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Aktuelle Meldungen
16.07.2026
ADEBAR 2: Wo sind eigentlich die Feldsperlinge?
Das Schöne an der ADEBAR Kartierung ist, dass man praktisch gezwungen ist, auch mal in der „Normallandschaft“ zu kartieren und nicht einfach wie alle anderen zur Beobachtungshütte ins nächste Feuchtgebiet zu fahren. Das schärft den Blick für die kleinen Besonderheiten in der unmittelbaren Umgebung. Anstatt darauf zu hoffen, dass gefühlt 73te Foto von derselben Knäk- oder Moorente zu machen, hat man Gelegenheit, sich mit den unscheinbaren Arten der Kulturlandschaft zu beschäftigen, die man sonst oft einfach „abhakt“.
Bei meinen ADEBAR 2 - Rundgängen in den Dörfern der Hellwegbörde war in diesem Jahr das ganze Spektrum der Avifauna der Dörfer erfreulich gut vertreten. Dies reichte von Türkentaube über Grauschnäpper und beiden Schwalbenarten bis zu Hausrotschwanz und Bluthänfling. Besonders auffällig waren noch viele Stare, und auf fast jedem Kamin rief eine Dohle. Auch Haussperlinge waren recht häufig anzutreffen. Dagegen scheint der Feldsperling nahezu vollständig aus der Landschaft verschwunden zu sein: jedenfalls hatte ich Mühe, die Art auf den drei von mir bearbeiteten Quadranten nachzuweisen. Erst gegen Ende der Saison ist es mir schließlich doch noch gelungen, an einer der für diese Region typischen Obstbaumalleen entlang der grünen Feldwege kurz vor meiner Haustür einige Bruten zu finden.
Der Feldsperling war noch vor wenigen Jahren in der Hellwegbörde regelmäßig und weitverbreitet anzutreffen. Bei der letzten ADEBAR Kartierung für den Zeitraum 2005 bis 2009 wurden für die drei Quadranten mit typischer Bördelandschaft noch mehr als 50 bzw. zweimal mehr als 150 Reviere angegeben. Für die Rheinische Börde wies Michael Kuhn schon vor einigen Jahren in einem bemerkenswerten Charadrius-Artikel auf den dramatischen Bestandsrückgang der Art hin. Lokal führte dieser Trend zum vollständigen lokalen Verschwinden wie eine Studie der OAG Bonn dokumentiert. Auch bundesweit sind die Bestände des Feldsperlings nach den Daten des Monitorings häufiger Brutvögel erheblich zurückgegangen. Die Ursachen für diese drastische Entwicklung werden zurzeit erforscht. Vermutet werden u.a. Pestizide, Krankheiten oder Nahrungsmangel zur Brutzeit oder im Winterhalbjahr. Ein einzelner, entscheidender Faktor ließ sich aber bislang nicht identifizieren. Die Rückgänge gerade bei den Feldvögeln sind sicher nur durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren zu verstehen. Klar ist aber, dass diese Arten von Maßnahmen zur Aufwertung der Agrarlandschaft profitieren.
Dieses kleine Beispiel zeigt, dass die für ADEBAR 2 erhobenen Daten eine unverzichtbare Grundlage für die Argumentation im Vogelschutz sein werden. Nur durch die wiederholte Erfassung aller, auch der sogenannten Allerweltsarten, können wir bemerken, wie deren Bestände sich verändern. Die Auswertung der kartierten Daten gibt Einblicke in die Dynamik der Brutvogelbestände in der eigenen Umgebung, aber auch landes- und bundesweit. Es wird sicher spannend, das Kommen und Gehen der Arten auch auf dem eigenen Quadranten verfolgen zu können: Helfen sie mit!
Ralf Joest (joest@nw-ornithologen.de)
15.07.2026
ADEBAR Titelbild – Wettbewerb wird verlängert
Ob Zeichnung, Gemälde oder Collage – unser Dachverband, der DDA, freut sich jeden Tag über neue, spannende Einsendungen für das Titelbild des neuen ADEBAR. Allerdings kamen Rückmeldungen, dass der Bearbeitungszeitraum für viele Vogelbegeisterte und Kartierende eine besondere Herausforderung war, da er mitten in der intensiven Brutzeit lag.
Der Wettbewerb wird daher um zwei Monate verlängert und läuft nun noch bis zum 30. September 2026. Die Bekanntgabe des Gewinner:innen-Bildes wird dann auf den 15. November verschoben.
