Aktuelle Meldungen

28.02.2024

Vogelarten der Binnengewässer erfassen

Haubentaucher
Haubentaucher (© Hans Glader)

Seit einigen Jahren gibt es ein neu strukturiertes Monitoring seltener Brutvögel, das bundesweit vom DDA koordiniert wird und das wir in vielen Teilen auch in NRW umsetzen. Schon seit einiger Zeit gibt es die Module für Arten der Binnengewässer und der Röhrichte. Diese möchten wir auch in NRW verstärkt voranbringen. Wer Lust hat, mitzumachen, ist herzlich eingeladen, brütende Wasservögel zu kartieren.

Brutvögel der Binnengewässer sind aufgrund der punktuellen oder linearen Verteilung geeigneter Lebensraumelemente bei uns nicht flächendeckend verbreitet. Trends der Brutbestände sind daher vielfach nicht gut über Monitoringprogramme häufiger Brutvögel mit ihren zufälligen Untersuchungsgebieten zu bestimmen. Die Erfassung der Brutvögel der Binnengewässer soll deshalb über die möglichst vollständige (flächendeckende) Erfassung gezielt ausgewählter Zählgebiete erfolgen. Mögliche Flächen sind Binnengewässer aller Art oder deren Teilbereiche. Dazu zählen z.B. Teiche, Seen inklusive Abgrabungsgewässer, Kläranlagen, Rieselfelder oder Fließgewässer wie Bäche, größere Gräben, Flüsse bzw. deren Teilbereiche inklusive der Auengewässer. In NRW haben wir zudem zahlreiche Parkgewässer. Vielfach bieten sich Untersuchungsgebiete an, die auch bereits im Rahmen der Wasservogelzählung erfasst werden.

Mit dem Binnengewässermodul werden maximal 39 Vogelarten erfasst. Zielarten sind insbesondere typische Wasservogelarten wie Lappentaucher, Schwäne, Gänse, Enten, Rallen sowie typische Fließgewässerarten. Darüber hinaus umfasst das Artenset einige weitere Arten, die regelmäßig bei Erfassungen in Feuchtgebieten angetroffen werden. Optional existiert eine erweiterte Artenliste mit Röhrichtbrütern, die zusätzlich erfasst werden können, sofern der Lebensraum geeignet ist. Aufgrund der hohen Zahl an bearbeiteten Arten kommt diesem Monitoring-Modul eine hohe Bedeutung zur Erfassung bundesweiter Bestandstrends zu. Es gibt auch ein eigenes Modul für reine Schilfbestände  – beim Modul für Röhrichtbrüter erfolgt die Erfassung der Vögel entlang eines Transektes und nicht flächig. In NRW existiert aber wahrscheinlich nur eine begrenzte Zahl an geeigneten Röhrichtflächen.

Die Module sind in anspruchsvollen Gebieten vermutlich kein reines Einsteigerprogramm. Andererseits reicht es aus, die zu untersuchenden Arten sicher an Aussehen und Stimme zu erkennen. Bei großen Gewässern ist sicher ein Spektiv hilfreich, an Parkgewässern u.ä. reicht meist ein Fernglas. Der Kartierungszeitraum reicht von April bis Juni und umfasst drei Begehungen. Zusätzliche Nachtbegehungen für Rallen und Schwirle in geeigneten Lebensräumen sind optional. An Mittelgebirgsbächen können dagegen sogar zwei Begehungen ausreichen, da hier meist nur wenige Arten erfasst werden (Eisvogel, Gebirgsstelze, Wasseramsel)  – an artenärmeren Gewässern eignet sich das Modul also auch als idealer Einstieg in das Monitoring seltener Brutvögel. Das Modul ist zudem eine ideale Ergänzung zur Wasservogelzählung, da die Erfassungszeiträume nur wenig überlappen. Bitte beachten Sie, dass wie bei allen Programmen in Schutzgebieten entsprechende Verordnungen (kein Verlassen der Wege etc.) eingehalten werden müssen. Darüber hinaus ist es aber natürlich auch immer sinnvoll, sich mit lokalen Schutzgebietsbetreuern (oft Biologische Stationen) abzusprechen. Die Datenerfassung im Feld erfolgt bequem über eine spezielle Eingabemaske in der NaturaList-App oder daheim über ornitho.de. Eine ausführliche Einführung in das Modul und Links zum wichtigen Merkblatt, der Mitmachbörse (weitere Gebiete richten wir gerne ein) und allen Anleitungen finden sich gebündelt hier.

