29.09.2026

Rückblick auf MsB-Saison: Binnengewässerarten und Röhrichtbrüter

Teichhuhn
Eine der Zielarten der Gewässer-Module ist das Teichhuhn (© Hans Glader)

Feuchtgebiete sind Hotspots der Biodiversität und Binnengewässer haben überragende Bedeutung für die Artenvielfalt. Sie sind Trinkwasserspeicher, regulieren das Klima und haben Erholungsfunktion. Bestandsveränderungen von Wasservögeln sind damit Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt, aber auch um ihrer selbst Willen kommt dem Monitoring dieser Vogelgruppe eine herausragende Bedeutung zu. Für Brutvögel greift hier seit Kurzem das Binnengewässer- bzw. Röhrichtbrütermodul im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel, von dem nun erste Ergebnisse der Saison 2026 vorliegen.

Das Monitoring der brütenden Wasservögel umfasst also eigentlich zwei unterschiedliche Module: das Röhrichtbrüter-Modul entlang von Transekten und das Binnengewässer-Modul, welches auf Probeflächen stattfindet. Über erweiterte Artenlisten können mit dem einen aber auch die Arten des anderen Moduls miterfasst werden. Da ausgedehnte Schilfgebiete in NRW selten sind, findet bei uns vor allem das Binnengewässermodul Anwendung. Einen Überblick über beide Module, der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen beiden Modulen verdeutlicht, erschien in den letzten NWO-Mitteilungen und kann auch hier heruntergeladen werden.

Bundesweit hat die Zahl der Probeflächen seit 2025 einen enormen Zuwachs (+67 %) erfahren. Es sind nun 1.111 Erfassungseinheiten (881 Binnengewässer- + 230 Röhrichtbrütergebiete) vorhanden, wobei nach einer vorläufigen Auswertung bisher für das Jahr 2026 aus 362 Erfassungseinheiten Daten übermittelt wurden. Auch in NRW konnte die Zahl der Gebiete in der Kulisse gesteigert werden. Von nun 119 Gebieten sind allerdings 70 noch vakant. Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass es noch zahlreiche Möglichkeiten gibt, sich zu beteiligen. Sollten Sie in der Mitmachbörse kein freies Gebiet in Ihrer Nähe finden, richten wir auch gerne problemlos ein neues Zählgebiet an Ihrem Lieblingsgewässer ein. Die Module sind nicht aufwendig und umfassen lediglich drei Begehungen in vordefinierten Zeiträumen, wer Dommeln und seltenere Rallen in seinem Gebiet vermutet, kann zwei Nachtbegehungen ergänzen. Unser Schwerpunkt liegt aber meist auf leicht zu erfassenden Gewässern in der Normallandschaft und umfasst auch städtische Gebiete wie Parkteiche, Abgrabungsgewässer oder gerne auch Stauseen, die bisher noch unterrepräsentiert sind. Besonders attraktiv sind auch Erfassungen an Bächen und Flüssen im Mittelgebirge, wo bereits zwei Begehungen pro Jahr ausreichen, um Daten zu Eisvogel, Wasseramsel und Gebirgsstelze zu erheben. Hier haben wir noch größeren Nachholbedarf. Spannende Vogelarten und ein überschaubarer Aufwand sowie die digitale Datenerhebung machen das Modul daher auch für Einsteiger:innen ins Monitoring sehr attraktiv! Alle Informationen finden Sie hier. Die Daten gehen selbstverständlich auch in die ADEBAR-Erfassungen ein, so dass Sie sowohl dem Trendmonitoring als auch den Zielen des Atlas durch Ihre Teilnahme helfen.

Spannend ist ein erster Blick in die vorläufigen Daten aus NRW. Diese sind noch nicht geprüft, aber interessant ist sicherlich ein Blick in die am häufigsten festgestellten Arten. Auf Platz 1 findet sich hier die Kanadagans (180 potentielle Reviere), gefolgt von Blässhuhn (123 potentielle Reviere) und Graugans (117 potentielle Reviere). Die Stockente kommt, vielleicht für einige überraschend, dagegen nur auf Platz 4 (maximal 101 Individuen). Auch einige seltenere Arten wurden festgestellt, darunter Röhrichtspezialisten wie Rohrschwirl sowie Schilf- und Drosselrohrsänger. Nicht minder wichtig und gerade für großräumige Trends entscheidend erscheinen aber auch 56 potentielle Reviere des Teichhuhns oder 12 beim Zwergtaucher. Diese Einzelergebnisse sind methodisch bedingt natürlich nicht unmittelbar untereinander vergleichbar und die Kulisse muss zudem weiter ausgebaut werden, um die Repräsentativität zu steigern, trägt aber hoffentlich dazu bei, Ihr Interesse am Brutmonitoring der Wasservögel zu steigern.

Einen genaueren Überblick über die einzelnen Arten in allen Bundesländern gibt der diesjährige Bericht des Dachverbands Deutscher Avifaunisten, der hier zum Download bereit steht. Wir bedanken uns herzlich bei allen Kartierenden für Ihr großes Engagement und freuen uns jederzeit über neue Kartierende!

PS: Wer lieber oder am besten sogar zusätzlich Rastvögel erfassen möchte, ist herzlich eingeladen, sich an der Wasservogelzählung zu beteiligen. Synergien mit dem MsB Binnengewässerarten sind möglich und eine Kombination aus beiden Programmen machbar!