Faire Chance für alle: Auch wer bereits ein Bild eingereicht hat, kann die zusätzliche Zeit natürlich nutzen, um noch den ein oder anderen Pinselstrich zu korrigieren oder das eigene Werk auszuarbeiten. Schicken Sie dazu einfach eine Mail an adebar.wettbewerb@dda-web.de mit dem Hinweis, dass Sie bereits ein Bild ins Rennen geschickt haben und wir die neuere Version berücksichtigen sollen.
Den DDA erreichen außerdem immer wieder Fragen zu geeigneten Vorlagen. Ein passendes Bild zu finden, ist oft nicht ganz leicht, denn auch die Nutzungsrechte müssen geklärt sein. Wenn Sie Unterstützung bei der Suche nach entsprechendem Material benötigen, melden Sie sich ebenfalls gerne unter adebar.wettbewerb@dda-web.de.
Hintergründe zur Suche nach einem ADEBAR-Titelbild finden Sie hier.
08.07.2026
Ein gutes Wachteljahr? Hinweise zur gezielten Suche
Wachteln haben eine faszinierende Brutbiologie, Bestände können zwischen einzelnen Jahren stark schwanken und die Vögel entziehen sich aufgrund ihrer komplexen Brutbiologie oft klassischen Erfassungsprogrammen. Dank ornitho.de und den Erfassungen für ADEBAR 2 gibt es jedoch vorsichtige erste Hinweise auf ein gutes Wachteljahr 2026.
Vogelbeobachtende bekommen Wachteln aufgrund ihrer heimlichen Lebensweise meist nur selten zu Gesicht. Sie sind typische Feldvögel, die in Getreideäckern, Brachen und in nicht zu nassem Grünland leben. Sie kommen vom Tiefland bis ins Gebirge vor. Wie bei nahezu allen Feldvögeln haben ihre Bestände langfristig abgenommen. Ihr typischer Gesang „pick-per-wick“ wurde früher von der Landbevölkerung oft als „Bück-den-Rück“ interpretiert. Wachteln singen oft nachts und werden daher bei Tagesexkursionen nicht selten übersehen bzw. überhört. Um Wachteln nachzuweisen, sind daher Nachtexkursionen besonders hilfreich. Wachteln sind die einzigen Langstreckenzieher unter den heimischen Hühnervögeln. Sie überwintern in Afrika südlich der Sahara. Leider sind sie auf dem Zug häufig Opfer von menschlicher Verfolgung.
Während erste Wachteln bereits im April bei uns erscheinen, kommen andere Individuen erst spät im Jahr in ihren mitteleuropäischen Brutgebieten an, teilweise erst im Juni. Wahrscheinlich haben einige dieser Wachteln zuvor bereits im Mittelmeerraum gebrütet. Auch werden Jungvögel sehr schnell geschlechtsreif und können wohl bereits im selben Jahr brüten. Wachteln fliegen je nach Bedingungen in Südeuropa also in unterschiedlichem Maß nach Mitteleuropa ein. Solche Einflüge nach Mitteleuropa gibt es sonst auch bei einigen seltenen Gastvögeln und Ausnahmeerscheinungen, sind aber auch von anderen Artengruppen außer Vögeln bekannt. So scheint es 2026 auch einen Einflug von Distelfaltern nach Westeuropa zu geben. Die Ursachen müssen aber natürlich nicht kausal zusammenhängen.