Bei Interesse oder Fragen helfen wir gerne (geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de). Wir freuen uns über Ihr Engagement!

 

 

26.02.2024

Erhaltungssituation und Schutzgebietsmanagement für Wiesenvögel in NRW – Bilanz und Perspektiven

Uferschnepfe
Uferschnepfe (© Hans Glader)

Wiesenvögel gehören zu den bedrohtesten Vogelgruppen in unserem Bundesland. Umso wichtiger ist es, ihren Status zu dokumentieren und Perspektiven für ihren Schutz aufzuzeigen. Michael Jöbges und sein Team aus der AG Wiesenvögel berichten ausführlich im aktuellen Charadrius.

Die AG Wiesenvögel fasst die Veröffentlichung folgendermaßen zusammen: Die Brutbestandsentwicklung sechs ausgewählter Wiesenvogelarten (Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Rotschenkel, Bekassine, Kiebitz und Braunkehlchen) seit 1975 in Nordrhein-Westfalen zeigt insgesamt einen negativen Trend. Bei vier dieser Arten (Uferschnepfe, Bekassine, Kiebitz und Braunkehlchen) liegt diese Abnahme über dem europaweiten Langzeittrend. Zwei Arten (Rotschenkel und Großer Brachvogel) weisen eine Abnahme auf, die niedriger liegt als der europaweite Langzeittrend. Seit den 1980er Jahren wurden in Nordrhein-Westfalen Artenschutzprogramme für diese Arten entwickelt und umgesetzt. Das Feuchtwiesenschutzprogramm ist seit damals tragende Säule dieser Schutzbemühungen. Vor allem die Umsetzung eines an die Ansprüche der Wiesenvögel angepassten Wassermanagements scheitert aber bis heute immer wieder an den Eigentumsverhältnisse. Bei der angepassten Bewirtschaftung derartiger Flächen helfen die Fördermöglichkeiten im Vertragsnaturschutz, stoßen aber aufgrund der Freiwilligkeit in vielen Fällen an ihre Grenzen. Durch die heimischen und neu ankommenden Beutegreifer verstärken sich diese negativen Einflüsse. Neben dem Lebensraumverlust kommt es daher auch in gut gemanagten Gebieten zur Abnahme der Reproduktionsraten. Seit wenigen Jahren wird dieser Entwicklung mit einer Einzäunung von Brutgebieten und in vielen Gebieten einem aktiven Prädatorenmanagement begegnet. Der Arbeitsaufwand lohnt sich, die Reproduktionsrate konnte in diesen Gebieten gesteigert werden. Für einen erfolgreichen Wiesenvogelschutz sind neben den abgeschlossenen und laufenden LIFE-Projekten weitere Maßnahmen erforderlich. Auf der Grundlage der EU-Biodiversitätsstrategie wurde in NRW bereits 2015 eine NRW-Biodiversitätsstrategie erarbeitet. Deren Zielsetzung für 2025 steht aufgrund der benannten Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Schutzprogramme in Frage. Der Grünlandschutz für Wiesenvögel lässt sich effektiv mit dem Klimaschutz verbinden. Die CO2-Speicherung in den Böden und die Verbesserung des Wasserhaushalts tragen positiv zu beiden Zielen bei. Nordrhein-Westfalen sollte sich nicht mit erreichten Zwischenständen zufriedengeben. Der Status quo bei den vier Wiesenvogelarten mit den stärksten Abnahmen sichert noch nicht deren langfristiges Überleben. Auch die beiden anderen Arten profitieren von einer aus Naturschutzsicht notwendigen Offensive zur Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen in den bereits unter Schutz gestellten Lebensräumen der Wiesenvogelarten. Ziel muss es sein, die Wiesenvogelbestände auf ein Niveau anzuheben, das ein langfristiges Überleben sichert.

