane Bestandsentwicklung bei typischen Waldarten wie Spechten und Eulen aussieht. Gegenstand der Veranstaltung wird auch die Bedeutung von Kalamitäts- und Störflächen als mögliche neue Lebensräume für Halboffenlandarten. Weitere Beiträge und aktuelle Entwicklungen werden zudem in Impuls-Vorträgen vorgestellt.

Natürlich wird es neben den Fachvorträgen genügend Zeit für Austausch und Diskussionen geben. Das vorläufige Programm gibt es als pdf-Datei auf der Homepage der Natur- und Umweltakademie NRW.

Die Vogelschutztagung wird von der NUA, der Vogelschutzwarte im LANUV, dem NABU-Landesfachausschuss Ornithologie und Vogelschutz und der NWO durchgeführt. Die Veranstaltung findet am 17. September 2022 von 09:30 bis 18:00 Uhr in der NUA in Recklinghausen statt. Eine Anmeldung bei der NUA ist notwendig. Die Teilnahme kostet 40,00 € (ermäßigt 20,00 €).

 

 

07.06.2022

Heute ist Weltseglertag – Mauersegler und ihre Verwandten in NRW

Brutverbreitung des Mauerseglers in NRW 2016-2021 (ornitho-regioportal.de)

Das laute „sriieh – sriieh – sriieh“ der Mauersegler gehört zu heißen Sommertagen in den Straßenschluchten der Großstädte NRWs einfach dazu. Trupps der schnellen Vögel jagen durch die engen Häusermeere oder sind hoch am Himmel auf der Suche nach Luftplankton – kleinen Wirbellosen (Insekten oder winzige Spinnen, die sich an ihren Fäden durch die Luft transportieren lassen). Tatsächlich leben Mauersegler aber nicht nur in Großstädten, sondern auch in kleineren und mittelgroßen Städten. Sie kommen aber auch in Dörfern oder selbst an Einzelgebäuden in der freien Landschaft vor (mehr Infos zur Art auch in unserem Brutvogelatlas. Andernorts brüten sie sehr selten auch in Baumhöhlen. Sie gehören zu den schnellsten Fliegern im Land und sind wie keine andere Art an das Leben in der Luft angepasst. Mauersegler können selbst in der Luft schlafen (die exakten Details sind keineswegs gänzlich verstanden ist), paaren sich in der Luft und kommen letztlich nur zum Brüten auf festen Grund. In NRW wird das Leben der Mauersegler übrigens intensiv von der Universität Siegen untersucht – bei Olpe im Sauerland brüten Mauersegler in einer Brücke und die Vögel sind für die Forschenden dort gut zugänglich. Vor Kurzem hat die Uni Siegen zudem ein Crowdfundingprojekt gestartet, über das jede*r die Erforschung des Verhaltens dieser Art unterstützen kann.

Mauersegler sind bei uns nur im Sommer zu beobachten. Die Vögel erreichen ihre Brutgebiete bei uns oft erst in der letzten Aprildekade, manchmal auch erst Anfang Mai. Nach Ende der Brutzeit, Ende Juli bis Anfang August, machen sie sich wieder auf in ihre Überwinterungsgebiete nach Afrika. Der Zug der europäischen Mauersegler ist erst in jüngster Zeit besser verstanden worden. Dazu haben kleine Sender beigetragen. Rucksäcke mit Geolokatoren zeichnen die Position der Vögel auf (genauer gesagt wird die Zeit und das Licht gemessen und daraus lässt sich die ungefähre Position bestimmen). In einer großen Kooperationsstudie (Åkesson et al. 2020, Evolution) fand man heraus, dass Mauersegler ein auffälliges Zugmuster zeigen – den sogenannten Kettenzug. Das bedeutet, dass die Brutvögel Südeuropas früher in den Winterquartieren ankommen und nördlicher überwintern als nördlicher brütende Vögel. Bei vielen anderen Zugvögeln ziehen dagegen nördlich brütende Populationen weiter als südlicher brütende Vögel („Leapfrog Migration“). Früher im Winterquartier ankommende Mauersegler können aber im Luftraum keine Reviere verteidigen. Die später ankommenden nördlichen Populationen werden daher auch nicht durch die Konkurrenz dazu gezwungen über ihre Artgenossen hinwegzuziehen.