Durch Beobachtungen in ornitho.de lässt sich die Verbreitung der Wachteln mittlerweile recht gut abbilden. Daten aus einem einzelnen Jahr geben dabei allerdings nur grobe Anhaltspunkte. In der gezeigten ornitho-Karte sind beispielsweise auch Doppelmeldungen enthalten. Durch Mahd und Trockenheit verlagern sich die Vorkommen und Männchen verbleiben nur kurz im Brutgebiet, bevor sie an anderer Stelle erneut balzen. Wachteln wurden 2026 fast überall in NRW festgestellt. Bisher gab es 837 Wachtelmeldungen aus NRW mit einem Brutzeitcode (die Art tritt auch als nächtlicher Durchzügler auf und Rufe können dann sogar über Städten gehört werden, ohne dass die Vögel dort rasten oder gar brüten). Im letzten Jahr waren es zur selben Zeit lediglich 675 Meldungen. Durch ADEBAR 2 hat sich die Beobachtungs- und Meldeaktivität vielerorts gesteigert und auch aus den anderen genannten Gründen kann anhand dieser Zahlen noch nicht auf eine genaue kurzfristige Bestandsentwicklung geschlossen werden. Die Zahlen geben aber zumindest einen allerersten Hinweis auf ein stärkeres Auftreten als im letzten Jahr. Auffälligere Nachweislücken gibt es noch in einigen Bereichen der Westfälischen Bucht, in kleineren Bereichen des Niederrheins und im Sieger- und Sauerland. Gebiete ohne aktuellen Nachweis liegen aber zumindest teilweise auch in relativ dünn besiedelten Gebieten, in denen die Meldeaktivität geringer ist, so dass ein tatsächliches Fehlen nicht unbedingt anzunehmen ist. Schwerpunkte der Meldungen sind allerdings die fruchtbaren und ackerreichen Börden, was durchaus den Erwartungen entspricht, aber auch hier wurden wahrscheinlich noch Wachteln übersehen.
Auch wenn für viele andere Arten die Brutzeit bereits vorbei ist, kann es sich in den nächsten zwei Wochen noch lohnen, gezielt nach Wachteln zu suchen. Mit vorsichtigem und standardisiertem Klangattrappeneinsatz kann die Nachweiswahrscheinlichkeit gesteigert werden. Auch Zufallsmeldungen helfen, die Verbreitung dieser Art besser zu verstehen. Konkrete Tipps zur Erfassung, auch mithilfe von Klangattrappen, geben die artspezifischen ADEBAR-Hinweise. Wir sind optimistisch, mit Abschluss von ADEBAR 2 einen besseren Einblick in Vorkommen und Bestände dieses ungewöhnlichen Feldvogels zu bekommen.
08.07.2026
Bundesweites Feedback zum Saatkrähenmonitoring
In NRW werden seit mehreren Jahrzehnten Saatkrähen erfasst. Bundesweit gibt es das Saatkrähenmodul im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel seit 2019. Nun liegen bereits vorläufige Ergebnisse für die diesjährige Saison des MsB vor.
Bundesweit sind 1798 Kolonien in der Kulisse. Auch in NRW sind mittlerweile 331 Gebiete digital hinterlegt und 124 vergeben, damit hat es einen deutlichen Fortschritt beim Übergang in die digitale Datenerhebung gegeben. Bundesweit wird die erfreuliche Entwicklung in NRW im nun erschienenen Feedback-Bericht hervorgehoben. Das Saatkrähenmodul wird in NRW dankenswerterweise von der Vogelschutzwarte im LANUK koordiniert.
Erfeulicherweise ist der bundesweite Datenrücklauf dieses Jahr zu dieser Zeit bereits höher als letztes Jahr. Mit einer Zeitreihe von acht Jahren sind nun auch erste vorläufige Auswertungen möglich. Überregional kam es zu einer Zunahme des Bestandsindexes, der auch in allen Großregionen Deutschlands einigermaßen gleichmäßig zu sein scheint. Lokal kann es jedoch auch unterschiedlich aussehen. Vielerorts kommt es zu Vergrämungen der Vögel.
Bundesweit gibt es acht Zählgebiete mit mehr als 1.000 Nestern, davon eine auch in NRW. Die größte „Kolonie“ (einzelne Zählgebiete können aus mehreren Teilkolonien bestehen) befindet sich mit 2.401 Nestern in Schleswig-Holstein.
Weitere Informationen, Kontakte und Mitmachmöglichkeiten gibt es hier. Der vollständige Feedback-Bericht ist hier als pdf verfügbar.
06.07.2026
Bundesweites Feedback zum Graureihermonitoring
Graureiher gehören zu den bekanntesten Brutvogelarten unseres Landes. Nun liegen vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) erste bundesweite Ergebnisse aus der Monitoringsaison 2026 vor.
Seit 2019 werden die bundesweiten Brutbestände des Graureihers im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel erfasst. Die Datenübermittlung via ornitho.de und NaturaList-App erlaubt vergleichsweise schnell nach der Saison erste vorläufige Analysen. Der Datenrücklauf ist allerdings noch nicht abgeschlossen und Kartierende werden gebeten, eventuell noch fehlende Daten nachzumelden. Bisher deutet sich an, dass 2026 wie auch das Vorjahr ein eher schlechtes Graureiherjahr war. Der Bestandsindex ist leicht gesunken. Negativ scheint die Bestandsentwicklung vor allem im Osten und Norden Deutschlands.