Publikation:
Jöbges M, Beckers B, Brüning I, Frede M, Graf M, Härting C, Herkenrath P, Ikemeyer D, Klostermann S, Sudmann SR, Tecker A & Tüllinghoff R 2024. Erhaltungssituation und Schutzgebietsmanagement für Wiesenvögel – Bilanz und Perspektiven. Charadrius 60: 3–29.

Der Charadrius ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft bei der Geschäftsstelle bezogen werden.

 

 

21.04.2024

Seltene Brutvögel in NRW 2015–2020

Beutelmeise
Steht in NRW unmittelbar vor dem Aussterben: Beutelmeise (© Hans Glader)

Während manche Vogelarten in großer Zahl in Nordrhein-Westfalen brüten, sind andere ausgesprochen selten oder kommen als Koloniebrüter nur an wenigen Stellen vor. Für den Natur- und Artenschutz sind diese Vögel oft von herausragendem Interesse, für viele Vogelbeobachtende ist die Beobachtung dieser Arten zudem besonders reizvoll.

Michael Jöbges (LANUV) und Stefan Sudmann (NWO) haben parallel zur Veröffentlichung der Roten Liste der Brutvögel in NRW die verfügbaren Daten über die Bestände dieser seltenen Brutvögel zusammengetragen und die Ergebnisse im Charadrius veröffentlicht. Sie fassen ihre Ergebnisse so zusammen: Das Monitoring seltener Brutvögel in Nordrhein-Westfalen widmet sich den Vogelarten, die nach der „Roten Liste der gefährdeten Brutvogelarten in Nordrhein-Westfalen“ als selten, sehr selten bzw. extrem selten klassifiziert sind. Behandelt werden in diesem Bericht nur Brutvogelarten, deren Landesbestand unter 500 Brutpaare bzw. Reviere betrug. Traditionell werden zusätzlich auch die Koloniebrüter mit einbezogen, deren Bestand diesen Schwellenwert überschreitet. Insgesamt wurden damit 78 Vogelarten berücksichtigt. Bundesweit bedeutsam sind die Vorkommen von Uhu und Wanderfalke in Nordrhein-Westfalen. Im Berichtszeitraum 2015 bis 2020 wurden Schellente, Seeadler, Zwergsäger, Steppenmöwe, Brillengrasmücke, Löffler und Seidensänger als neue Brutvogelarten für Nordrhein-Westfalen dokumentiert. Erfreulicherweise konnten nach einer langen Phase der Abwesenheit Wiedehopf, Rohrdommel und Ringdrossel wieder als Brutvögel nachgewiesen werden. Dagegen stehen Westliches Haselhuhn, Beutelmeise und Tüpfelsumpfhuhn unmittelbar vor ihrem Aussterben in Nordrhein-Westfalen.

Publikation:
Jöbges M & Sudmann R 2021 (2023). Monitoring seltener Brutvögel und Koloniebrüter 2015–2020 in Nordrhein-Westfalen. Charadrius 57: 165–184.

Der Charadrius ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft bei der Geschäftsstelle bezogen werden.

 

 

19.02.2024

Neuer Charadrius erscheint in neuem Design

Charadrius
Charadrius im neuen Coverdesign. Titelbild: Braunkehlchen (© Michael Frede)

Das aktuelle erste Charadrius-Heft des Jahrgangs 2024 (Band 60, Heft 1) ist soeben erschienen. Es enthält vier längere und einen kürzeren Artikel. Außerdem sind die aktuellen NWO-Mitteilungen (Nr. 58) enthalten. Das Heft sollte in den nächsten Tagen bei unseren Mitgliedern ankommen.

Der Charadrius hat dabei ein ausführliches „Face-Lifting“ bekommen. Das Format ist größer als bisher, der Unterschied im Cover ist sofort ersichtlic,h aber auch im Heft erscheinen die einzelnen Artikel in einem überarbeiteten Layout. Das letzte größere Neudesign lag schon mehr als 25 Jahre zurück und es wurde Zeit, einigen Neuerungen Rechnung zu tragen. Letztlich ging es vielfach auch darum, Fotos besser zur Geltung kommen zu lassen. Mehr dazu im Editorial.

