24.06.2026

Rückblick auf die NWO-Exkursion am 20. Juni ins Westmünsterland

Mauersegler
Exkursionsgruppe (© Kathrin Schidelko)

Unsere diesjährige Exkursion führte uns ins Westmünsterland. Hier liegen mit dem Zwillbrocker Venn und den Amtsvennwiesen zwei der wichtigsten Schutzgebiete in NRW für Vogelarten der Moore und Feuchtwiesen. Geleitet wurde die Exkursion von einem Team der Biologischen Station Zwillbrock.

Etwa 30 Vogelbegeisterte trafen sich am Samstagvormittag bei sonnigem und heißem Wetter am Parkplatz im kleinen Ort Zwillbrock im Kreis Borken. Wir befinden uns hier im äußersten Westen des Münsterlandes – die Grenze zu den Niederlanden ist oft nur einen Steinwurf entfernt. Zum anderen befinden wir uns hier am Südwestrand der europäischen Verbreitung der Tiefland-Hochmoore. Beides hat dazu beigetragen, dass sich hier im Zwillbrocker Venn eine in NRW nahezu einzigartige Landschaft entwickelt hat und zumindest in vielen Teilen auch erhalten hat. Als in den 1970er Jahren wie andernorts auch die Flurbereinigung stattgefunden hat, konnten glücklicherweise größere Flächen in öffentlicher Hand unter Schutz gestellt werden. Teile des Gebietes wurden bereits im Jahr 1938 unter Schutz gestellt. Das Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn ist eine abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, Wiesen, Moor und Gewässern. Herz des Gebietes und auch bei der Exkursion erstes Ziel ist aber sicherlich das große Flachgewässer. Es entstand nach Ende des Torfabbaus. Auch wenn die Brutzeit schon fortgeschritten war, konnten wir die vielfältige Vogelwelt des Gebietes hautnah erleben. Mehrere Personen hatten Spektive dabei und die verschiedenen Beobachtungsplätze, darunter eine Beobachtungshütte und auch ein Bereich, der nur ausnahmsweise in Begleitung der Biostationsmitarbeitenden zugänglich war, bot ausgezeichnete Beobachtungsbedingungen, ohne die Vögel zu stören. Wir hörten Pirol und Teichrohrsänger und Kraniche flogen vorbei, berühmt ist das Zwillbrocker Venn aber natürlich vor allem für seine Flamingos. Dieses Jahr gab es wieder zahlreiche Nester und einige Jungvögel waren bereits groß genug, um sich in kleinen „Kindergärten“ zusammenzuschließen. Seit 1982 gibt es Flamingos im Zwillbrocker Venn. Die Population besteht aus den aus Südamerika stammenden Chileflamingos, die erstmals 1982 festgestellt wurden. Eine Zeit lang gab es auch zwei Kubaflamingos. Daneben gibt es auch Rosaflamingos, die u.a. in Südeuropa heimisch sind. Die Vögel sind nur im Sommerhalbjahr anwesend, im August/September erfolgt der Abzug in die Winterquartiere an der niederländischen Küste. Das ursprünglich nährstoffarme Gewässer wurde wahrscheinlich erst durch die Ansiedlung einer Schlüsselart für die Flamingos als Brutgewässer interessant. Auch wenn ihre Zahl mittlerweile wieder abgenommen hat, brüten im Zwillbrocker Venn immer noch Tausende Lachmöwen! Ihre Hinterlassenschaften haben den ursprünglich nährstoffarmen Moorsee in ein deutlich eutropheres Gewässer verwandelt, das mehr Nahrung für die Flamingos bietet. Die Möwen finden wie die Flamingos auch Schutz vor Landraubtieren auf einer Insel. Unter die Lachmöwen mischen sich außerdem einzelne Paare Schwarzkopfmöwen, eine früher vor allem in Süd- und Südosteuropa beheimatete Möwenart, die sich ohne direktes menschliches Zutun nach Mitteleuropa ausgebreitet hat. In NRW sind die Vögel mit den im Prachtkleid schwarzen Köpfen und den weißen Flügeln nur an wenigen Stellen zuverlässig zu beobachten. Eine weitere Art, die von der Anwesenheit der Möwen profitiert, ist der Schwarzhalstaucher, von denen mehrere Paare im Gebiet brüten. Wir konnten mehrere Individuen inkl. Nachwuchs dieses attraktiven und bei uns seltenen Wasservogels beobachten. Gefährdet ist das Gebiet durch den Klimawandel – in den letzten Jahren trocknete der See teilweise aus.

Uferschnepfen
Uferschnepfen im Flug (© Stefan R. Sudmann)

Zur Mittgaszeit kehrten wir dann in ein nahegelegenes Restaurant ein. Draußen im Biergarten an zwei großen Tischen im Schatten gab es die verdiente Stärkung. Am Nachmittag stand der zweite Teil der Exkursion auf dem Programm. Mit dem Auto ging es zu den weiter nördlich gelegenen Amtsvennwiesen – eines der bedeutendsten Gebiete für Wiesenvögel in NRW. Das Amtsvenn ist ein auf deutscher Seite insgesamt etwa 9 km² großes Moorgebiet entlang der Grenze, das sich als Aamsveen auf niederländischer Seite fortsetzt. Das Gebiet wurde erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch eine Straße wirklich erschlossen. Bis in die 1970er Jahre erfolgte Torfabbau. Seit 1983 steht das Kerngebiet des Amtsvenns unter Schutz, 2004 erfolgte eine Erweiterung und Zusammenlegung vorheriger Schutzgebiete als 893 ha großes Naturschutzgebiet Amtsvenn-Hündfelder Moor. Wie auch das Zwillbrocker Venn ist das Amtsvenn Teil des Vogelschutzgebietes „Moore und Heiden des westlichen Münsterlandes“. Im Rahmen des Projektes LIFE-Wiesenvögel-NRW finden seit 2021 dort dankenswerterweise viele Maßnahmen statt, um das Gebiet als bedeutenden Brutlebensraum für diese hochbedrohte Vogelgruppe zu erhalten und zu verbessern: Blänken wurden angelegt und Gehölze entfernt, um das Gebiet für Offenlandbewohner attraktiv zu erhalten. Hinzu kommen mittlerweile 9 km Zaun sowie eine intensivere Bejagung möglicher Prädatoren. Das Gebiet beherbergt landesweite Schwerpunktvorkommen vom Großen Brachvogel und der Uferschnepfe, die mit jeweils knapp 20 Paaren hier brüten. Auch Kiebitze brüten – ihre Bestände sind mehr als doppelt so groß. Für alle drei Arten war dieses Jahr bisher erfolgreich – zahlreiche Jungvögel wurden flügge. Vor dem Hintergrund, dass viele Uferschnepfenpopulationen in NRW in den letzten Jahren und Jahrzehnten verschwanden und die Art weiterhin vom Aussterben bedroht ist, eine bemerkenswerte kurzfristige Entwicklung, über die sich alle Exkursionsteilnehmenden sehr gefreut haben – nicht zuletzt auch, weil sich die Uferschnepfen auch entsprechend leicht beobachten ließen: Die Altvögel sitzen gerne auffällig auf Zaunpfählen und auch überfliegend ließen sich die eleganten Limikolen ausgiebig beobachten. Auch ein Großer Brachvogel zeigte sich, bevor gegen 17 Uhr die Exkursion zu Ende war.

Unser herzlicher Dank geht an Dietmar Ikemeyer, Max Roth und Daniela Reich von der Biologischen Station Zwillbrock für die exzellente Leitung und Organisation der Exkursion.