Das digitale Monitoring hat auch zu einer Verbesserung der Datenqualität geführt. Auch die Liste der erfassten Gebiete ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen und das MsB ist in allen Bundesländern aktiv. Kombinationen mit früheren Daten sind mittlerweile möglich und erste Bestandstrends zeigen die großräumige Entwicklung seit nunmehr fast 50 Jahren. Alle Details lassen sich im Feedback-Bericht des DDA nachlesen.
Das Monitoring des Graureihers wird in NRW von der Vogelschutzwarte im LANUK koordiniert. Weitere Informationen, Kontakte und Mitmachmöglichkeiten beim Graureihermodul gibt es hier. Der vollständige Feedback-Bericht ist hier als pdf verfügbar.
25.06.2026
Flussseeschwalben trotzen Starkregen und Hitze
Barbara C. Meyer und Stefan R. Sudmann kümmern sich seit Jahrzehnten erfolgreich um den Schutz der bedrohten Flusssseeschwalbe. Die eleganten Fischjäger brüten ursprünglich an naturbelassenen Flüssen und Strömen mit ungestörten Kiesbänken. Da diese Lebensräume im mitteleuropäischen Binnenland nahezu verschwunden sind, bieten künstliche Flöße einen geeigneten Ersatzlebensraum. Nun können die beiden Biologen von einem neuen Erfolgserlebnis berichten.
Bei der Kontrolle der Brutflöße am Niederrhein im Rahmen des vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) unterstützten NRW-weiten Monitorings wurden bislang mehr als 180 Brutpaare festgestellt. Nur 2017 waren es mit knapp 200 Paaren mehr. Besonders erfreulich ist, dass trotz der Starkregen während der Schlupfphase und der momentanen Hitze nur wenige Küken gestorben sind. Deshalb tummeln sich nun auf vielen Brutflößen die kleinen Seeschwaben. Von den Eltern werden sie mit Fischen (kühlt von innen) und Wasser im Gefieder (kühlt von außen) versorgt. Ein toller Erfolg, der durch die Unterstützung verschiedener Kiesfirmen, der Biologischen Station im Kreis Wesel und Privatpersonen möglich wurde. “
Barbara C. Meyer & Stefan R. Sudmann
24.06.2026
Rückblick auf die NWO-Exkursion am 20. Juni ins Westmünsterland
Unsere diesjährige Exkursion führte uns ins Westmünsterland. Hier liegen mit dem Zwillbrocker Venn und den Amtsvennwiesen zwei der wichtigsten Schutzgebiete in NRW für Vogelarten der Moore und Feuchtwiesen. Geleitet wurde die Exkursion von einem Team der Biologischen Station Zwillbrock.
Etwa 30 Vogelbegeisterte trafen sich am Samstagvormittag bei sonnigem und heißem Wetter am Parkplatz im kleinen Ort Zwillbrock im Kreis Borken. Wir befinden uns hier im äußersten Westen des Münsterlandes – die Grenze zu den Niederlanden ist oft nur einen Steinwurf entfernt. Zum anderen befinden wir uns hier am Südwestrand der europäischen Verbreitung der Tiefland-Hochmoore. Beides hat dazu beigetragen, dass sich hier im Zwillbrocker Venn eine in NRW nahezu einzigartige Landschaft entwickelt hat und zumindest in vielen Teilen auch erhalten hat. Als in den 1970er Jahren wie andernorts auch die Flurbereinigung stattgefunden hat, konnten glücklicherweise größere Flächen in öffentlicher Hand unter Schutz gestellt werden. Teile des Gebietes wurden bereits im Jahr 1938 unter Schutz gestellt. Das Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn ist eine abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, Wiesen, Moor und Gewässern. Herz des Gebietes und auch bei der Exkursion erstes Ziel ist aber sicherlich das große Flachgewässer. Es entstand nach Ende des Torfabbaus. Auch wenn die Brutzeit schon fortgeschritten war, konnten wir die vielfältige Vogelwelt des Gebietes hautnah erleben. Mehrere Personen hatten Spektive dabei und die verschiedenen Beobachtungsplätze, darunter eine Beobachtungshütte und auch ein Bereich, der nur ausnahmsweise in Begleitung der Biostationsmitarbeitenden zugänglich war, bot ausgezeichnete Beobachtungsbedingungen, ohne die Vögel zu stören. Wir hörten Pirol und Teichrohrsänger und Kraniche flogen vorbei, berühmt ist das Zwillbrocker Venn aber natürlich vor allem für seine Flamingos. Dieses Jahr gab es wieder zahlreiche Nester und einige Jungvögel waren