Inhaltlich beginnt der Charadrius mit einem ausführlichen Artikel zur Erhaltungssituation und zum Schutzgebietsmanagement für Wiesenvögel in Nordrhein-Westfalen. Das Autorenteam um Michael Jöbges kommt aus der gemeinsamen AG Wiesenvögel von LANUV, Biostationen und NWO. Das Team zieht Bilanz und nennt Perspektiven. Auch im zweiten Artikel bleibt es bei einem typischen Wiesen-, Weide- und Feldvogel. Der Kiebitz im Kreis Warendorf ist leider ein prominentes Beispiel für das global und auch vor unserer Haustür zu beobachtende Artensterben. Anuschka Tecker et al. fordern für den Kiebitz systemische Lösungen. Auch im dritten Beitrag geht es um Limikolen. Moritz Meinken et al. analysieren Rastvorkommen und Habitatwahl des Mornellregenpfeifers im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde im Jahr 2020. Über die Nutzung von Borkenkäferflächen im Nationalpark Eifel durch Baumpieper berichten danach Henrike Raabe et al. In einem Kurzbeitrag dokumentieren Stiels et al. abschließend die Beobachtung einer Zwergammer am Drachenfels.

Am Ende des Heftes finden sich Literaturbesprechungen mehrerer vogelkundlicher Bücher. Der aktuelle Charadrius enthält außerdem die NWO-Mitteilungen 58 mit vielen Rubriken, aktuellen Nachrichten und ausführlichen Berichten aus dem Verein, Arbeitsgruppen, Monitoring und Neuigkeiten aus der Vogelschutzwarte. Auch die Einladung zur Mitgliederversammlung und Jahrestagung ist enthalten. Die aktuellen NWO-Mitteilungen genauso wie ältere Ausgaben sind wie gewohnt auch hier frei als pdf-Datei verfügbar.

Der Charadrius ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft bei der Geschäftsstelle bezogen werden.

 

 

14.02.2024

Rote Liste verdeutlicht Naturkrise: Mehr als die Hälfte der Brutvogelarten in NRW ist bedroht

Die Situation der Vögel in Nordrhein-Westfalen hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Das zeigt die neue Rote Liste der Brutvögel unseres Bundeslandes, die jetzt von der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft e.V. (NWO) gemeinsam mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) herausgegeben worden ist. Hauptgefährdungsursachen sind menschliche Eingriffe, vor allem die intensive Landnutzung. Vögel landwirtschaftlich genutzter Flächen sind besonders bedroht, aber auch in anderen Lebensräumen ist die Situation besorgniserregend. Natur- und Artenschutzmaßnahmen müssen deutlich ausgebaut und intensiviert werden, um eine Trendumkehr zu erreichen und einen weiteren Verlust der biologischen Vielfalt zu verhindern.

In Nordrhein-Westfalen leben 190 heimische Brutvogelarten. Von diesen befinden sich 100 Arten (53 %) in einer Gefährdungskategorie der Roten Liste, 24 davon sind bereits ausgestorben und 23 sind vom Aussterben bedroht. Das sind netto sieben gefährdete Arten mehr als bei der letzten Roten Liste von 2016. Insgesamt wurden zwölf Arten in eine höhere Gefährdungskategorie eingestuft, neun wurden herabgestuft und vier wurden neu bewertet.

 

Welche Vögel sind gefährdet?

Rebhuhn
Rebhuhn (© Hans Glader)

