27.04.2026

Weltmöwentag 2026

Möwen sind wohl eine der bekanntesten Vogelgruppen überhaupt. Die meisten Menschen verbinden sie mit Meeresküsten und Strandurlaub, dabei leben viele von ihnen auch im Binnenland. Allein 17 Arten (in noch mehr Unterarten) wurden bisher in NRW beobachtet. Einige sind bei uns Brutvögel.

Lachmöwen
Lachmöwen können große Trupps bilden
(© Hans Glader)

Die häufigste und vielleicht bekannteste Möwe im Binnenland ist die Lachmöwe. Im Winter kommen Gäste aus Osteuropa zu uns. Lachmöwen sind nicht nur an Flüssen, Seen und Kanälen zu sehen, sondern auch an Bahnhöfen, in Fußgängerzonen oder auf Schulhöfen auf der Suche nach einer Mahlzeit. In der Feldflur suchen sie wie viele andere Möwenarten auch gerne hinter einem Traktor, der den Boden bearbeitet, nach Regenwürmern, Engerlingen und anderen Wirbellosen. Auch als Brutvogel treten Lachmöwen bei uns an wenigen Stellen im Tiefland auf. Ihre Bestände sind langfristig zurückgegangen. Vereinzelt wie im Zwillbrocker Venn brüten auch Schwarzkopfmöwen zwischen den Lachmöwen, die ansonsten seltene Durchzügler sind.

Die archetypische Küstenmöwe ist die Silbermöwe. Sie ist die Art, die die meisten vom Nordseeurlaub kennen und die auch Eiscreme oder Pommes nicht verachtet. Auch diese Art kommt aber im Binnenland vor. An der Küste haben die Bestände jüngst deutlich abgenommen. Bei uns leben aber auch einige sehr ähnliche Möwenarten wie Mittelmeermöwe, Steppenmöwe und die Heringsmöwe. Von der Steppenmöwe gelang erst vor wenigen Jahren der erste sichere Brutnachweis in NRW. Alle vier Arten brüten wie Silbermöwen auf Kiesinseln, einige aber auch häufig auf Dächern – teilweise in Innenstädten, teilweise auf großen Industrie- und Logistikhallen. Sie sehen sich vor allem in den Jugendkleidern, teilweise aber auch als Altvögel, sehr ähnlich und die zu beachtenden Gefiederdetails stellen alle Beobachtenden vor Herausforderungen. Diese Möwen hybridisieren miteinander und wahrscheinlich betrifft ein wesentlicher Anteil der bei uns beobachteten Vögel mittlerweile Nachkommen unterschiedlicher Elternarten. Zum Glück gibt es in ornitho.de den Eintrag „Großmöwe, unbestimmt“ und es ist keine Schande, davon Gebrauch zu machen und diese Vögel im Zweifelsfall unbestimmt zu lassen. Und natürlich gibt es ja auch noch genügend andere Möwenarten, die sich leichter bestimmen lassen.

In der Größe zwischen Lach- und Silbermöwen sind Sturmmöwen angesiedelt, die ebenfalls auch als Brutvögel in NRW vorkommen. Alle anderen Möwenarten tauchen bei uns nicht als Brutvögel auf. Mantelmöwen sind die größte Möwenart und haben mindestens die Größe eines Bussards. Sie sind regelmäßige Wintergäste aber tauchen nur in kleiner Zahl auf und sind in NRW in ihrem Vorkommen auf wenige Orte wie z.B. den Unteren Niederrhein beschränkt. Auch Zwergmöwen tauchen zu den Zugzeiten, meist im April und August, bei uns auf. Sie picken Nahrung von der Wasseroberfläche auf und erinnern dabei recht stark an einige Seeschwalben.

Ringschnabelmöwe
Ringschnabelmöwe in Leverkusen-Hitdorf
(© Darius Stiels)

Die anderen bei uns festgestellten Möwenarten sind alle Ausnahmeerscheinungen. Beobachtungen sind große Glücksfälle, die bei unserer AviKom dokumentiert werden sollten. Eismöwe und Polarmöwe (inkl. der Kumlienmöwe) sind hocharktische Brutvögel. Manchmal tauchen sie im Winter unter anderen Möwen auf. Seitdem offene Mülldeponien der Vergangenheit angehören, wo viele Möwen Nahrung fanden, haben es nicht nur einige häufige Möwenarten schwieriger, auch Seltenheiten werden meist nicht mehr so oft entdeckt. Schwalbenmöwen sind ebenfalls hochnordische Brutvögel. Sie leben außerhalb der Brutzeit pelagisch, das heißt, sie sind Bewohner der offenen See – Beobachtungen im Binnenland sind entsprechend selten. Gleiches gilt für die Dreizehenmöwe, deren einziges deutsches Brutvorkommen auf Helgoland liegt. Bonapartemöwe, Präriemöwe, Ringschnabelmöwe und Aztekenmöwen sind Brutvögel Nordamerikas. Möwen können vergleichsweise alt werden und manche Individuen können über lange Zeit in Mitteleuropa beobachtet werden. Berühmt wurde eine „Atze“ getaufte Aztekenmöwe, aber auch bei der Ringschnabelmöwe gab bzw. gibt es wiederkehrende Individuen.

Wer helfen möchte, Möwen besser zu verstehen und etwas für ihren Schutz zu tun, kann selbst aktiv werden. Die Schlafplatzzählung der Möwen sucht ebenso wie die Brutbestandserfassung im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel weitere Aktive. Wenn Sie bisher nicht erfasste Brutkolonien oder Schlafgewässer kennen, sind diese Erfassungsprogramme genau das richtige für Sie. Möwen werden aber auch im Rahmen der Wasservogelzählung erfasst. Hier findet sich auch in Ihrer Nähe mit Sicherheit ein Zählgebiet.

Möwen sehen nicht alle gleich aus und verhalten sich auch keineswegs identisch und die Vielfalt in dieser Gruppe wird leicht unterschätzt. Die teilweise recht einfachen Beobachtungsmöglichkeiten machen sie zu beliebten Studienorganismen in der wissenschaftlichen Vogelkunde und auch unter Vogelbeobachtenden verdienen Möwen mehr Aufmerksamkeit.