bereits groß genug, um sich in kleinen „Kindergärten“ zusammenzuschließen. Seit 1982 gibt es Flamingos im Zwillbrocker Venn. Die Population besteht aus den aus Südamerika stammenden Chileflamingos, die erstmals 1982 festgestellt wurden. Eine Zeit lang gab es auch zwei Kubaflamingos. Daneben gibt es auch Rosaflamingos, die u.a. in Südeuropa heimisch sind. Die Vögel sind nur im Sommerhalbjahr anwesend, im August/September erfolgt der Abzug in die Winterquartiere an der niederländischen Küste. Das ursprünglich nährstoffarme Gewässer wurde wahrscheinlich erst durch die Ansiedlung einer Schlüsselart für die Flamingos als Brutgewässer interessant. Auch wenn ihre Zahl mittlerweile wieder abgenommen hat, brüten im Zwillbrocker Venn immer noch Tausende Lachmöwen! Ihre Hinterlassenschaften haben den ursprünglich nährstoffarmen Moorsee in ein deutlich eutropheres Gewässer verwandelt, das mehr Nahrung für die Flamingos bietet. Die Möwen finden wie die Flamingos auch Schutz vor Landraubtieren auf einer Insel. Unter die Lachmöwen mischen sich außerdem einzelne Paare Schwarzkopfmöwen, eine früher vor allem in Süd- und Südosteuropa beheimatete Möwenart, die sich ohne direktes menschliches Zutun nach Mitteleuropa ausgebreitet hat. In NRW sind die Vögel mit den im Prachtkleid schwarzen Köpfen und den weißen Flügeln nur an wenigen Stellen zuverlässig zu beobachten. Eine weitere Art, die von der Anwesenheit der Möwen profitiert, ist der Schwarzhalstaucher, von denen mehrere Paare im Gebiet brüten. Wir konnten mehrere Individuen inkl. Nachwuchs dieses attraktiven und bei uns seltenen Wasservogels beobachten. Gefährdet ist das Gebiet durch den Klimawandel – in den letzten Jahren trocknete der See teilweise aus.
Zur Mittgaszeit kehrten wir dann in ein nahegelegenes Restaurant ein. Draußen im Biergarten an zwei großen Tischen im Schatten gab es die verdiente Stärkung. Am Nachmittag stand der zweite Teil der Exkursion auf dem Programm. Mit dem Auto ging es zu den weiter nördlich gelegenen Amtsvennwiesen – eines der bedeutendsten Gebiete für Wiesenvögel in NRW. Das Amtsvenn ist ein auf deutscher Seite insgesamt etwa 9 km² großes Moorgebiet entlang der Grenze, das sich als Aamsveen auf niederländischer Seite fortsetzt. Das Gebiet wurde erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch eine Straße wirklich erschlossen. Bis in die 1970er Jahre erfolgte Torfabbau. Seit 1983 steht das Kerngebiet des Amtsvenns unter Schutz, 2004 erfolgte eine Erweiterung und Zusammenlegung vorheriger Schutzgebiete als 893 ha großes Naturschutzgebiet Amtsvenn-Hündfelder Moor. Wie auch das Zwillbrocker Venn ist das Amtsvenn Teil des Vogelschutzgebietes „Moore und Heiden des westlichen Münsterlandes“. Im Rahmen des Projektes LIFE-Wiesenvögel-NRW finden seit 2021 dort dankenswerterweise viele Maßnahmen statt, um das Gebiet als bedeutenden Brutlebensraum für diese hochbedrohte Vogelgruppe zu erhalten und zu verbessern: Blänken wurden angelegt und Gehölze entfernt, um das Gebiet für Offenlandbewohner attraktiv zu erhalten. Hinzu kommen mittlerweile 9 km Zaun sowie eine intensivere Bejagung von Prädatoren. Das Gebiet beherbergt landesweite Schwerpunktvorkommen vom Großen Brachvogel und der Uferschnepfe, die mit jeweils knapp 20 Paaren hier brüten. Auch Kiebitze brüten – ihre Bestände sind mehr als doppelt so groß. Für alle drei Arten war dieses Jahr bisher erfolgreich – zahlreiche Jungvögel wurden flügge. Vor dem Hintergrund, dass viele Uferschnepfenpopulationen in NRW in den letzten Jahren und Jahrzehnten verschwanden und die Art weiterhin vom Aussterben bedroht ist, eine bemerkenswerte kurzfristige Entwicklung, über die sich alle Exkursionsteilnehmenden sehr gefreut haben – nicht zuletzt auch, weil sich die Uferschnepfen auch entsprechend leicht beobachten ließen: Die Altvögel sitzen gerne auffällig auf Zaunpfählen und auch überfliegend ließen sich die eleganten Limikolen ausgiebig beobachten. Auch ein Großer Brachvogel zeigte sich, bevor gegen 17 Uhr die Exkursion zu Ende war.