Gefährdet sind vor allem Vögel des Offenlandes, d.h. Vogelarten landwirtschaftlicher Flächen und Vögel sogenannter Sonderstandorte wie Heiden und Moore. Auf der Roten Liste finden sich Feldvögel wie Rebhuhn („stark gefährdet“), Wiesenweihe („vom Aussterben bedroht“), Feldlerche („gefährdet“) und Feldsperling („gefährdet“). Auch der Vogel des Jahres 2024, der Kiebitz, weist starke Bestandsrückgänge auf und gilt deshalb als „stark gefährdet“. Besonders kritisch ist die Situation bei Vögeln feuchter Wiesen, Weiden und Moore: Bekassine, Uferschnepfe, Braunkehlchen und andere sind vom Aussterben bedroht. Anhaltend besorgniserregend ist die Situation bei Vögeln der Seen und Flüsse. Schilfbewohner wie Wasserralle („stark gefährdet“) oder Blaukehlchen („gefährdet“) zeugen davon. Etwas besser sieht es bei einigen Arten des Siedlungsraumes aus, wobei es auch hier negative Entwicklungen gibt, z.B. bei Vögeln, die an Gebäuden brüten wie den Insekten jagenden Schwalben. Die Vogelarten der Wälder zeigen Zu- und Abnahmen. Das Haselhuhn, eine Art der Urwälder oder historisch genutzten Niederwälder, steht akut vor dem Aussterben. Und weil es andernorts ähnlich aussieht, wird die lokale Unterart, das Westliche oder Rheinische Haselhuhn, wohl auch global aussterben. Langfristig positive Entwicklungen gab es dagegen bei einigen Großvögeln – bekannte Vogelarten wie Kranich, Weißstorch, Uhu und Wanderfalke gelten bereits seit einigen Jahren wieder als ungefährdet. Nach jüngsten Bestandszunahmen konnte auch der Haussperling aus der Roten Liste entlassen werden, auch wenn die Population sehr viel niedriger ist als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Auffällig ist, dass die Situation vor allem bei ehemaligen sogenannten „Allerweltsarten“ bedrohlich ist. Diese haben jedoch oft eine besonders wichtige Rolle in Ökosystemen. Positive Entwicklungen sehen wir fast nur noch bei einigen Generalisten, die sich in einer stark von intensiver menschlicher Nutzung überformten Landschaft zurechtfinden“, so einer der Autoren, Michael Schmitz von der NWO.

 

Woran liegt es?

Wasserralle
Wasserralle (© Michael Schmitz)

Die Ursachen für die negativen Bestandsentwicklungen sind fast ausnahmslos seit Langem bekannt und dokumentiert: An erster Stelle steht der Verlust natürlicher bzw. naturnaher Lebensräume durch einen fortschreitenden Landnutzungswandel. Eine wichtige Rolle spielt die intensive Landwirtschaft mit dem Verlust von Rückzugsgebieten wie Brachflächen und dem intensiven Einsatz von Bioziden und Kunstdüngern, der Verlust der Nahrung (Insekten u.a. Wirbellose), bauliche Maßnahmen und Infrastruktur z.B. im Rahmen der Energiewende, Störungen durch Freizeitnutzung, direkte Verfolgung im Brut-, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet und Prädation (z.B. durch invasive Arten).

Erstmals macht sich auch der Klimawandel mehr als deutlich in der Roten Liste bemerkbar. Für zehn Arten mussten im Zuge wiederkehrender Dürren sogenannte Risikofaktoren vergeben werden. Ihre Lebensräume trocknen aus und feuchtere Phasen bringen nur kurzfristige Besserung.

Klimakrise und Artenkrise sind eng miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig. Notwendige Transformationsprozesse im Energie-, Mobilitäts- und Agrarbereich bieten die Möglichkeit, beide Krisen gleichzeitig anzugehen, Natur- und Vogelschutz darf aber nicht auf der Strecke bleiben“, so Klaus Nottmeyer, Vorsitzender der NWO und Mitautor der Roten Liste.

 

Was muss getan werden?

Mehlschwalbe
Mehlschwalbe (© Michael Schmitz)

Der Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Oliver Krischer, schreibt in seinem Vorwort: „Rote Listen zeigen faktenreich und basierend auf jahrzehntelanger Analyse auf, dass wir unseren Einsatz für Natur- und Artenschutz deutlich erhöhen müssen und bei allen Nutzungen unserer Landschaft mitdenken müssen.“ Die konkreten Handlungserfordernisse und ihre Wirksamkeit sind eingehend erforscht. Maßnahmen sind sowohl in Schutzgebieten als auch außerhalb in der sogenannten Normallandschaft erforderlich. In der Landwirtschaft benötigen wir eine Reduktion von Düngemitteln und Bioziden, bestehende Agrarumweltmaßnahmen im Bereich des Vertragsnaturschutzes müssen ausgebaut werden. Wir brauchen mehr Brachen in der Landschaft. Im Wald können Wildnisgebiete, aber auch Programme zur Förderung wichtiger Lebensraumstrukturen (z.B. Altholzinseln) helfen. Gewässer müssen großräumig renaturiert werden – lebendige Auen, Kleingewässer und Röhrichte sind nicht nur Hochwasserschutz und Klimaanpassungsmaßnahme, sondern auch essentiell für den Erhalt der Artenvielfalt. Im Siedlungsraum ist der Erhalt und die Neuschaffung von Brutplätzen und Lebensraumstrukturen, z.B. bei der energetischen Gebäudesanierung, entscheidend. Bei der Planung von Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien ist eine besondere Berücksichtigung des Artenschutzes unabdingbar. Naturschutzgebiete und das NATURA-2000-Netzwerk müssen frei von Anlagen bleiben.