Mauersegler verbringen fast ihr ganzes Lebens in der Luft (© Hans Glader)

Segler sind übrigens nicht mit den Schwalben verwandt. Die oberflächliche Ähnlichkeit beruht auf Konvergenz – der evolutiven Anpassung an eine ähnliche Lebensweise. Segler haben u.a. längere, sichelförmige Flügel als Schwalben. Die nächsten Verwandten der Segler sind ganz andere Flugkünstler: die heutzutage nur in Amerika verbreiteten Kolibris. Beide Gruppen haben sich jedoch schon vor vielen Millionen Jahren voneinander getrennt.

Die Bestände von Mauerseglern haben in NRW leider vielerorts abgenommen. Ein Grund dafür ist der Verlust von Brutplätzen. Durch den Abriss alter Gebäude und die Sanierung von Altbauten gehen trotz rechtlichen Schutzes oft Brutplätze an Gebäuden verloren. Dabei kann den Vögeln vergleichsweise leicht mit Nisthilfen unter die Fittiche gegriffen werden. Unsere AG Gebäudebrüter hat dazu zahlreiche Praxistipps zusammengestellt. Bestandsrückgänge könnten zusätzlich auch durch den Rückgang der Nahrung („Insektensterben“) oder Faktoren auf dem Zug oder den Klimawandel verursacht werden, aber über diese Einflüsse wissen wir noch zu wenig. Mauersegler sind nicht leicht zu erfassen. Am besten geht dies in den Abendstunden, wenn sie mit Futter für die Jungen ihre Brutkolonien aufsuchen. Meldungen sie besetzte Brutplätze bei ornitho.de.

Neben dem Mauersegler gibt es noch zwei weitere Seglerarten, die in NRW bisher nur als Ausnahmegäste nachgewiesen sind: Alpensegler und Fahlsegler. Von den großen Alpenseglern hat unsere AviKom bis 2017 acht Nachweise dokumentiert. Darunter ist ein sehr ungewöhnlicher Todfund. Diese Art breitet sich aber in Deutschland aus (die nächsten Brutplätze sind im Raum Karlsruhe) und vielleicht wird mit dem Alpensegler in einigen Jahren ja eine zweite Seglerart in NRW brüten. Eine dritte Art, der Fahlsegler, ist in Südeuropa weit verbreitet und erreicht vor allem im Spätherbst, wenn unsere Mauersegler längst wieder auf dem Zug nach Afrika sind, regelmäßig Nord- und Mitteleuropa. Bisher gibt es vier Nachweise aus NRW – alle stammen aus dem Sommer des Jahres 2000. Mittlerweile gibt es Hinweise darauf, dass Fahl- und Mauersegler zumindest gebietsweise auch hybridisieren wie eine jüngst erschienene Publikation in der Fachzeitschrift Ibis zeigen konnte. Die Bestimmung des Fahlseglers könnte zukünftig also noch schwieriger werden.

 

 

27.05.2022

Neuer Online-Atlas des Vogelzugs

Blässgänse
Zugwege von Blässgänsen lassen sich im neuen Vogelzugatlas einfach recherchieren
(© Hans Glader)

Eine der größten Faszinationen, die von Vögeln ausgehen, ist ihr Zugverhalten. Allein zwischen Europa und Afrika pendeln jedes Jahr geschätzte zwei Milliarden(!) Vögel und verbringen dabei erstaunliche Leistungen. Die Erforschung des Vogelzuges ist jedoch eine große Herausforderung. Die ersten modernen Hinweise waren u.a. Pfeilstörche, die einen schlüssigen Beleg für den Zug nach Afrika gaben. Im 20. Jahrhundert kam die Beringung hinzu, die auch weiterhin ein wichtiges, technisch niederschwelliges Werkzeug in der Ornithologie ist. Seit Ende des 20. Jahrhunderts und regelrecht boomend in den letzten 20 Jahren kamen verschiedene Sendertechnologien hinzu – von Lichtlevel-Geologgern bis hin zu hochauflösenden GPS-Sendern, die in Echtzeit metergenaue Flugdaten der besenderten Individuen liefern. Die vielen Daten waren bisher oft weit verstreut und nicht zentral abrufbar. Interessierte mussten zahlreiche Quellen – oft kiloschwere Druckwerke durchforsten, um sich ein erstes Bild zu verschaffen. Dies dürfte zukünftig weitgehend der Vergangenheit angehören. Zusammen mit der UN-Konvention zum Schutz wandernder Tierarten („CMS“ mit Sitz in Bonn) wurde von EURING (angesiedelt beim Britisch Trust for Ornithology) und dem Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie („Movebank“) der Eurasian-African Migrationatlas initiiert. Beteiligt waren zehn Institutionen bzw. insgesamt über 50 Organisationen. Finanziert wurde das Projekt von der italienischen Regierung.