Unser herzlicher Dank geht an Dietmar Ikemeyer, Max Roth und Daniela Reich von der Biologischen Station Zwillbrock für die exzellente Leitung und Organisation der Exkursion.
21.06.2026
Wer macht den Sommer? Schwalben in NRW
Heute ist meterologischer Sommeranfang. Alle drei regelmäßig in Nordrhein-Westfalen brütenden Schwalben sind längst in ihren Brutgebieten angekommen und die meisten sind bereits eifrig mit der Brut beschäftigt. Allerhöchste Zeit also, um sich mit den heimischen Schwalbenarten vertraut zu machen, aber welche Arten sind es, wo leben sie, wie kann man sie unterscheiden und wie sieht es eigentlich um den Schutz der Schwalben aus?
Schwalben sind wie kaum eine andere Singvogelfamilie an das Leben in der Luft angepasst. Weltweit werden aktuell 92 Arten unterschieden (AviList Core Team 2025: AviList: The Global Avian Checklist, v2025. https://doi.org/10.2173/avilist.v2025), von denen drei regelmäßig in NRW brüten: Rauchschwalbe, Mehlschwalbe und Uferschwalbe. Alle drei sind elegante schlanke Vögel mit dreieckig wirkenden, spitzen, relativ langen Flügeln und meist auffällig gegabelten Schwänzen.
Rauchschwalbe Hirundo rustica
Die Rauchschwalbe ist vielleicht die bekannteste heimische Schwalbenart. Rauchschwalben sind oberseits dunkelblau mit langem Schwanz, wobei vor allem die Männchen auffällige Schwanzspieße haben, die Jungvögeln im Spätsommer aber noch fehlen und die deshalb manchmal mit anderen Arten verwechselt werden. Unterseits haben die Vögel eine rötliche Kehle, die von einem dunkelblauen Brustband abgeschlossen wird. Der Bauch ist weiß, kann aber bei einzelnen Vögeln auch hier bei uns rötlich sein. Wer in gängige Bestimmungsbücher schaut, denkt dabei vielleicht irrtümlich an Unterarten aus anderen Regionen. Rauchschwalben sind fast kosmopolitisch verbreitet. Sie leben als Brutvögel in ganz Europa, weiten Teilen Asiens und Nordamerika, die Winterquartiere liegen in den Tropen. „Unsere“ Schwalben überwintern in Afrika südlich der Sahara. Heute kaum zu glauben, aber früher dachte man, die Vögel würden im schlammigen Grund von Gewässern überwintern. Vielleicht spielten Schlafplätze im Schilf an Gewässerrändern eine Rolle bei der Entstehung dieser Vermutung.
Rauchschwalben brüten vor allem im Inneren von Gebäuden, insbesondere in eher dunkleren Viehställen. Mit der Aufgabe kleinbäuerlicher Strukturen, der Aufgabe der Viehhaltung und neuartigen Ställen haben sie Brutlebensraum verloren. Wie alle Schwalben sind sie als Insektenfresser auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot angewiesen. Das Insektensterben könnte also ebenfalls eine wichtige Rolle beim Bestandsrückgang spielen. In NRW lebten im Zeitraum 2005-2009 laut Brutvogelatlas noch 47.000 bis 90.000 Brutpaare, wobei der Bestandstrend abwärts zeigt. Die Art steht als gefährdet auf der Roten Liste.