Einige dieser Maßnahmen werden in Teilen bereits umgesetzt. So gelang es immerhin, das einst häufige Braunkehlchen vorerst vor dem Aussterben zu bewahren und den Lebensraum des kleinen Restbestandes zu sichern. Geplante Maßnahmen für Feuchtwiesenarten können zumindest lokal positive Auswirkungen auf gefährdete Enten und Watvögel haben. Beschlossene und rechtlich gebotene Maßnahmen in den Schutzgebieten müssen aber endlich konsequent umgesetzt werden. Zudem muss die Schutzgebietskulisse vor dem Hintergrund des Ziels der EU, 30 % der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, auch in NRW deutlich erweitert werden.

Die bisherigen Erfolge im Vogelschutz in NRW zeigen, dass eine Trendwende durchaus möglich ist, wenn die in der Roten Liste genannten Handlungserfordernisse befolgt werden“, so Stefan Sudmann von der NWO.

Die Rote Liste der Brutvögel fußt maßgeblich auf großem behördlichem und ehrenamtlichem Engagement. Um auch zukünftig den Zustand der Vogelwelt fachkundig beurteilen zu können, ist nicht zuletzt auch ein weiterer Ausbau des Vogelmonitorings in NRW notwendig.

 

Originalveröffentlichung

Sudmann, S.R., Schmitz, M., Grüneberg, C., Herkenrath, P., Jöbges, M.M., Mika, T., Nottmeyer, K., Schidelko, K., Schubert, W. & Stiels, D. 2023. Rote Liste der Brutvogelarten Nordrhein-Westfalens, 7. Fassung, Stand: Dezember 2021. Chararius 57: 75–130.

Direkter pdf-Download (ca. 7.6 Mb)

Sudmann et al 2023 Rote Liste Brutvögel NRW 2021

Pressemitteilung der NWO zur neuen Roten Liste

 

 

06.02.2024

Start in die Spechtsaison 2024

Schwarzspecht
Schwarzspechte leben oft in alten Wäldern
(© Hans Glader)

Kaum eine Vogelgruppe ist so eng mit Wäldern verbunden wie die Spechte. Sie sind Indikatorarten für den Zustand dieses Lebensraums und als Baumeister des Waldes schaffen sie Brutplätze für viele andere Organismen, von Vögeln über Fledermäuse bis hin zu vielen Arthropoden. Ihr Hunger auf holzbewohnende Larven sorgt zudem dafür, dass sie eine weitere wichtige Rolle als Insektenfresser im Ökosystem Wald innehaben. Spechte haben nicht zuletzt oft faszinierende Lautäußerungen (Trommeln) und sind auch äußerlich echte Hingucker.

Umso wichtiger ist es, die Veränderungen im Bestand bei dieser Vogelgruppe möglichst genau zu überwachen. Aufgrund ihrer großen Reviere ist das aber über die normalen Standarderfassungsprogramme für häufige Arten gar nicht so einfach und mit möglichen Fehlern verbunden. Aus diesem Grund gibt es ein spezielles Spechtmonitoring. Die Erfassungen laufen als Modul des Monitorings seltener Brutvögel des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten und werden in NRW durch die NWO organisiert. Das Modul ist wenig aufwändig und erfordert lediglich zwei frühmorgendliche Begehungen in bestimmten Zeiträumen und in geeignetem Lebensraum, wobei eine Klangattrappe (ein Handy und ein Lautsprecher sind notwendig) eingesetzt wird. Feste Routen und Erfassungspunkte können unter Beachtung einiger kleiner Vorgaben selbst gewählt werden! Voraussetzung zum Mitmachen ist lediglich eine gute Kenntnis der heimischen Spechtarten inklusive ihrer Lautäußerungen. Routen sollten dabei nach Möglichkeit langfristig (d.h. über mehrere Jahre) erfasst werden. Bisher weist unser Routennetz in NRW noch Lücken auf: In der Mitmachbörse können Sie sich informieren, wo bereits gezählt wird. Zwar gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine freien Routen, aber fast überall wo aktuell im Umfeld keine Routen sind, besteht natürlich grundsätzlich Bedarf.