Verarbeitet wurden Daten über rund 300 Vogelarten aus mehr als 100 Jahren Vogelzugforschung. Auf migrationatlas.org sind Beringungsdaten und Senderdaten für diese Arten online abrufbar. Ergänzende Module informieren außerdem über Zugkonnektivität, zeitliche Veränderungen der Zugmuster, Phänologie bejagter Arten und Informationen zur illegalen Verfolgung und Tötung von Vögeln.

Die Initatoren hoffen, dass das der Vogelzugatlas zum Schutz und zur Erforschung der Vögel in Afrika und Eurasien beitragen wird. Wir sind uns sicher, dass die Informationen auch in NRW auf viel Interesse stoßen werden und breite fachliche Anwendung finden. Fasziniertes Herumsurfen auf der Seite macht auf jeden Fall Spaß und bringt neue Erkenntnisse.

Quelle: CMS/UNEP Pressemitteilung, 26. Mai 2022

 

 

22.05.2022

NWO-Exkursion 2022 zu Grauammern und Wiesenweihen in der Hellwegbörde

Exkursion
Die NWO-Exkursionsgruppe
(© Kathrin Schidelko)
Feldflur
Artenreiche Feldflur um Geseke
(© Kathrin Schidelko)

Feldvögel gehören zu den bedrohtesten Vogelgruppen Europas. Ihre Bestände sind auch in NRW ins Bodenlose gefallen und einzelne Arten sind bereits lokal ausgestorben. Kein Wunder, dass Vögel der Agrarlandschaft schon seit längerer Zeit im besonderen Fokus unserer Aufmerksamkeit stehen. Eine der bekannten Maßnahmen zum Naturschutz in der Feldflur ist der sogenannte Vetragsnaturschutz. Landwirt*innen erhalten Fördergelder dafür, dass sie bestimmte Maßnahmen auf ihren Flächen durchführen bzw. unterlassen (Brachen, Blühstreifen, doppelte Saatreihenabstände u.ä.). Um sich über dieses Thema vor Ort zu informieren und natürlich auch die klassischen Vogelarten des Offenlandes kennenzulernen, fand die diesjährige NWO-Exkursion in die Börde bei Geseke im Kreis Soest statt. Das Vogelschutzgebiet Hellwegbörde ist eines der Hotspots der Feldvogelwelt in NRW. Wir bedanken uns bei unseren Exkursionsleitern von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz - Patrick Hundorf und Ralf Joest, der auch unsere AG Feldvögel leitet. Unser ganz besonderer Dank geht an einen lokalen Landwirt, der die Exkursion begleitete und wichtigen Input zur praktischen Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen gab. Auch Herausforderungen und Probleme, z.B. mit unerwünschten Wildkräutern, unzureichender Finanzierung u.a. wurden vor Ort besprochen und an praktischen Beispielen gezeigt.

Bei unserer Exkursion ging es aber keineswegs allein um weitreichende Fachthemen. Nach der langen Pandemiezeit mit sehr wenigen Vor-Ort-Veranstaltungen freuten sich 30 Ornis, sich wieder einmal persönlich zu begegnen und gemeinsam Vögel zu beobachten. Es dauerte gar nicht lange, bis ein erstes Wiesenweihenmännchen vorbeiflog. Die Region gehört zu den ganz wenigen Regionen in NRW, wo die Art überhaupt noch als Brutvogel auftritt, auch wenn der elegante Greifvogel auch dort hochgradig bedroht ist. Und dann hieß unsere Exkursion ja auch noch „Zu Besuch bei den westfälischen Grauammern“. Grauammern waren in der Hellwegbörde bis vor Kurzem nahezu ausgestorben. Durch Naturschutzmaßnahmen hat sich der Bestand, vielleicht auch zusätzlich bedingt durch klimatische Änderungen, aber wieder ganz leicht erholt und die Exkursionsgruppe konnte ein bis zwei Vögel beobachten. Aus den Vertragsnaturschutzflächen sang auch ein Sumpfrohrsänger und einzelne Schwarzkehlchen wurden beobachtet. Am Waldrand gab es Baumpieper und in den Dörfern sangen Girlitze - diese Art freute vor allem Besucher vom Niederrhein, wo die einst häufige Art mittlerweile weitestgehend verschwunden ist. Abgerundet wurde die Exkursion mit der Einkehr in eine lokale Imbissbude, wo mit großen Frittenportionen die Exkursion einen schönen und geselligen Ausklang fand.