Mehlschwalbe Delichon urbicum
Während Rauchschwalben in NRW fast nur im ländlichen Raum brüten, sind Mehlschwalben in Städten und Dörfern verbreitet. Sie bauen ihre Nester außen an Gebäuden – oft sind es Häuser mit hellem Putz und überstehender Traufe - ein Sekundärlebensraum, an Küsten und im Gebirge werden Kalksteinfelsen besiedelt. Auch Mehlschwalben sind oberseits tief dunkelblau, die nahezu rein weiße Unterseite und der weiße Bürzel machen die Bestimmung unter guten Bedingungen aber unproblematisch. Schwanzspieße fehlen.
Leider werden immer wieder Nester von Häusern entfernt, obwohl das sogar eine Straftat darstellt. Wer sich am Kot stört, kann leicht mindestens einen Meter unter den Nestern kleine Brettchen anbringen. Mancherorts wird den Vögeln mit Kunstnestern oder sogenannten Schwalbenhotels geholfen. Unsere AG Gebäudebrüter hat zahlreiche Informationen und Praxisbeispiele zu diesem Thema.
In NRW steht es um die Mehlschwalbe ähnlich schlecht wie um die Rauchschwalbe. Im Brutvogelatlas sind für 2005 bis 2009 36.000 bis 68.000 Brutpaare angegeben und die Art steht als gefährdet auf der Roten Liste. Wie alle Schwalben sind Mehlschwalben Langstreckenzieher, die meist wenige Wochen nach den Rauchschwalben im Brutgebiet ankommen.
Uferschwalbe Riparia riparia
Die kleinste und am wenigsten bekannte heimische Schwalbe ist die Uferschwalbe. Sie bewohnt natürlicherweise die Steilufer von Flüssen, in die sie lange Röhren gräbt. Abgrabungen sind nach der Begradigung unserer Fließgewässer zu einem wichtigen Sekundärlebensraum geworden. Uferschwalben sind oberseits gänzlich braun, unterseits gibt es ein braunes Brustband auf hellem Untergrund.
Neben der Vernichtung des Lebensraumes stellen Störungen an den verbliebenen Brutplätzen eine wichtige Gefährdung dar. Die Bestände schwanken aber auch stark in Anhängigkeit von den Niederschlägen in der Sahelzone. Wer möchte, kann sich beim Uferschwalbenmonitoring im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel bei der Erfassung der Bestandstrends selbst engagieren. In NRW lebten im Atlaszeitraum 4.000 bis 6.000 Brutpaare und die Art gilt als stark gefährdet.
Die Liste der Schwalbenarten in NRW wäre allerdings nicht vollständig, würden wir nicht noch zwei Ausnahmeerscheinungen erwähnen. Rötelschwalben sind im Mittelmeerraum weit verbreitet und werden in seltenen Fällen auch in NRW beobachtet. Von der Felsenschwalbe, deren nächste Brutplätze in Süddeutschland liegen, gibt es erst eine Beobachtung aus NRW.
Wird das Wetter schlecht, wenn die Schwalben tief fliegen?
Das Sprichwort kann leider so einfach nicht mit ja beantwortet werden. Allerdings ist bei kühlen Wetterbedingungen und Regen die Nahrungsverfügbarkeit reduziert – Fluginsekten bleiben eher am Boden bzw. an geschützten Stellen. Ohne Thermik wird vielleicht auch nicht so viel Luftplankton in obere Luftschichten verfrachtet. Oft sieht man Schwalben dann niedrig über Gewässern oder Wiesen und Weiden jagen, wo die Nahrungsverfügbarkeit größer ist. Auch vor Gewitterfronten jagen manchmal Schwalben und die äußerlich ähnlichen, aber nicht näher verwandten Mauersegler. Und wenn es schon um Sprichworte geht, die allerersten Rauchschwalben kommen in NRW oft schon Mitte März an (in Ausnahmefällen auch schon früher), die Brutgebiete selbst werden zwar spätestens im April besetzt, aber Sommer ist dann auch noch nicht. Der Sommer ist bei Schwalben die Zeit der Jungenaufzucht aber die Vögel nehmen es uns sicherlich nicht übel, dass wir sie als Boten der warmen Jahreszeit betrachten.
ps Bitte melden Sie Schwalbenbrutplätze auf ornitho.de. Die Daten stehen damit für den neuen Atlas Deutscher Brutvogelarten (ADEBAR) zur Verfügung. Wer schon bei ADEBAR mitkartiert, kann auch jetzt Ende Juni/Anfang Juli noch aktiv sein und Schwalben erfassen!