Wir würden uns daher sehr freuen, wenn Sie Lust haben, mitzumachen. Mit Ihrer Hilfe können wir Trends bei dieser Vogelgruppe bestimmen und wichtige Wissenslücken schließen.

Alle Details zum Programm inklusive einem Merkblatt sowie genaue Anleitungen zur Methodik in ornitho.de oder der NaturaList-App finden Sie hier. Um mitzumachen, bitten wir Sie, sich vor dem Start unbedingt per Mail an unsere Ansprechpartner zu wenden. Diese richten gerne gemeinsam mit Ihnen eine Route ein und beantworten alle vorhandenen Fragen. Die neue Saison startet bereits am 21. Februar!

ps: Für alle, die schon dabei sind, gibt es hier noch ein paar aktuelle Informationen.

 

 

24.01.2024

DO-G-Gänsetagung in Lauenburg

DO-G FG Gänse
Christine Kowallik präsentiert die monatlichen Gänsezählungen aus NRW (© H. Kruckenberg)
Blässgänse
Blässgänse (© Hans Glader)

Die Fachgruppe Gänseökologie der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft und der Dachverband Deutscher Avifaunisten haben sich am Wochenende 19.01. bis 21.01.2024 in Lauenburg an der Elbe zur Gänsetagung getroffen.

Gut 50 Teilnehmende konnten sich in 20 Vorträgen über Bestände, Verbreitung und Verhalten von Gänsen und Schwänen sowie Untersuchungs- und Auswertungsmethoden informieren. Die NWO war mit der Arbeitsgruppe Gänse vertreten, die die Ergebnisse der aktuellen Gänse- und Schwanenzählungen der letzten Winter vorstellte. Auf einer Exkursion am Samstagnachmittag in die Elbtalaue konnten unter anderem Bläss- und Tundrasaatgänse sowie – für Ornis aus Nordrhein-Westfalen viel spannender – Sing und Zwergschwäne beoabchtet werden, aber auch mehrere Seeadler.

 

 

 

 

 

18.01.2024

NWO-Fortbildung: Bestimmung und Kartierung von Greifvögeln

Mäusebussard
Mäusebussard (© Hans Glader)

Greifvögel sind eine faszinierende und für die Naturschutzpraxis hoch relevante Vogelgruppe. Leider ist ihre Bestimmung nicht immer einfach und ihre Erfassung wird durch die versteckte Lebensweise im Brutrevier erschwert. Mit diesem Seminarangebot möchte die NWO ihren Mitgliedern und weiteren Interessierten helfen, diese Schwierigkeiten zu überwinden und sich mehr mit diesen Vögeln zu beschäftigen.

Die Veranstaltung findet am Sonntag, den 24. März 2024 von 10:00 bis 17:00 in der Biologischen Station der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz Soest (ABU) statt (Adresse: Bad Sassendorf Lohne, Teichstraße 19). Am Vormittag werden in einem Vortrag Bestimmung und Lebensweise der Arten erläutert, am Nachmittag werden die Kenntnisse auf einer Exkursion in das VSG Hellwegbörde vertieft.

Geleitet wird das Seminar von Jens Brune, Leiter der AG Greifvögel, und von Patrick Hundorf von der ABU. Die Teilnahmegebühr beträgt 30,00 € (incl. Imbiss und Pausengetränke) und ist während der Veranstaltung bar zu entrichten. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Mitglieder der NWO haben bei der Anmeldung Vorrang.

 

Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung per E-Mail mit Angaben von Nachname, Vorname, NWO-Mitgliedschaft, Wohnort und Mailadresse (ggf. Tel.-Nr.) bis zum 17. März 2024 bei Jens Brune, Tel. 0173-9726827 (wochentags).